Aufrufe
vor 1 Jahr

Procycling 01.19

  • Text
  • Rennen
  • Procycling
  • Januar
  • Fahrer
  • Giro
  • Saison
  • Froome
  • Etappe
  • Sieg
  • Zeit

Thomas fuhr eine kon

Thomas fuhr eine kon trollierte erste Tour -Woche und machte in den Alpen seine Ansprüche auf den Gesamtsieg klar. © Chris Auld Images: Getty Images, Yuzuru Sunada (2017) 44 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K GERAINT THOMAS Er fügt hinzu: „Es hat mehr gezeigt, als die Leute normalerweise sehen oder als ich mir selbst zu sehen erlaube. Das wahre Ich sozusagen. Obwohl der Prozess auch ein Teil von mir ist, ist das meine emotionale Fanseite. Es ist mir ein bisschen peinlich. Es ist ein Radrennen, und ich weine deswegen. Das zeigt, wie viel es mir bedeutet.“ Thomas kann zuweilen auch empfindlich reagieren. In seinem neuen Buch The Tour According to G erwähnt er an zwei Stellen, dass er die Leute gerne eines Besseren belehrt. „Es motiviert mich sehr, wenn die Leute sagen, dass ich etwas nicht kann“, sagt er. „Du kannst glauben, dass du es kannst, aber bis du es tust, weiß man es nicht, daher gibt es immer Leute, die sagen: ‚Aber ob er das schafft? Er bricht immer in der letzten Woche ein. Er wird stürzen. Oder krank werden.‘ Ich lese nicht viel von dem Zeug, aber manchmal sehe ich es. Und dann denke ich: Also gut, wir werden sehen.“ Thomas musste nicht nur den skeptischen Experten und Fans beweisen, dass er ein echter Anwärter für die Tour war. Die größte Herausforderung war, die Kapitänsrolle bei Sky zu klären. Das Management hatte mit Froome einen vierfachen Sieger in der Mannschaft, und natürlich favorisierte man den Titelverteidiger. In seinem Buch schreibt Thomas, dass er zwar ein geschützter Fahrer war, aber das Team mitunter nur einen Kapitän zu haben schien. Beim Mannschaftszeitfahren war der Plan entgegen den Hoffnungen von Thomas, nur zu warten, wenn Froome ein Problem hatte. Sollte Thomas einen Reifenschaden haben, wäre er auf sich allein gestellt. Am ersten Ruhetag, bevor Thomas sich das Gelbe Trikot geholt hatte, konnte wegen der prekären Stromversorgung im Hotel nur ein Fahrer ein klimatisiertes Zimmer haben – und das bekam Froome. Noch in den Pyrenäen sprach Froome bei den Mannschaftsbesprechungen von seinen Plänen, anzugreifen, während Thomas sich insgeheim fragte, ob es das nicht eher schwerer als leichter machen würde, das Gelbe Trikot in den eigenen Reihen zu behalten. Erst als Froome am letzten Berg zurückfiel, war die Kapitänsfrage definitiv geklärt. „Du kannst es negativ aufnehmen und denken: Shit, das Team glaubt nicht an mich, aber das endet nur schlecht“, sagt er. „Bei dem Angriff an der Alpe [als Froome vor dem Gipfel attackierte] dachte ich: Okay, es ist Froomey, er hat seine Resultate und er verdient eine Chance, es zu versuchen. Rückblickend bin ich froh, dass er es getan hat. Auch auf der kurzen Etappe zum Col de Portet hat er es probiert. Es hätte meinen Sieg schmälern können, wenn die Leute hätten sagen können: ‚Ah, aber Froomey durfte es gar nicht probieren. Er wurde zurückgepfiffen, sonst hätte er gewinnen können.‘ Aber er „ES IST MIR EIN BISSCHEN PEINLICH. ES IST EIN RADRENNEN, UND ICH WEINE DESWEGEN. DAS ZEIGT, WIE VIEL ES MIR BEDEUTET.“ hat es getan, und das ist besser für mich. Er hat seine Resultate, aber ich habe am Ende die Tour gewonnen. Und es ist eine Rivalität, aber nicht wie bei Rivalen in einem anderen Team. Du hasst die Fahrer in einem anderen Team nicht, aber es ist schon ein bisschen giftig. Es ist wir gegen sie. Innerhalb des Teams stehst du im Wettbewerb, und das macht das Team gut. Im Training pushen wir uns gegenseitig, und du willst schneller am Gipfel sein als jeder andere. Diese Konkurrenz im Training hat uns beiden geholfen. Wenn das Management auf Nummer sicher ging, hätte es auf Froomey setzen können, aber ich dachte mir: Ist das überhaupt wichtig? Ich mache einfach weiter, was ich mache. Froomey hat seine Chance verdient, es zu versuchen, weil er wahrscheinlich der beste Rundfahrer überhaupt ist. Es wäre toll gewesen, wenn sie alles auf Thomas und Froome scheinen ihre Freundschaft über den Führungswechsel bei der Tour gerettet zu haben. mich gesetzt hätten und Froomey mir geholfen hätte, aber letztlich ist es besser für mich, dass er das nicht tat.“ Thomas hat noch ein paar Wochen frei, bevor das Training für 2019 wieder richtig losgeht. Er weiß wahrscheinlich, was kommt: mindestens sechs Monate lang öffentliche Spekulation, wer Sky bei der Tour im nächsten Jahr anführt. „Ich denke bis Lüttich“, sagt er. „Und Tirreno, da würde ich gerne noch einmal antreten und etwas versuchen. Danach: Giro? Tour? Ich sehe nicht, warum ich und Froomey es nicht ähnlich machen können wie dieses Jahr. Es ist unkompliziert, so lange wir beide die gleiche Einstellung haben und ehrlich zueinander sind. Ich sehe auch den Giro noch als unerledigtes Geschäft und will da auf jeden Fall wieder antreten. Ich weiß nur noch nicht, wann.“ Aber es ist klar, welche Ziele sie für 2019 anpeilen. Geraint Thomas spricht laut aus, was alle anderen denken: „Es wäre eine Schande, mit der Eins auf dem Rücken bei der Tour anzutreten und nicht in Bestform zu sein.“ Wenn er startet, dann als Champion ohne Schwächen. © Yuzuru Sunada JANUAR 2019 | PROCYCLING 45