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Procycling 01.19

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13 R Ü C K 20 18 J A H

13 R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K EIN SIEGREICHES JAHR Dies war Quick-Step Floors’ erfolgreichstes Jahr. Das Team holte seinen ersten Sieg am 18. Januar, als die WorldTour 2018 drei Tage alt war, und startete in die produktivste Saison seiner Geschichte. Als Fabio Jakobsen, ein 22 Jahre alter Neuprofi – und eine weitere Sprint- Offenbarung, die das Team ausgegraben hat –, bei der Tour of Guangxi am letzten Tag der World- Tour für den 73. Sieg sorgte, hatte das Team im Schnitt alle fünf Tage Grund zum Jubeln gehabt. Aber während die ganze Saison purpurfarben war, waren einige Phasen von besonders königlicher Färbung. Im Februar beispielsweise fuhren Fernando Gaviria und Julian Alaphilippe das Oro y Paz in Kolumbien, während am anderen Ende der Welt Elia Viviani bei der Dubai Tour durchstartete. Zusammen siegten die drei in sieben Rennen in vier Tagen. Anfang April gewann das Team in vier Tagen die Flandern-Rundfahrt, zwei Etappen der Baskenland-Rundfahrt und den Scheldeprijs. Quick-Step hat sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, viel zu gewinnen. Seit 2012 ist es das Team mit den meisten Siegen im Radsport. In diesem Zeitraum von sieben Jahren hat die belgische Truppe mehr als 50 Rennen pro Jahr gewonnen und führte jedes Mal die Siegestabelle an (2012 teilte sich QS den ersten Platz mit dem Team Sky). Aber in diesem Jahr brach die Ausbeute alle bisherigen Rekorde und auch Patrick Lefeveres vorherige beste Bilanz als Teamchef: 71 Siege mit Mapei 2000. DIE HTC-FORMEL KOPIEREN Es lief nicht immer so gut wie heute. Quick-Step hatte 2010 und 2011 eine schlechte Phase. 2010 gewann das Team 17 Rennen, ein Jahr später magere sechs, womit die Belgier einen geteilten letzten Platz in der WorldTour belegten – zusammen mit AG2R La Mondiale. Der Grund war, dass man sich zu stark auf die Klassiker konzentriert und zu sehr auf Tom Boonen verlassen hatte, der mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Das führte zu einer bemerkenswerten Neuausrichtung 2012: „Unsere größte Herausforderung ist, bei jedem Rennen, bei dem wir antreten, konkurrenzfähig zu sein“, sagte Teamchef Patrick Lefevere dem belgischen In Flandern gewann Niki Terpstra für Quick-Step das erste von zwei Monumenten. 4,98 TAGE VERGINGEN IM SCHNITT ZWI- SCHEN 2 QUICK-STEP-SIEGEN Sender Sporza bei der Teampräsentation jenes Jahres. Die Aussage hätte aus dem Mund von Bob Stapleton kommen können, dem Eigentümer von Highroad, dem Team, das es von 2008 bis 2011 auf 279 Siege brachte. Tatsächlich waren sechs neue Fahrer von Quick-Step, darunter der Zeitfahrspezialist Tony Martin sowie die Brüder Peter und Martin Velits, von Highroad gekommen. Und es gab zwei weitere nennenswerte Neuzugänge; einer war der Sportliche Leiter Brian Holm. „Als ich von HTC, das 47 Rennen gewann, zu Quick-Step wechselte, das acht gewann, fragten mich die Leute: Was willst du da? Und ich entgegnete: Es kann nur besser werden“, erinnert er sich. Holm erklärt den Umschwung jenes Jahres vor allem mit der Tatsache, dass „Patrick ein bisschen mehr Geld hatte“. Zu dem Zweck warb Lefevere Omega-Pharma als Sponsor vom rivalisierenden belgischen Lotto-Team ab. Der andere wichtige Import war die Siegermentalität von Highroad. „Das System war dasselbe: einige Rennen bestreiten, auf Sieg fahren; ein paar Jungs finden, sie um den Sieg kämpfen lassen und 5 1 7 19 SIEGE NACH RENNEN 17 7 3 1 RENNEN SIEGE WorldTour-Eintagesrennen 7 Grand-Tour-Etappen 13 WorldTour-Etappen 17 WM-Teamzeitfahren 1 Siege bei Etappenrennen 3 Andere Eintagesrennen 7 Andere Etappensiege 19 Nationale Meistertitel 5 Runden der Hammer Series 1 28 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K EIN SIEGREICHES JAHR 1 3 4 2 4 2 1 AUF DER GANZEN WELT 2 2 1 1 2 Quick-Step holte nicht nur alle 4,98 Tage einen Sieg, das Team war auch auf der ganzen Welt erfolgreich und stand in 20 verschiedenen Ländern ganz oben auf dem Treppchen. Zu Hause in Belgien war die Truppe jedoch besonders erfolgreich mit zwölf Siegen, darunter Flandern, Liège, Flèche und E3. 10 6 12 2 1 3 10 4 Belgien 12 Spanien 10 Italien 10 Frankreich 6 Kolumbien 4 Slowakei 4 UAE 4 Deutschland 3 USA 3 Argentinien 2 China 2 Großbritannien 2 Luxemburg 2 Niederlande 2 Turkei 2 Australien 1 Österreich 1 Dänemark 1 Norwegen 1 Polen 1 sie motivieren. Kein Rennen ist zu klein: Ein Sieg ist ein Sieg“, sagt Holm. „Wir haben alle ein selektives Gedächtnis, und es ist wahrscheinlich besser, eine Etappe zu gewinnen. Wenn du eine Etappe der Vuelta a San Juan in Argentinien gewinnst, ist es trotzdem ein Sieg. Wenn du nach Australien gehst, holst du vielleicht einen fünften Platz. Vielleicht hast du mehr Punkte, aber ein Sieg ist ein Sieg. Es ist eine Motivationskultur.“ Nicht, dass sich Quick-Step in diesem Jahr hätte entscheiden müssen – das Team gewann trotzdem Etappen bei beiden Rennen. Einer der Tricks der Highroad-Leitung war, den internen Wettbewerb zu fördern, sodass die Fahrer versuchten, sich gegenseitig zu überbieten. Lüttich–Bastogne–Lüttich-Sieger Bob Jungels gab zu, dass es dieselbe gesunde Rivalität auch im heutigen Quick-Step-Team gibt. „Es hat 100 Prozent mit dem positiven Wettbewerb im Team zu tun. Bei jedem Rennen, wo wir antreten, haben wir jemanden, der gewinnen kann.“ DAS SYSTEM WAR DASSELBE: EINIGE RENNEN BESTREITEN, AUF SIEG FAHREN; EIN PAAR JUNGS FINDEN, SIE UM DEN SIEG KÄMPFEN LASSEN UND SIE MOTI VIEREN. KEIN RENNEN IST ZU KLEIN: EIN SIEG IST EIN SIEG. BRIAN HOLM Holm führt diese Mentalität als Grund dafür an, warum Quick-Step bei den großen Rennen frühe Attacken provoziert oder die Angriffe der Konkurrenz mitgeht. „Unsere Fahrer greifen oft zuerst an, weil sie wissen: Wenn sie es nicht tun, tut es ein Teamkollege. Wenn sie also die Beine haben, gehen sie immer ziemlich früh, aber sie haben auch immer jemanden, der sie unterstützen kann“, erklärt er. Bei Highroad konnte interner Wettbewerb zu einer bitteren Rivalität führen, insbesondere zwischen den Hauptsprintern des Teams, André Greipel und Mark Cavendish, die anfangs nicht gut aufeinander zu sprechen waren, wenn es darum ging, für die größten Rennen aufgeboten zu werden. „Bisher erinnere ich mich nicht an interne Kämpfe“, sagt Holm. „Letzten Endes liegt es am Sportlichen Leiter, zu entscheiden und ehrlich zu sein. Wenn jemand nicht zufrieden ist mit meiner Entscheidung, sage ich ihm, er soll die Klappe halten. Ich kann bestimmen, für wen wir fahren.“ JANUAR 2019 | PROCYCLING 29