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Procycling 01.19

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R Ü C K 20 J A H R E 18

R Ü C K 20 J A H R E 18 B L S I C K Die Saison 2018 brachte umwerfende Momente hervor, von Sagans Solo bei Paris–Roubaix bis hin zu Froomes Comeback beim Giro und dem spannenden Finale von La Course. Wir blicken zurück auf die größten Geschichten des Jahres. KEIN FAHRER HAT DIE GROSSEN RENNEN DOMINIERT Text Sam Dansie, Sophie Hurcome & Edward Pickering I n den meisten Jahren gibt es einen Profi, der als Fahrer des Jahres herausragt und nicht nur ein großes Rennen gewinnt, sondern eine Reihe von Siegen feiert. Im letzten Jahr war das Chris Froome mit seinen zwei Grand-Tour-Erfolgen, 2016 Peter Sagan, der die Flandern-Rundfahrt, die Weltmeisterschaft und das Grüne Trikot der Tour gewann. 2015 gelang John Degenkolb ein seltenes San-Remo-Roubaix-Double. Aber in diesem Jahr gab es an der Spitze ein Gedrängel. Ist der Fahrer des Jahres der Tour- und Dauphiné-Sieger Geraint Thomas? Vielleicht, aber seine Siege waren auf den Sommer begrenzt. War es Chris Froome, der beim Giro triumphierte, aber bei der Tour schwächelte? Simon Yates, der sich bei der Vuelta durchsetzte, aber einbrach, als der Giro-Sieg zum Greifen nahe war? Peter Sagan, der Paris–Roubaix und das Grüne Trikot gewann, aber bei San Remo wieder leer ausging? Niki Terpstra, der die Flandern-Rundfahrt und E3 für sich entschied, aber dessen Erfolge weitgehend auf das Frühjahr begrenzt waren? Tom Dumoulin, der Zweiter beim Giro, der Tour und der Zeitfahr- Weltmeisterschaft war und dann Vierter beim WM-Straßenrennen wurde? Es ist das Besondere und Schöne am Radsport, dass wir feiern können, ohne zu wissen, wer der beste Fahrer des Jahres war. Das mehr oder weniger willkürliche Punktesystem der WorldTour nominierte Simon Yates als Besten der Saison 2018, aber viel wichtiger war, wie der junge Brite die Herzen und Köpfe der Fans eroberte, als er den Giro auseinandernahm (bevor der Giro ihn auseinandernahm), dann aus seinen Fehlern lernte und bei seinem Vuelta-Sieg ein Meisterstück an gezügelter Angriffslust ablieferte. Das wird uns länger in Erinnerung bleiben als sein Punktestand in der WorldTour. Am Ende ist die Debatte interessanter als das Fazit. Radsport ist eine komplexe Sportart, in der verschiedene Rennen verschiedene Fahrer favorisieren, die sich in ihrer Bandbreite an Fähigkeiten trotzdem überschneiden. 2018 konnte niemand genug unterschiedliche Events beherrschen, um seine Saison zu einer für die Ewigkeit zu machen, aber letztlich war das nicht wichtig. 20 PROCYCLING | JANUAR 2019

EXPERTENMEINUNG EDWARD PICKERING Herausgeber Bester Fahrer Ich schwanke zwischen Thomas und Froome, wobei Froome wegen seines stilvollen Giro-Siegs und dem anschließenden dritten Platz bei der Tour die Nase vorn hat. Beste Fahrerin Ich kann mich kaum zwischen van der Breggen und van Vleuten entscheiden. Erstere war Beste bei den Eintagesrennen, Letztere bei Rundfahrten. Ich nehme van der Breggen, auch wenn sie im Kopf-an-Kopf-Rennen beim La Course spektakulär gegen van Vleuten verlor. Wer beeindruckte sonst? Sagans Roubaix-Sieg bewahrte seine Saison vor relativer Normalität. Nibalis San-Remo-Coup war mein Highlight des Jahres. Und Simon Yates mag seine Giro-Kapitulation bedauern, aber sein Vuelta-Sieg zeigt, dass er noch viel mehr auf Lager hat. Bei den Frauen hat sich Amanda Spratt als Beste vom Rest unter die holländischen Fahrerinnen gemischt. Bestes Eintagesrennen Mailand–San Remo. Die üblichen sieben Stunden Herumgeschlender, gefolgt von den definitiv spannendsten und packendsten zehn Minuten der Saison. Und La Course, das ebenso inspirierend wie herzzerreißend war. Beste Rundfahrt Mir hat der Giro bis zur 19. Etappe gefallen – ich mochte die aggressive und kämpferische Fahrweise, mit der Simon Yates das Rosa Trikot holte. Aber die Himmelfahrtsattacke von Sky und Froome am Finestre zwei Tage vor Schluss, die nicht hätte funktionieren dürfen, gehörte zum Besten, was dreiwöchige Rennen zu bieten haben. Mannschaft des Jahres LottoNL–Jumbo holte trotz eines bescheidenen Budgets große Resultate und forderte Sky bei der Tour mit einer Bereitschaft heraus, die theoretisch stärkere Teams vermissen ließen. Nachwuchsfahrer Ivan Sosas Siege verheißen eine große Zukunft und Pascal Ackermann ist beständig und schnell – ein größerer Sieg ist bei ihm nur eine Frage der Zeit. UAE hat sich für 2019 den 19-jährigen Tadej Pogačar geschnappt, der Vierter der Slowenien-Rundfahrt und Erster der Tour de l’Avenir war. Erinnerung des Jahres Ich habe meine Würde und mein Diktiergerät verloren, als die Journalisten sich in La Rosière massenweise auf Mark Cavendish stürzten, nachdem er die Karenzzeit der Tour verpasst hatte. Wir rannten ihm bergauf wie wild hinterher, bevor er sich umdrehte und zurückfuhr durch die keuchende Menge, die sich vor ihm teilte wie das Rote Meer. © Kramon JANUAR 2019 | PROCYCLING 21