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Procycling 01.19

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R Ü C K 20 18 J A H R E

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K ANDRÉ GREIPEL „ICH SEHE ES ALS EINE HERAUSFORDERUNG.“ Der bittere Abschied von Lotto Soudal hat Spuren in der Saison von André Greipel hinterlassen. Bei Fortuneo-Samsic will der Rostocker im Herbst seiner Karriere noch einmal durchstarten – und das mit einem neuen Mann an seiner Seite. Interview Chris Hauke Fotografie Getty Images André, für dich gehen mit dieser Saison gleich zwei lange Beziehungen zu Ende – du verlässt Lotto Soudal nach acht Jahren und wirst ab 2019 auch nicht mehr mit Marcel Sieberg fahren. Wie kam es dazu? Für mich war ziemlich schnell klar, dass ich nicht bei Lotto Soudal bleiben wollte. Ich hatte das Gefühl, dass dort nicht mehr mit mir geplant wird. Allerdings habe ich noch einige Ambitionen im Radsport und möchte diese auch erreichen. Dementsprechend habe ich mich nach einer neuen Mannschaft umgeschaut, bei der ich gute Voraussetzungen dafür finden kann. Mit Fortuneo-Samsic [heißt ab 2019 Arkéa-Samsic] habe ich dann das passende Team gefunden. Viele denken natürlich, und das ist ja auch legitim, dass das ein Abstieg ist, doch für mich ist es einfach nur eine Lizenzsache. Die Mannschaft ist sehr professionell aufgestellt. Mit Sicherheit sind nicht die besten Fahrer da, aber dennoch sind sie sehr ambitioniert. Ich sehe es als eine Herausforderung. Wie kamst du auf Fortuneo-Samsic? Man hört sich halt um und spricht mit vielen Mannschaften. Bei Fortuneo-Samsic bin ich dann hängen geblieben. Dein Freund und langjähriger Kollege Marcel Sieberg wechselt zu Bahrain-Merida, dafür wird künftig Robert Wagner mit dir und für dich fahren. Ich habe schon sehr gerne jemanden an meiner Seite, Sibi wäre mit Sicherheit die erste Wahl gewesen. Mit Robert habe ich jemanden, der in Sachen Sprintvorbereitung auf jeden Fall sehr erfahren ist. Bei ihm war es so, dass er bei LottoNL– Jumbo keinen Vertrag mehr bekommen hätte und sich schon anderweitig umgeguckt hat. Ich habe ihn einfach gefragt, ob er noch ein bisschen weiter Rad fahren möchte – und bin natürlich froh, dass er der ganzen Sache zugestimmt hat und jetzt noch mal ein bisschen Gas gibt. Fortuneo-Samsic ist ein französisches Team mit vielen französischen Fahrern. Sprichst du die Sprache? Es sind auch ein Däne, ein Holländer und ein Norweger dabei. Und an Französisch soll es jetzt nicht hapern, das hatte ich sechs Jahre in der Schule. Ich bereite mich online da eigentlich auch ganz gut vor. Das ist natürlich nicht dasselbe wie normal zu sprechen, aber ich denke mal, dass ich das schon hinbekommen werde. „ICH HABE ROBERT GEFRAGT, OB ER NOCH EIN BISSCHEN RAD FAHREN MÖCHTE – UND BIN FROH, DASS ER DER SACHE ZUGESTIMMT HAT UND NOCH MAL GAS GIBT.“ Gibt es schon konkrete Pläne für 2019? Da hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren nichts geändert. Ich habe die Ambition, im Frühjahr Gas zu geben und natürlich auch in den Sprints immer mitzumischen. Das wird bei Fortuneo nicht anders sein. 52 PROCYCLING | JANUAR 2019

Wie siehst du denn rückblickend dieses Jahr? Früher war es vor allem bei der Tour de France häufig so, dass ein Sprinter relativ dominant war. In diesem Jahr gab es keine dominante Figur, die alles überstrahlt hat. Ich denke schon, dass Viviani in den Sprints zusammen mit Quick-Step ziemlich überlegen war. Er ist der herausragende Sprinter momentan. Und das wird er mit Sicherhit auch weiter sein. Auf der anderen Seite – wenn man die Tour de France betrachtet, mit vielen verschiedenen Siegern, ist das Bild natürlich wieder ein anderes. Zumal viele Sprinter dort schon früh aus dem Zeitlimit gefallen sind und abreisen mussten. Wie ist mit einem halben Jahr Abstand deine Meinung dazu? Ich kann nur über mich selbst reden. Mit Sicherheit haben mich die ganzen Vertragsverhandlungen mehr beschäftigt, als ich es damals, im Juli, an mich herankommen lassen habe. Bei mir spielt der Kopf immer eine sehr große Rolle. Wenn man auf Weltklasseniveau Rad fahren und beim größten Radrennen der Welt Siege herausfahren möchte und der Kopf nicht mitspielt, dann kann das einfach nicht klappen. Dennoch bin ich mit meiner Tour bis dahin eigentlich sehr zufrieden gewesen. Mit Sicherheit hatte ich die Chance, eine Etappe zu gewinnen, und war auch sehr nahe dran. Warum ich auf der einen Etappe [7. Abschnitt, André kam dort als Zweiter ins Ziel] distanziert wurde, weiß ich auch nicht. Dann war ich einmal knapp Dritter [auf der 4. Etappe]. Bei der Roubaix-Etappe [9. Abschnitt] bin ich dreimal gestürzt und trotzdem noch Achter geworden. Die Form war also da, trotz der ganzen Vertragsquerelen und trotz des Schlüsselbeinbruchs im März. Ich habe das Beste versucht und rausgeholt. Wenn ich mich frühzeitig mit einem Team hätte einigen können, wäre aber auf jeden Fall mehr drin gewesen. Als ProContinental-Team seid ihr auf Wildcards angewiesen. Das betrifft neben Rundfahrten wie der Tour de France auch die Frühjahrsklassiker. Vor allem bei Paris–Roubaix bist du zuletzt immer stark gefahren. Bist du überzeugt, dass die veranstaltende A.S.O. euch einlädt? Das würde ich mir natürlich wünschen. Mit Sicherheit ist die Mannschaft nicht die stärkste für die Klassiker. Dennoch hoffe ich darauf, dass wir die Einladung bekommen und ich zusammen mit der Mannschaft vielleicht auch Größeres erreichen kann. Am Ende bleiben bei einem Klassiker sowieso die Stärksten übrig. Und da hoffe ich natürlich, dabei zu sein. André Greipel auf der 7. Etappe der Tour. Sechs Etappen später, auf dem Weg nach Alpe d’Huez, stieg er erstmals in seiner Karriere bei dem Rennen aus. Wie lange läuft dein Vertrag? Ich habe für zwei Jahre unterschrieben. Sollst du neben möglichst vielen eigenen Erfolgen auch die jungen Fahrer heranführen? Das sind mit Sicherheit die Konsequenzen, die mit meiner Verpflichtung für die Mannschaft kommen werden. Und ich bin auch bereit, meine Erfahrung weiterzugeben. Auch du wirst neue Erfahrungen sammeln – etwa bei Rennen, die du vorher noch nie gefahren bist. Meine Saison beginnt am 21. Januar in Gabun [bei der Tropicale Amissa Bongo]. Das ist ein Radrennen, das ich noch nie in Betracht gezogen habe zu fahren – aber es ist ein A.S.O.-Rennen und daher ist es wichtig, dort Leistung zu erzielen. Unter anderem, um die Möglichkeit auf eine Wildcard für die Tour de France zu haben. JANUAR 2019 | PROCYCLING 53