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Procycling 01.19

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INSIDER RICK ZABEL

INSIDER RICK ZABEL PLÖTZLICH LAG ICH AM BODEN Auf einer Trainingsausfahrt brach sich der Katusha-Profi das Schlüsselbein. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Jojo Harper/Team Katusha-Alpecin (Porträt), Rick Zabel Einen Moment nicht aufgepasst – und schon war es passiert. Mitte November war ich gemeinsam mit André Greipel, Nils Politt und einigen anderen auf einer Trainingsfahrt unterwegs. Schöne vier Stunden, einmal von Köln nach Düsseldorf zum Radcafé Schicke Mütze und zurück. Wir waren schon fast am Ende unserer Einheit angelangt, als ich beim Wechsel von der Straße auf den Radweg einen vom Herbstlaub verdeckten Belagswechsel übersah – und promt ausgehebelt wurde und mit der rechten Schulter in den Asphalt einschlug. Ich habe sofort gemerkt, dass etwas nicht in Ordnung war. Und kurze Zeit später, im Krankenhaus, war auch die Diagnose klar: Schlüsselbeinbruch. Dabei war ich eigentlich gut und vor allem top motiviert in mein Wintertraining gestartet. Im Robinson Club auf Mallorca war ich eine Woche als Radguide unterwegs, und mit Arne Greskowiak habe ich in Köln einen neuen Fitnesstrainer, der mein Krafttraining optimiert. Dazu kam das perfekte Herbstwetter, das auch in Deutschland direkt die ersten langen Grundlagenausfahrten ermöglichte. Zumeist war ich dabei mit André und Nils unterwegs und an jenem 13. November war es auch André, der nach meinem Sturz sofort reagierte. Er hat sich in seiner Karriere ja schon mehrfach ein Schlüsselbein gebrochen. Noch vor Ort, vom Radweg aus, riefen wir einen bekannten Arzt an, der mich direkt abholte und sich um die Erstversorgung kümmerte. Immer noch in Radklamotten ging es zum Röntgen ins Krankenhaus, und bereits am nächsten Morgen wurde ich operiert. Eine Platte, sechs Schrauben … drei Tage später durfte ich wieder nach Hause – und musste mich dort erst einmal mit einer ganz neuen Situation zurechtfinden. „NOCH NIE ZUVOR HATTE ICH MICH ALS RADPROFI ERNSTHAFT VERLETZT, IN 14 JAHREN ALS RADFAHRER WAR ES MEIN ERSTER BRUCH ÜBERHAUPT.“ Den Arm in der Schlinge: Drei Wochen musste Zabel im November auf Straßentraining verzichten. Denn eigentlich hätte ich am nächsten Tag nach China zum Tour-de- France-Kriterium in Shanghai fliegen sollen. Doch daraus wurde nun natürlich nichts. Genauso waren der Sturz und die folgende Zwangspause auch menschlich eine große Herausforderung für mich: Noch nie zuvor hatte ich mich als Radprofi ernsthaft verletzt, in 14 Jahren als Radfahrer war es mein erster Bruch überhaupt. In den Tagen nach der Operation war ich entsprechend niedergeschlagen, fast schon depressiv. Meine Freundin musste wohl ziemlich geduldig mit mir sein, denn so ganz ohne Sport hat mir definitiv der Ausgleich gefehlt. Ich hatte aber Glück im Unglück: Nach einigen Tagen durfte ich bereits wieder mit leichtem Krafttraining im Fitnessstudio loslegen, und nach rund eineinhalb Wochen Erholung ging es schon wieder auf die Rolle. Anfang Dezember, also drei Wochen nach dem Sturz, absolvierte ich schließlich die ersten Einheiten auf der Straße – ein optimaler Heilungsverlauf, der selbst die Ärzte überrascht hat. Am Ende muss ich also sagen: Wenn schon ein Sturz, dann war es wohl der richtige Zeitpunkt. Denn pünktlich zum ersten Teamtrainingslager mit der Mannschaft Mitte Dezember war ich wieder im klassischen Trainingsrhythmus zurück. Die neue Saison wirft ihre Schatten schließlich voraus: So haben wir in diesen Tagen auch unsere Teampräsentation, und Ende Januar geht es für die ersten Teamkollegen mit der Tour Down Under bereits mit der WorldTour wieder los. Ich habe wohl noch etwas länger Zeit, spätestens im Februar werde aber auch ich in den Rennzirkus zurückkehren. Beim nächsten Mal werde ich euch dann von meiner Saisonplanung 2019 berichten. Geboren am 7. Dezember 1993, zog es den Sohn von Erik Zabel schon früh zum Radsport. Nach guten Platzierungen bei den Junioren wechselte er 2012 zum Rabobank Development Team. 2014 wurde Rick Zabel Profi bei BMC und fuhr drei Jahre bei der US-amerikanischen Equipe. 2017 wechselte er zu Katusha- Alpecin und bestritt erstmals die Tour de France und die Straßen-WM. 16 PROCYCLING | JANUAR 2019

INSIDER RALPH DENK VERSTÄRKUNGEN AUF ALLEN EBENEN Der Teamchef schreibt über die Kaderplanungen für die Saison 2019. Im Herbst und Winter laufen die Vorbereitungen für die neue Saison auf Hochtouren – das gilt insbesondere für die Kaderplanungen. Dank meiner beiden Hauptsponsoren Bora und hansgrohe, die ihr Engagement mit uns ja bereits frühzeitig verlängert haben, bin ich in der glücklichen Lage, bis 2021 über Planungssicherheit im Team zu verfügen. Entsprechend frühzeitig konnten wir unsere Mannschaft für das kommende Jahr auch schon festlegen. In dieser Kolumne will ich euch unsere Transfers vorstellen. Eine der wichtigsten Bekanntmachungen in diesem Herbst war sicherlich die Vertragsverlängerung von Peter Sagan. Peter ist schließlich das Aushängeschild des Radsports und nicht nur ein Erfolgsgarant in sportlicher Hinsicht, sondern auch eine echte Marke, die die Massen fasziniert. Es ist nur logisch, dass wir ihn nun langfristig an uns binden. Wir verstehen uns alle großartig und es macht wirklich Spaß, mit Peter zu arbeiten. Man darf nie vergessen, dass wir erst das zweite Jahr in der WorldTour absolviert haben, dennoch haben wir schon sehr viel gemeinsam erreicht – etwa den Sieg bei Paris–Roubaix. Wir sind aber noch lange nicht am Ende unserer gemeinsamen Entwicklung und haben immer noch hochgesteckte Ziele. In Peters Windschatten können sich unsere jungen Talente in Ruhe entwickeln, da sich die mediale Aufmerksamkeit fast immer auf ihn fokussiert. Auch das ist mir wichtig – insbesondere, da mit Maximilian Schachmann ein weiterer junger Deutscher mit großem Potenzial zu uns stößt. Ich bin unglaublich glücklich, mit Pascal Ackermann, Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann nun drei der wichtigsten Talente des deutschen Radsports bei Bora–hansgrohe zu vereinen. Wir „IN PETERS WINDSCHATTEN KÖNNEN SICH UNSERE JUNGEN TALENTE IN RUHE ENTWICKELN, DA SICH DIE MEDIALE AUFMERKSAMKEIT FAST IMMER AUF IHN FOKUSSIERT.“ wurden in unseren ersten beiden Jahren in der WorldTour oft als das „Sagan-Team“ bezeichnet. In seinem Windschatten haben unsere jungen Fahrer in diesem Jahr aber gezeigt, dass wir mehr als „nur“ Sagan sind. Und es ist mir auch wichtig, dass wir unsere deutsche Herkunft unterstreichen. Maximilian wird bei uns die Gelegenheit bekommen, sich langsam zu entwickeln. Er hat großes Potenzial auf allen Terrains – das muss behutsam aufgebaut werden. Auf diesen gemeinsamen Weg freue ich mich sehr. Auch unsere österreichischen Talente Patrick Konrad, Gregor Mühlberger, Lukas Pöstlberger und Felix Großschartner konnten wir längerfristig an uns binden. Sie alle haben sich in den letzten Jahren wirklich hervorragend entwickelt. Besonders Patrick – mit seinem siebten Ge - Teamchef Ralph Denk mit Bora- Gründer Willi Bruckbauer, Ex-Weltmeister Peter Sagan und Philippe Harinck, Projektmanager Sponsoring der Hansgrohe Group (von links). samt rang beim Giro – hat den Sprung an die Spitze geschafft und sich eine Leader-Rolle für 2019 verdient. Mit Lukas planen wir weiterhin in Richtung Klassiker, während Gregor als Allrounder viele Türen noch offenstehen. Felix war das erste Jahr bei uns und hat ebenfalls gezeigt, was in ihm steckt. Er braucht noch Zeit, um sich wie die anderen in Ruhe zu entwickeln, daher wollten wir mit der Vertragsverlängerung schon frühzeitig zeigen, dass wir ihm diese Zeit auch geben werden. Verstärken konnten wir außerdem unsere Klassiker-Fraktion. Mit dem Luxemburger Jempy Drucker und dem Italiener Oscar Gatto stoßen zwei gestandene und erfahrene Klassiker-Fahrer zu uns. Die beiden geben uns jetzt einfach mehr Optionen, sodass wir auch einen Plan B haben, wenn Peter im Frühjahr einmal einen nicht so guten Tag erwischt. So oder so gilt: Für 2019 sind wir nun breiter aufgestellt als je zuvor – und hoffen, dass sich das entsprechend auszahlen wird! Ralph Denk ist Teammanager der deutschen WorldTour-Mannschaft Bora-hansgrohe. Nach jahrelanger Aufbauarbeit ist die Equipe mit Sitz im oberbayerischen Raubling seit 2017 in der höchsten Radsportliga aktiv. In Procycling berichtet Denk, in früheren Jahren selbst aktiver Rennfahrer, jeden Monat über seinen Alltag als Teamchef. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Bora–hansgrohe/VeloImages JANUAR 2019 | PROCYCLING 17