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Procycling 01.19

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© Kramon WIR HABEN NOCH

© Kramon WIR HABEN NOCH NIE GE SAGT: WIR WARTEN MAL AB, WIE ES LÄUFT. WENN DU BEI EINEM RENNEN AN TRITTST UND NICHT GEWINNST, FÜHLST DU DICH, ALS HÄT TEST DU DEINEN JOB VERMASSELT. BRIAN HOLM SICH AUF JEDES RENNEN KONZENTRIEREN Michael Mørkøv kam zu Beginn der Saison 2018 als Helfer zu Quick-Step. In diesem Herbst hat er über die Gründe für den nachhaltigen Erfolg seines Teams nachgedacht. Vielleicht liegt es daran, dass es keine „Urlaubsrennen“ gibt. „Ob es die Tour oder ein 1.1-Rennen in Belgien ist, wir sind immer motiviert. Wir sind da mit einem vollen Aufgebot und starten nicht mit verletzten Fahrern. Wir starten mit dem vollen Paket von Mechanikern und Pflegern. Der Sportliche Leiter ist immer vorbereitet und motiviert uns und sorgt dafür, dass wir versuchen, das Rennen zu gewinnen.“ Mørkøv sagt weiter: „Meine Erfahrung in der Vergangenheit war, dass bei diesen kleineren Rennen die Teams mit einem Mechaniker weniger, einem Masseur weniger antreten und der Sportliche Leiter nicht den richtigen Druck macht. Einige Fahrer nehmen es vielleicht ein bisschen wie ein Urlaubsrennen, und das überträgt sich auf den Rest der Jungs.“ Als Helfer ist Mørkøv im Team nicht fürs Gewinnen zuständig. „Aber ich hatte nie so viele Chancen wie in diesem Jahr“, sagt er. Das war bei seinen früheren Teams Katusha-Alpecin und Tinkoff anders. „Bei meinen früheren Teams musste ich dem Kapitän vertrauen, und wenn er nicht da war, dann haben sie dir das Gefühl gegeben, dass es eigentlich nicht wichtig ist.“ Auch wenn Mørkøv seine Chancen nicht in einen internationalen Sieg verwandeln konnte – nach halber Strecke bekam er meist die Erlaubnis, auf eigene Kappe zu fahren, wenn ein Kapitän zu- Alaphilippe kam mit dem Bergtrikot und zwei von vier QS-Tagessiegen aus der Tour. 30 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K EIN SIEGREICHES JAHR rückfiel –, erklärt er: „Ich habe das Gefühl, dass die Sportdirektoren an mich als Fahrer glauben und überzeugt sind, dass ich ein gutes Resultat holen kann.“ VORSICHT, DER CHEF KOMMT Einer der Männer, die den „richtigen Druck“ auf die Fahrer ausüben, von dem Mørkøv spricht, ist sein Landsmann und Sportdirektor Holm. „Wir Brian Holm kam 2012 von HTC-Highroad – und brachte die Philosophie des Teams gleich mit. haben noch nie in einer Besprechung gesagt: Wir warten mal ab, wie es läuft. Wenn du bei einem Rennen antrittst und nicht gewinnst, dann fühlst du dich irgendwie schuldig – als hättest du deinen Job vermasselt“, sagt Holm schelmisch. Holm fühlt sich offenbar sicher genug, um den in der Nahrungskette über ihm stehenden Mann aufzuziehen, der ihn rausschmeißen könnte: den bärbeißigen, eigenwilligen und allgegenwärtigen Teamchef, den 63 Jahre alten Lefevere. „Mein Boss ist natürlich ein vernünftiger Mann, der weiß, wie schwer es ist, aber … Stell’ dir vor, wir gehen zur Tour und wir gewinnen nicht oder nicht mal eine Etappe – das würde uns killen“, scherzte Holm. Auf die Frage, ob Lefevere mit seinen Angestellten Klartext rede oder lieber subtileren psychologischen Druck ausübe, sagt Holm, es gebe 18 SIEGE ELIA VIVIANI FAHRER MIT DEN MEISTEN SIEGEN da keine Psychologie. „Ich könnte dir E-Mails vom Tag nach einem verlorenen Rennen zeigen, und sie bestehen nur aus drei Worten: Seid ihr bescheuert?“, so Holm. „Aber das liegt daran, dass er so leidenschaftlich ist. Später beruhige ich ihn und frage: Warum schreibst du das so? Und er sagt nur: Ich mag keine E-Mails.“ Der Manager scheint omnipräsent zu sein. „Ich habe das Gefühl, dass er bei jedem einzelnen Rennen anwesend ist. Und wenn er nicht da ist, hat man das Gefühl, dass sein Geist da ist. Er hat überall seine Spione. Ich habe nie jemanden kennengelernt, der uns so sehr verfolgt. Es ist erschreckend, Mann; er ist so drauf.“ Holm fügt eine Bemerkung hinzu, die er oft hört – dass Quick-Step altmodisch und konservativ in seinem Ethos sei. „Ich nehme das positiv auf, dass wir keinen Unsinn reden, es keine Diskussionen gibt und wir einfach tun, was wir zu tun haben.“ In diesem Jahr hat sich das Team als „Wolfpack“ gestylt. In der Wildnis hängen Erfolg und Überleben von einer starken Hierarchie ab. Das funktioniert bei Quick-Step, wie es scheint. QUICK-STEP 2018 GEGEN TEAM COLUMBIA-HTC 2009 Fabio Jakobsen sorgte für Quick-Steps Abschlusssieg bei der Tour of Guangxi. Procycling vergleicht Quick-Steps 73 Siege mit den 85 in Columbia-HTCs erfolgreichstem Jahr, 2009. Das Ergebnis: HTC hatte einen besseren Sommer. Columbia-HTC Quick-Step Floors 17 13 13 SIEGE 9 7 8 6 7 9 9 6 11 7 11 11 2 3 4 1 4 OKT. SEPT. AUG. JULI JUNI MAI APRIL MÄRZ FEB. JAN. JANUAR 2019 | PROCYCLING 31