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PROLOG INSIDER RICK

PROLOG INSIDER RICK ZABEL MIT MOTIVATION ZUR TOUR Der Katusha-Alpecin-Profi berichtet über seine Ziele in Frankreich. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Jojo Harper/Team Katusha-Alpecin (Porträt), Tim De Waele/Getty Images Mit dem Zug zur Tour. Gerade befinde ich mich auf dem Weg zum Start der Tour de France nach Brüssel. Nach 2017 und 2018 wird es meine dritte Frankreich-Rundfahrt sein – und hoffentlich auch meine bisher erfolgreichste. Denn nach dem verletzungsbedingt schwierigen Frühjahr ging es in den letzten Wochen mit meiner Form stark bergauf – genau rechtzeitig für die drei schweren Wochen in Frankreich. Den Feinschliff für die Tour holte ich mir in den letzten Wochen beim GP Kanton Aargau im schweizerischen Gippingen, bei der Tour de Suisse und letztlich bei der deutschen Straßenmeisterschaft. Zu meinen Resultaten gibt es hier leider – außer einem achten Platz in Gippingen – nicht viel zu berichten. Zu anspruchsvoll und zu bergig waren die Rennen in der Schweiz, die damit aber trotzdem ihren Zweck perfekt erfüllten: mich auf die harten Etappen bei der Frankreich-Rundfahrt vorzubereiten. Eine Tour wie in der letzten Saison, als ich in den Bergen das Rennen vorzeitig aufgeben musste, will ich in diesem Jahr schließlich nicht mehr erleben. Ursprünglich hatte ich auch auf ein gutes Ergebnis bei der deutschen Meisterschaft am Sachsenring gehofft. Doch schon nach der ersten Trainingsrunde war mir klar, dass „BISHER IST EIN ELFTER PLATZ AUS DER VERGANGENEN SAISON MEIN BESTES EINZELRESULTAT BEI DER TOUR – DAS WILL ICH IN DIESEM JAHR TOPPEN.“ das Rennen deutlich selektiver werden würde als ursprünglich angenommen. Auf 180 Kilometern kamen über 3.000 Höhenmeter zusammen – zu viel für einen schweren Fahrer wie mich. Aber nicht nur bei der offiziell niedriger angegebenen Höhenmeterzahl, sondern auch beim Modus hat sich der Bund Deutscher Radfahrer nicht mit Ruhm bekleckert. Aufgrund der Streckenführung mussten alle Fahrer aus dem Rennen genommen werden, die sich mehr als zwei Minuten hinter einer Spitzengruppe befanden. Die Folge: Das Rennen wurde zu einem Ausscheidungsfahren, bei dem sich das Feld Stück für Stück verkleinerte. Mich erwischte es auf Position 22 liegend, gemeinsam mit Christian Knees und Christoph Pfingsten. Zu dem Zeitpunkt waren noch etwa 30 Kilometer zu fahren, die ich zu Trainingszwecken auch gerne im Renntempo absolviert hätte. Da dies aufgrund des Modus aber nicht möglich war, war die DM mit der weiten Anreise an den Sachsenring so für mich leider ein Event, das ich mir sparen hätte können. Nichtsdestotrotz möchte ich dem gesamten Team Bora–hansgrohe zu der tollen Leistung gratulieren. Es hat seine zahlenmäßige Überlegenheit perfekt ausgespielt. – Chapeau! Nun aber zur Tour de France. Zuallererst freue ich mich riesig, dass ich wieder in Frankreich dabei sein darf. Meine Form ist gut und ich hoffe, dass ich das bei der ein oder anderen Gelegenheit unter Beweis stellen kann. Angeführt wird das Aufgebot von Katusha-Alpecin von Ilnur Zakarin und Nils Politt. Ilnur hat sein Können in diesem Jahr ja schon beim Giro eindrucksvoll gezeigt und Nils ist nach seinem bärenstarken 2019 bestreitet der 25-jährige Rick Zabel seine dritte Tour de France. Frühjahr mehr als reif für einen Erfolg bei einer großen Landesrundfahrt. Mit den weiteren Fahrern – Alex Dowsett, Jens Debusschere, José Goncalves, Marco Haller, Mads Würtz Schmidt und mir – haben wir auf dem Papier vielleicht nicht das stärkste Aufgebot aller Mannschaften, aber durchaus eines, das für Überraschungen gut ist. Und genau diese Karte wollen wir spielen. Konkret heißt das, dass wir auf Etappenjagd gehen werden. Wir werden attackieren und uns so oft wie möglich an der Spitze präsentieren. Auch ich werde meine Chance erhalten – entweder im Sprint oder aus einer Fluchtgruppe heraus. Ich bin dabei aber realistisch genug, dass ein Etappensieg für mich wohl noch ein zu hohes Ziel ist. Ein Top- Ten-Ergebnis würde ich an einem Tag aber schon gerne einfahren. Bisher ist ein elfter Platz aus der vergangenen Saison mein bestes Einzelresultat beim größten Radrennen der Welt – das will ich in diesem Jahr toppen! Geboren am 7. Dezember 1993, zog es den Sohn von Erik Zabel schon früh zum Radsport. Nach guten Platzierungen bei den Junioren wechselte er 2012 zum Rabobank Development Team. 2014 wurde Rick Zabel Profi bei BMC und fuhr drei Jahre bei der US-amerikanischen Equipe. 2017 wechselte er zu Katusha-Alpecin und bestritt erstmals die Tour de France und die Straßen-WM. 24 PROCYCLING | AUGUST 2019

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