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NACHLESE TOUR DE POLOGNE

NACHLESE TOUR DE POLOGNE / 03.–09.08.2019 SIWAKOW GEWINNT TRAGISCHE POLEN- RUNDFAHRT © Getty Images Die Polen-Rundfahrt 2019 war durch den tödlichen Sturz von Bjorg Lambrecht auf der 3. Etappe nicht nur in menschlicher Hinsicht beeinträchtigt – die Tragödie sorgte auch für ein radikal geändertes Rennen. Eine neue, sehr schwere Bergankunft – die einzige des siebentägigen Rennens – war für die 4. Etappe in Kocierz vorgesehen. Ursprünglich hatte das bedeutet, dass nach drei Flachetappen in Kocierz Bewegung in die Gesamtwertung kommen würde, die in der deutlich hügeligeren zweiten Hälfte des Rennens entschieden werden sollte. Aber die Neutralisierung der Etappe nach Kocierz nach Lambrechts Tod und einem zweiten Sprintsieg für Luka Mezgec 24 Stunden später – nach fünf Jahren ohne WorldTour-Sieg holte der Slowene zwei in vier Tagen – sorgten für einen fünftägigen Stillstand in der Gesamt wertung. Die Polen-Rundfahrt wurde daher auf zwei kurzen hügeligen Etappen entschieden. Statt dass sich auf der 4. Etappe ein echter Klassementfahrer hervorgetan hätte, wie es der Fall gewesen wäre, wenn ERGEBNIS Kocierz in Angriff genommen worden wäre, war die allgemeine Schlagkraft und Beständigkeit der Teams auf dem anspruchsvollen Terrain der wichtigste Faktor in der Gesamtwertung. Die ersten zwei Stunden der 6. Etappe beschrieb der Brite James Knox später als die härtesten seiner bisherigen Karriere. Die Folge war, dass ganze 20 Fahrer das Rennen aufgaben. Der Kampf auf Biegen und Brechen führte dazu, dass die beiden stärksten Teams des Rennens den Ton angaben, wobei sich Jumbo–Vismas Kletterer-Trio Robert Gesink, Antwan Tolhoek und Jonas Vingegaard mit drei Ineos- Männern auseinandersetzte: Ben Swift, Tao Geoghegan Hart und Pawel Siwakow. Als Jumbo–Visma-Profi Vingegaard sich im Finale der 6. Etappe gegen Siwakow behauptete, schien das holländische Team die Oberhand gewonnen zu haben. Aber nach Vingegaards Angriff und der Gesamtführung musste Tolhoek, theoretisch Jumbos Topmann für das Rennen, das Trikot seines Teamkollegen auf der 7. Etappe verteidigen. Als Vingegaard auf der 7. Etappe komplett einbrach und Gesink nach langer Auszeit in Folge eines schweren Sturzes im Frühjahr keinen Rennrhythmus fand, war Tolhoek schnell isoliert und Ineos übernahm das Kommando. Bereits auf der 6. Etappe hatten die unterschiedlichen Stärken – und mithin Strategien – der drei Ineos-Kapitäne effektiv zusammengespielt. Swifts späte Attacke hatte den Ausdünnungsprozess fortgeführt, den Geoghegan Hart mit seinen früheren Angriffen eingeleitet hatte. Nach seinen eigenen Worten war Siwakow schwächer als Geoghegan Hart. Aber FAHRER TEAM ZEIT 1 Pavel Siwakow Team Ineos 26:20:58 2 Jai Hindley Team Sunweb + 0:02 3 Diego Ulissi UAE Team Emirates + 0:12 4 Sergio Higuita EF Education First + 0:14 5 Tao Geoghegan Hart Team Ineos + 0:14 Die Fahrer von Lotto Soudal trauern um ihren jungen Kameraden Bjorg Lambrecht. 8 Gesamtsiege für Ineos in der Saison 2019 auf der 6. Etappe war er bis zum Schlussanstieg besser beschützt und deswegen besser in der Lage, seine Energien zu nutzen, als es am meisten darauf ankam, sodass er Zweiter hinter Vingegaard wurde. Auf der 7. Etappe zerstörte Geoghegan Hart mit seinen wiederholten Angriffen die defensive Strategie von Jumbo und brachte Vingegaard in Bedrängnis. Siwakow konnte es sich leisten, auf den letzten 50 Kilometern defensiv zu fahren, während ein erschöpftes Peloton anscheinend bereit war, den Status quo zu akzeptieren. Geoghegan Hart hatte eine äußerst effektive Rolle als Wachhund und Königsmacher für Siwakow gespielt. Eine weitere Trumpfkarte, die Siwakow auf der 7. Etappe in den Schoß fiel, war eine frühe Ausreißergruppe, deren Speerspitze Matej Mohoric war. Der Slowene 76 PROCYCLING | OKTOBER 2019

NACHLESE THE LARRY H. MILLER TOUR OF UTAH / 12.–18.08.2019 BEN HERMANS’ GROSSES ABENTEUER legte ein 47-Kilometer-Solo hin und hielt eine Gruppe von Verfolgern auf Trab. Die Ausreißer saugten alle Zeitgutschriften auf, die ihn unter Druck hätten setzen können. Aber die grundsolide Strategie von Ineos auf der 6. Etappe erlaubte es dem britischen Team, die Gesamtwertung einen Tag später nach Belieben umzukrempeln. Wie bei einem Rennen, das in einer Höhenlage zwischen rund 1.300 und 3.000 Metern ausgetragen wurde, nicht anders zu erwarten, war die 15. Tour of Utah ein Test für Beine und Lunge, kein Strategiespiel. Nach sieben Tagen und mehr als 11.500 Klettermetern erwies sich Ben Hermans (Israel Cycling Academy) als bester Bergfahrer des Rennens – er sicherte sich zwei Etappensiege und den Gesamtsieg mit 50 Sekunden Vorsprung auf James Piccoli, einen 27 Jahre alten Kanadier vom US- Continental-Team Elevate-KHS. Die Rennorganisatoren trafen die wichtige Entscheidung, die Länge der Etappen 2019 zu verringern; sie kappten die Anzahl von Kilometern, auf denen das Peloton nur „herumbummelte“, wie der Gewinner der 7. Etappe, Joe Dombrowski, es nannte, und das führte zu spannenden Rennen mit sechs verschiedenen Etappensiegern. Dombrowski, der hier 2015 gewann, profitierte von der Dynamik und feierte einen Solosieg am letzten Tag, nachdem er am Empire Pass angegriffen und die rasante Abfahrt nach Park City wie auf Schienen heruntergerauscht war. Bei den kurzen Etappen, die nach dem 5,3-Kilometer-Prolog zwischen 86,5 und 140 Kilometer lang waren, gab es keine verschwendeten Momente. Fast jeder Angriff hatte Folgen, und da sich das Peloton dessen bewusst war, dauerte es jeden Tag mehr als eine Stunde, bis die Ausreißergruppe stand. Hermans fuhr fehlerfrei und sparte sich seine Körner für die entscheidenden Augenblicke auf. Nachdem Piccoli das Feld mit einem Prologsieg überrascht hatte, startete EF-Mann Lawson Craddock auf der 1. Etappe einen späten Angriff, der ERGEBNIS Neri-Sottoli-Profi Umberto Marengo zum Etappensieg und Craddock ins Spitzenreitertrikot beförderte. Doch auf der 2. Etappe mit der Bergankunft am Powder Mountain war Hermans an der Reihe. Er gewann die Etappe mit 20 Sekunden Vorsprung auf Piccoli und übernahm die Führung des Rennens, die er den Rest der Woche nicht mehr abgab. Hermans gewann erneut am nächsten Tag, um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, wer das Rennen dominierte. An den folgenden Tagen gab es Etappensiege für Marco Canola (Nippo–Vini Fantini), Lachlan Morton (EF Education First) und Dombrowski, aber es war Hermans, der das Rennen eroberte, das sich selbst America’s Toughest nennt. Mit zwei Etappenerfolgen zementierte Ben Hermans seinen Gesamtsieg bei der Tour of Utah. Ineos ließ Jumbo die Arbeit machen, doch Siwakow (l.) wartete schon auf seine Chance. FAHRER TEAM ZEIT 1 Ben Hermans Israel Cycling Academy 18:46:09 2 James Piccoli Elevate–KHS Pro Cycling + 0:50 3 Joe Dombrowski EF Education First + 1:32 4 João Almeida Hagens Berman Axeon + 2:26 5 Niklas Eg Trek-Segafredo + 2:57 © Getty Images OKTOBER 2019 | PROCYCLING 77