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NACHLESE Fahrer im Fokus

NACHLESE Fahrer im Fokus MAX SCHACHMANN © Kramon Manchmal gehen Resultate im Lärm unter, und die hügeligen Klassiker waren 2019 besonders laut. Das Echo von Mathieu van der Poels Amstel-Gold-Sieg hallt noch nach, während ein immer selbstbewussterer Jakob Fuglsang auf einen dritten Platz hinter van der Poel und einen zweiten beim Flèche Wallonne (hinter einem weiteren Shootingstar, Julian Alaphilippe) schließlich einen Sieg in Lüttich draufsetzte. Inmitten von all diesem Getöse sind die Resultate des Bora-Fahrers Max Schachmann irgendwie untergegangen. Der Berliner war bei den Rennen Fünfter, Fünfter und Dritter. Das sind glänzende Ergebnisse für einen 25-Jährigen, nur dass van der Poel ein Jahr jünger ist. Er war beständig, aber Fuglsang war noch beständiger. Bei Lüttich–Bastogne–Lüttich wurde sein Teamkollege Davide Formolo Zweiter, sodass er nicht einmal der beste junge Bora-Fahrer war. Schachmann wurde in den Meldungen pflichtgemäß erwähnt, JAHR RENNEN dann vergessen. Schachmann ist ein Puncheur-Sprinter, der die Stellen erreicht, die andere Sprinter nicht erreichen können, und auf Siege nach späten Angriffen spezialisiert ist. Er bestreitet Finals mit Leuten wie Michael Matthews und Daryl Impey – endschnelle Männer, die klettern können. Aber er ist bergauf vielleicht sogar noch schneller: Bei der Baskenland-Rundfahrt gewann er eine Etappe aus einer Ausreißergruppe heraus, die er am Anstieg mit Tadej Pogacar, Fuglsang und Adam Yates erzwungen hatte. Bei jenem Rennen war er in bestechender Form – er gewann auch eine Straßenetappe im Sprint einer kleineren Gruppe und das Auftakt-Zeitfahren. Bei der Kalifornien-Rundfahrt wurde er Zehnter, hätte aber besser abgeschnitten, wenn er nicht bei einer frühen spektakulären Attacke auf der Etappe zum Mount Baldy Zeit verloren hätte. Eine gebrochene Hand bei der Tour verlangsamte die Fortschritte des deutschen Meisters, aber früher oder später sollte er für einen großen Sieg gut sein. MAX SCHACHMANNS SIEGE METHODE 2018 Katalonien-Rundfahrt, 6. Etappe Zweiergruppe 2018 Giro d’Italia, 18. Etappe Solo aus Fluchtgruppe am Berg 2018 Deutschland Tour, 2. Etappe Sprint einer späten Vierergruppe 2019 GP Industria & Artigianato Zweiergruppe 2019 Volta a Catalunya, 5. Etappe Zweiergruppe 2019 Baskenland-Rundfahrt, 1. Etappe Kurzes Zeitfahren 2019 Baskenland-Rundfahrt, 3. Etappe Sprint mit 40 Fahrern 2019 Baskenland-Rundfahrt, 4. Etappe Späte Vierergruppe 2019 Deutsche Straßenmeisterschaft Dreierflucht aus großer Gruppe WAS WIR DIESEN MONAT GELERNT HABEN Remco Evenepoel ist eine Klasse für sich Wo waren Sie, als Sie erkannt haben, dass Remco Evenepoel mehr ist als einer von vielen guten Neuprofis? War es nach dem dritten Platz, den er beim Zeitfahren in San Juan erreichte, vier Tage nach seinem 19. Geburtstag? Waren es der Etappensieg und die Gesamtwertung der Belgien-Rundfahrt? War es vielleicht der denkwürdige Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2018, als er wegen eines Defekts zwei Minuten verlor, dann allein durch das ganze Feld nach vorn fuhr und als Solist gewann? Oder sind Sie noch früher draufgekommen, als Sie seine 22 Junioren-Siege 2018 mitgezählt haben? Zweifler mögen darauf hinweisen, dass er sich bei den großen WorldTour-Rennen schwerer tat. So beendete er die meisten Etappen der Tour de Romandie im mittleren Drittel des Feldes. Aber Evenepoels Sieg bei der Clásica San Sebastián ließ die Welt aufhorchen. Er schüttelte alle ab und widersetzte sich Verfolgern wie Greg Van Avermaet und Alejandro Valverde. Dann setzte er mit einem Sieg im Zeitfahren bei der Europameisterschaft noch einen drauf. Es gibt gute Gründe, die Kirche im Dorf zu lassen. Es ist wichtig, dass Evenepoels Team ihn vor Druck beschützt. Und 2019 war ein Jahr der Jungstars – Egan Bernal, drei Jahre älter als Evene poel, ist ein Toursieger; Tadej Pogacar gewann die Kalifornien-Rundfahrt mit 20; Mathieu van der Poel ist 24, aber ein Neuling im Straßenradsport mit einem Amstel-Gold-Titel. Die Sportwissenschaft hat jüngere Champions hervorgebracht, aber die großen Verbesserungen scheinen immer früher zu kommen – Evenepoel scheint mit 19 näher an seinem Zenit zu sein als früher Fahrer mit 23 oder 24. In der Zwischenzeit wird sich der Radsport am Anblick eines furchtlosen, talentierten Jungprofis erfreuen, der die Rennen im Sturm erobert. 80 PROCYCLING | OKTOBER 2019

NACHLESE TAKTIK-TIPPS: AUGEN AUF BEI DER ANFAHRER-WAHL Elia Viviani hatte ein gutes Jahr. Zwar noch nicht ganz so gut wie 2018: Nach einem relativ langsamen Start in die erste Hälfte der Saison sind 2019 bisher zehn Siege auf seinem Konto, verglichen mit insgesamt 18 im letzten Jahr. Aber es waren gute Siege: eine erste Tour-Etappe und ein Hattrick von pres tigeträchtigen Eintagesrennen im Spä t sommer – RideLondon, das EM- Straßen rennen und sein dritter Sieg in Serie beim Hamburg Cyclassics, was ein Rekord ist. Viviani gewinnt viele Rennen, weil er ein sehr schneller Sprinter ist. Aber es gibt noch einen Faktor, den viele seiner Siege gemeinsam haben: die Anwesenheit von Michael Mørkøv. Das letzte Rennen – abgesehen von der italienischen Meisterschaft oder Einsätzen mit dem Nationalteam –, das Viviani ohne den Dänen in seinem Team gewinnen konnte, war Adriatica Ionica im Juni 2018. Andersherum war bei den Rennen, bei denen Viviani nicht gewann – der Giro und die Tour de Romandie plus Mailand–San Remo und Mørkøv (l.) ist für Viviani ein unverzichtbarer Anfahrer und war 2019 an bislang zehn Siegen beteiligt. Gent–Wevelgem –, Mørkøv auch nicht im Team. Das einzige Mal, dass sie in dieser Saison gepatzt haben, wenn sie zusammen fuhren, war bei De Panne, als Viviani Dritter wurde. Mørkøv ist ein guter Sprinter, aber seine eigentliche Stärke ist das Anfahren, und er ist vielseitig genug, um letzter Mann zu sein oder früher in Aktion zu treten. Im nächsten Jahr wechselt Viviani zu Cofidis, während Mørkøv bei Deceuninck bleibt. Wir werden sehen, wie wichtig der Däne für die Siege des Italieners war. © BettiniPhoto OKTOBER 2019 | PROCYCLING 81