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PROLOG INSIDER RICK

PROLOG INSIDER RICK ZABEL SCHWIERIGE ZEITEN Der Katusha-Alpecin-Profi berichtet über seine Zwangspause im August. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Jojo Harper/Team Katusha-Alpecin (Porträt), Luc Claessen/Getty Images Meine Saison 2019 ist offiziell vorbei. Eigentlich sollte ich in diesen Wochen noch einige Eintagesrennen im Herbst bestreiten, aufgrund meiner lange Zeit gesundheitlich schwierigen Situation in diesem Sommer habe ich aber gemeinsam mit dem Team entschieden, bereits frühzeitig in die Winterpause zu gehen. Nachdem ich mir bei der Tour de France eine Virusinfektion eingefangen hatte, aufgrund derer ich die Frankreich-Rundfahrt nach dem ersten Ruhetag verlassen musste, musste ich eine dreiwöchige Komplettpause einlegen. Kein Rad, kein Training, einfach nur Ruhe. Von 100 zurück auf null – man kann sich vorstellen, was das mit dem Körper eines Leistungssportlers macht. Als ich dann Anfang August wieder die ersten Trainingseinheiten abspulen konnte, fing ich wieder komplett von vorne an. Anfangs verfolgte ich zwar noch das Ziel, rechtzeitig bis zu den Cyclassics in Hamburg und zur Deutschland Tour fit zu werden, aber zweieinhalb Wochen reichten für einen schnellen Formaufbau einfach nicht aus. Kein Start in Hamburg, kein Start bei der Deutschland Tour – der nächste Rückschlag für mich in den sowieso schon schwierigen letzten Wochen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Saison bald vorüber sein würde, musste nun eine Grundsatzentscheidung getroffen werden: entweder weiter trainieren und versuchen, für Paris–Tours und die WorldTour-Rundfahrt in China in Form zu kommen oder frühzeitig in die Winterpause zu gehen, um dann nächste Saison stärker zurückzukommen. Gemeinsam mit dem Performance Team unserer Mannschaft entschied ich mich für Letzteres. Manchmal ist es besser, auf ein paar Rennen zu verzichten und im Hinblick auf das kommende Jahr stattdessen langfristig zu denken. „MANCHMAL MUSS MAN EINEN SCHRITT ZURÜCKGEHEN, UM ZWEI SCHRITTE NACH VORNE MACHEN ZU KÖNNEN.“ Nach einer schweren Virusinfektion bei der Tour de France beendete Rick Zabel seine Saison frühzeitig. Genaue Beobachter des Renngeschehens werden sich jetzt natürlich wundern: Denn sowohl beim Bretagne Classic Anfang September in Frankreich als auch bei den beiden WorldTour-Rennen in Kanada Mitte des Monats tauche ich mit einem dicken DNF [Did Not Finish; Anm. d. Red] in den Ergebnislisten auf. Die Erklärung ist so einfach wie seltsam: Ich wurde vom Team trotz meiner Pause tatsächlich für diese Rennen nominiert. Der Grund dafür ist eine UCI-Regelung, die besagt, dass eine Mannschaft bei World­ Tour-Rennen immer vollzählig am Start stehen muss. Schickt das Team nicht genügend Fahrer, muss eine hohe Strafe bezahlt werden. Da Katusha-Alpecin nach dem Karriereende von Marcel Kittel, einer Langzeitverletzung des US-Amerikaners Ian Boswell und einem Visaproblem des Russen Dmitry Strakhov derzeit nur 22 aktive Fahrer hat, sind wir hier absolut am Limit. Ich musste also aushelfen, zu den Rennen reisen und mich dort in die Startliste eintragen – um so dem Team die UCI-Strafe zu ersparen. Gefahren bin ich die Rennen allerdings nicht. Wenn ihr diese Zeilen lest, befinde ich mich nun allerdings endgültig in meiner vorgezogenen Winterpause. Ich möchte die Auszeit nutzen, um meine Batterien für das kommende Jahr wieder voll aufzuladen. Bereits Anfang Oktober – so früh wie noch nie – will ich dann mit den Vorbereitungen auf die Saison 2020 beginnen. Wie heißt es so schön: Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei Schritte nach vorne machen zu können. Ich hoffe, die Entscheidung, meine Saison frühzeitig zu beenden, zahlt sich am Ende aus. Geboren am 7. Dezember 1993, zog es den Sohn von Erik Zabel schon früh zum Radsport. Nach guten Platzierungen bei den Junioren wechselte er 2012 zum Rabobank Development Team. 2014 wurde Rick Zabel Profi bei BMC und fuhr drei Jahre bei der US-amerikanischen Equipe. 2017 wechselte er zu Katusha-Alpecin und bestritt erstmals die Tour de France und die Straßen-WM. 26 PROCYCLING | OKTOBER 2019

PROLOG INSIDER RALPH DENK EINE GUTE VUELTA Der Teamchef von Bora–hansgrohe blickt auf die Spanien-Rundfahrt zurück. Zwei Etappensiege durch Sam Bennett sowie Platz sechs in der Gesamtwertung durch Rafał Majka – wie schon beim Giro d’Italia und bei der Tour de France können wir auch mit unserem Auftritt bei der Spanien-Rundfahrt sehr zufrieden sein. Das ganze Team hat erneut gezeigt, dass wir bei den Grand Tours im Vergleich zum Vorjahr einen großen Schritt nach vorne gemacht haben – das macht mich sehr stolz. Rafał hat sich in diesem Jahr komplett auf die Grand Tours konzentriert – ein Fokus, der sich sowohl beim Giro d’Italia als auch bei der Vuelta a España bezahlt gemacht hat. Seine konstant starken Leistungen sind dabei auch einer Umstellung seiner Fahrweise geschuldet: Im Vergleich zu früher, wo er oftmals mit sehr spektakulären Attacken aufgefallen ist und um Bergtrikots gekämpft hat, fährt er heute eher zurückhaltend. Genau diese Fahrweise braucht es aber, um sich bei der hohen Leistungsdichte bei Grand Tours vorne platzieren zu können. Für uns als Team und unsere Sponsoren sind solche Platzierungen im Hinblick auf das World­ Tour-Ranking extrem wichtig. Und für einen Top-Ten-Platz in der Gesamtwertung einer großen Landesrundfahrt gibt es eben deutlich mehr Punkte als für ein Bergtrikot. Besonders hervorheben möchte ich auch die Leistung von Sam Bennett. Im Laufe der Vuelta hat Sam endgültig bewiesen, dass er einer der besten Sprinter der Welt ist. 13 Saisonsiege, davon alleine elf in der WorldTour – das muss man erst einmal schaffen. Sam ist 2014 bei uns Profi geworden – damals noch in den Farben von NetApp-Endura. Er hat sich seitdem konstant weiterentwickelt und jedes Jahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Seine „DAS GANZE TEAM HAT GEZEIGT, DASS WIR BEI DEN GRAND TOURS IM VERGLEICH ZUM VORJAHR EINEN GROSSEN SCHRITT NACH VORNE GEMACHT HABEN.“ derzeitigen Erfolge sind nun der Lohn für diese konstante Arbeit. In den vergangenen Wochen gab es ja immer wieder Gerüchte darüber, dass Sam das Team wechseln würde. Wir beteiligen uns an solchen Spekulationen nicht, aber ich würde nicht allem Glauben schenken, was man in den Medien liest. Damit sind wir mittendrin in der sogenannten silly season. Das Transferkarussell dreht sich derzeit rasend schnell und viele Teams verstärken sich für das nächste Jahr. Ich freue mich, dass wir mit Lennard Kämna und Ide Schelling bereits zwei hoffnungsvolle Talente verpflichten konnten, die wir genauso Bora-Profi Sam Bennett war mit zwei Etappensiegen der stärkste Sprinter der Vuelta 2019. entwickeln wollen wie unsere anderen jungen Fahrer in den letzten Jahren. Lennard ist unbestritten ein großes Talent und war mit Sicher heit bei einigen Teams auf der Wunschliste. Es war beeindruckend zu sehen, wie er sich in der letzten Tour- Woche präsentiert hat. Immer aktiv, immer vorne dabei – und das jeden Tag. Da kann man schon erahnen, dass er sehr belastungsfähig ist und einen großen Motor hat. Ide ist wohl nur wenigen Fans bekannt, aber genau das macht ihn so interessant: Er ist ein vielseitiger junger Fahrer, der großes Potenzial hat. In der kommenden Saison müssen wir ihn erst einmal an das Niveau in der WorldTour heranführen, aber ich erhoffe mir, dass er unserem Kader bei Rennen wie den Ardennenklassikern weitere Tiefe gibt und dort das Team auch entsprechend tatkräftig unterstützt. Er wird die nötige Zeit, aber auch die Chancen bekommen, um mit uns gemeinsam herauszufinden, wo genau seine Zukunft als Rennfahrer liegt. Ralph Denk ist Teammanager der deutschen WorldTour-Mannschaft Bora–hansgrohe. Nach jahrelanger Aufbauarbeit ist die Equipe mit Sitz im oberbayerischen Raubling seit 2017 in der höchsten Radsportliga aktiv. In Procycling berichtet Denk, in früheren Jahren selbst aktiver Rennfahrer, jeden Monat über seinen Alltag als Teamchef. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Bora–hansgrohe/BettiniPhoto OKTOBER 2019 | PROCYCLING 27