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Procycling 01.19

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PROLOG DAS STRAVA-JAHR

PROLOG DAS STRAVA-JAHR 2018 Die Highlights des Radsportjahres auf der Trainingsplattform. Text Werner Müller-Schell Im April gewann Niki Terpstra als Solist die Flandern-Rundfahrt. Seinen Ride veröffentlichte der Niederländer später auf Strava – mit erstaunlichen Ergebnissen. Romain Bardet beim Aufstieg nach L’Alpe d’Huez. Die Bergfahrt des Franzosen im Rahmen der zwölften Etappe der diesjährigen Tour lässt sich auf Strava minutiös nachverfolgen. RONDE VAN VLAANDEREN TERPSTRAS TRIUMPHFAHRT © Tim de Waele/Getty Images WINTERTRAINING FROOMES FRAGWÜRDIGER START Chris Froome hat die Radsportgemeinde schon immer gespalten. Spätestens seit dem Bekanntwerden seiner beiden positiven Dopingtests während der Spanien-Rundfahrt 2017 ist der 33-jährige Brite allerdings Gegenstand hitzigster Diskussionen. Diese hielten auch die ganze Saison 2018 über an – und Froome war daran nicht unschuldig. Unter dem Titel „Empty the tank“ absolvierte der Sky-Profi Ende Januar in Süd - afri ka einen Trainingstag mit 270 Kilometern, 3.500 Höhenmetern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 44,8 km/h – ein unglaublicher Wert, der selbst in vielen WorldTour-Rennen nicht erreicht wird. Der Aufschrei in der Strava-Community war groß: So wurde der Ride später von anderen Usern wegen möglichen unerlaubten Motordopings gemeldet – und taucht seitdem nicht mehr in den Rekordlisten auf. www.strava.com/activities/1379317668 Dass Niki Terpstra einer der stärksten Klassiker- Fahrer im Peloton ist, hat er schon des Öfteren bewiesen. Spätestens seit seinem Erfolg bei Paris– Roubaix 2014 muss man mit dem Profi aus den Reihen von Quick-Step Floors bei jedem Kopfsteinpflasterrennen rechnen. In der abgelaufenen Saison war der 34-jährige Niederländer allerdings stärker denn je: Bereits im Vorfeld der großen Klassiker triumphierte er bei den Eintagesrennen Le Samyn und E3 Harelbeke, sein Bravourstück lieferte er dann bei der Flandern-Rundfahrt ab: 27 Kilometer vor dem Ziel löst sich Terpstra aus der Spitzengruppe und fuhr solo dem Sieg entgegen. Auf Strava kann man Terpstras Triumphfahrt nachverfolgen. Zwar gab der Flandern-Gewinner weder Herzfrequenz- noch Leistungsdaten für die Öffentlichkeit frei, dennoch reichen schon die nackten Zahlen seiner Ronde van Vlaanderen aus, um zu erahnen, wie hart der Tag auf den belgischen Straßen gewesen sein muss: 260,79 Kilometer, 2.274 Höhenmeter und stolze 6:19:17 Stunden verbrachte Terpstra im Sattel – wohl - gemerkt bei einer Durchschnittstemperatur von gerade einmal fünf Grad Außentemperatur. www.strava.com/activities/1485943760 18 PROCYCLING | JANUAR 2019

PROLOG L’ALPE D’HUEZ EINE SAUBERE FAHRT 21 Kehren, die wohl die bekanntesten der gesamten Tour de France sind: L’Alpe d’Huez zählt aufgrund seiner Geschichte zu den prestigeträchtigsten Anstiegen des Radsports. 13,8 Kilometer, 1.090 Höhenmeter und eine durchschnittliche Steigung von 7,9 Prozent weisen die Streckendaten aus. Der bisherige Streckenrekord: 1995 fuhr der legendäre Marco Pantani die 21 Kehren in 36:40 Minuten. In diesem Jahr gastierte das Peloton am Ende der zwölften Etappe der Tour de France in L’Alpe d’Huez. Bester Strava-Fahrer wurde der Franzose Romain Bardet, der mit drei Sekunden Rückstand Etappendritter geworden war. Bardets Zeit für den Anstieg hinauf nach L’Alpe d’Huez: 41:23 Minuten. Das Peloton fünf Minuten langsamer als in den Neunzigerjahren trotz besseren Materials? Wenn das kein Zeichen für einen sauberen Radsport ist, wissen wir es auch nicht. Übrigens: Bardets Fahrt war mit über 21.000 Kudos die Strava-Fahrt mit den meisten Likes in der Geschichte des Portals. www.strava.com/activities/1713429096 Der Kanadier Michael Woods bewältigte die „Höttinger Höll“ bei der Straßen-WM in Innsbruck am schnellsten. STRASSEN-WM INNSBRUCK DIE HÖTTINGER HÖLL Selten gab es im Vorfeld eines WM-Rennens so heftige Diskussionen um einen Anstieg wie bei der „Höttinger Höll“. Die 2,6 Kilometer kurze und 290 Höhenmeter umfassende Bergprüfung wurde von den Organisatoren als entscheidender Scharfrichter in das Finale des Straßenrennens von Innsbruck eingebaut. Das Besondere: Die extrem schmale Bergstraße bewegt sich nicht nur ständig in zweistelligen Steigungsprozenten, sondern weist darüber hinaus auch noch Spitzen von bis zu 28 Prozent auf. Die mit Abstand beste Performance in der „Höll“ zeigte Michael Woods, der sich den Strava KOM mit vier Sekunden Vorsprung vor Romain Bardet sicherte. Woods Zeit: 8:41 Minuten. Damit schaffte der Kanadier eine ROMAIN BARDETS ZEIT FÜR DEN ANSTIEG HINAUF NACH L’ALPE D’HUEZ LAG BEI 41:23 MINUTEN. unglaublich hohe Aufstiegsrate von 2.013 Höhenmetern pro Stunde. Eine Leistung, die belohnt wurde: Am Ende gewann Woods WM-Bronze hinter Alejandro Valverde (Spanien) und Romain Bardet (Frankreich). www.strava.com/activities/1876451168 LOMBARDEI-RUNDFAHRT PINOTS WM-REVANCHE Alles schaute bei der Lombardei-Rundfahrt auf den Auftritt des frischgebackenen Weltmeisters Alejandro Valverde oder auf den italienischen Lokalmatador Vincenzo Nibali. Doch am Ende machte ein anderer das Rennen: Thibaut Pinot gewann mit einer beeindruckenden Solofahrt, die auch auf Strava für Aufsehen sorgte: In 21:22 Minuten sicherte sich der Franzose den KOM an der berüchtigten Mauer von Sormano. Eine Steigungsrate von 1.750 Höhenmetern pro Stunde auf die ganze Kletterpartie bzw. sogar 1.930 Höhenmetern pro Stunde im Finale an der 1,7 Kilometer langen Mauer sprechen für sich. www.strava.com/activities/1904552354 © Jeff Pachoud/Getty Images (groß), BettiniPhoto/Luca Bettini JANUAR 2019 | PROCYCLING 19