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Procycling 01.19

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R Ü C K 20 18 J A H R E

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K DIE STARS VON MORGEN © Bora–hansgrohe/VeloImages (Porträt), Bora–hansgrohe/BettiniPhoto PASCAL ACKERMANN Neun an der Zahl. Innerhalb weniger Monate hat Pascal Ackermann mehr Siege geholt als so manch altgedienter Profi in seiner gesamten Laufbahn. Etappen bei der Tour de Romandie, der Dauphiné, der Polen-Rundfahrt und viele weitere Erfolge zeigen klar an: Bereits in seinem zweiten Jahr als Berufsradfahrer hat sich der junge Sprinter aus den Reihen von Bora– hansgrohe im wahrsten Sinne des Wortes in die Weltspitze katapultiert. „Ich würde sagen, ich habe mich selbst überrascht“, lacht Ackermann und fügt hinzu: „Ich hätte niemals damit gerechnet, dass es ein so gutes Jahr wird.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte der mittlerweile 24-Jährige aus Kandel sein Talent mehrfach aufblitzen lassen und war unter anderem Vierter bei den Straßen-Europameisterschaften geworden. Doch was 2018 folgte, brachte selbst ausgewiesene Kenner der Szene zum Staunen: Vom Frühjahr weg sammelte Ackermann gute Topplatzierungen am Fließband. Und mit seinem Sprintsieg der Abschlussetappe der Tour de Romandie gelang ihm bereits Anfang Mai BORA–HANSGROHE (24 Jahre, 2. Profisaison) sein erster Sieg in der UCI World- Tour. Von nun an reihte Ackermann Erfolg an Erfolg: Er gewann die deutschen Straßenmeisterschaften, den Prudential Ride London und schraubte sein Siegeskonto bis zum Saisonende auf stolze neun Erfolge hoch. AUFSTIEG ZUM LEADER PALMARÈS 2018 Es spricht für Ackermanns Charakter, dass er trotz allem Erreichten bescheiden bleibt: „Als großen Siegfahrer würde ich mich trotzdem noch nicht betiteln – da gibt es ganz andere im Feld, die wesentlich mehr erreicht haben“, sagt er, um mit einem Schmunzeln hinzuzufügen: „Ich sehe mich eher als kleinen Fisch, der eben da oben noch hin will.“ Damit spielt der Bora-Profi auf die Dinge an, die er noch lernen muss: Bei der Deutschland Tour im August beispielsweise verpasste er den Sieg bei der Auftaktetappe nur deshalb, weil er den Sprint zu früh eröffnete. Ähnliches passierte ihm zum Auftakt der chinesischen Tour of Guangxi. „Diese Gelassenheit bekommt man erst über die Jahre hinweg. Hier bin ich einfach noch Anfänger“, so Ackermann, der nichtsdestotrotz bei Bora– hansgrohe nun in der Verantwortung steht. Aus der einstigen Nachwuchshoffnung ist nämlich nicht nur ein Sieg- fahrer geworden, sondern auch einer, der in die Kapitänsrolle bei Eintagesrennen schlüpfen kann. „Mein Standing im Team hat sich sicherlich stark verbessert, ich habe jetzt meinen festen Platz in der Mannschaft“, sagt Ackermann, der dies als großen Vorteil für die kommende Saison sieht: „Ich kann jetzt viel besser meine Saisonhöhepunkte planen, da nun schon vorher klar ist, dass ich Kapitän sein kann. Das war ein wichtiger Schritt für meine Zukunft.“ Diese soll ihn im kommenden Jahr unter anderem zu seinem Grand-Tour-Debüt führen. „Das steht ganz oben auf dem Plan – und natürlich will ich dabei auch eine Etappe gewinnen. Ich will in jedem Fall an dieses Jahr anknüpfen und beweisen, dass ich nicht nur eine Eintagsfliege war.“ Letzteres ist bei jemandem, der mit 24 Jahren neun Saisonsiege auf WorldTour-Level holt, kaum vorstellbar. Einer der größten Erfolge für Pascal Ackermann war 2018 der Gewinn der deutschen Straßenmeisterschaft. Deutscher Meister Straßenrennen Etappensieger Tour de Romandie Etappensieger Critérium du Dauphiné 2 x Etappensieger Tour de Pologne Prudential RideLondon & Surrey Classic Brussels Cycling Classic Grand Prix de Fourmies Etappensieger Tour of Guangxi 62 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K DIE STARS VON MORGEN FELIX GROSSSCHARTNER BORA–HANSGROHE (24 Jahre, 3. Profisaison) PALMARÈS 2018 Die 20. Etappe des Giro d’Italia wird Felix Großschartner in besonderer Erinnerung behalten. 210 Kilometer und knapp 4.000 Höhenmeter musste das Peloton auf dem Weg von Susa nach Cervinia bewältigen – für die Favoriten im Gesamtklassement sollte es die letzte Möglichkeit sein, den Kampf um das Rosa Trikot zu entscheiden. Während sich Froome und Co. im Feld belauerten, war es allerdings ein junger Österreicher, der die Gunst der Stunde nutzte: Felix Großschartner prägte als Ausreißer fast den ganzen Tag lang das Renngeschehen … und belegte letztlich einen bärenstarken dritten Etappenplatz. „Ich habe drei Wochen alles für meine Mannschaft gegeben, und als ich die Chance bekam, wollte ich diese natürlich nutzen“, erinnert sich der 24-Jährige an den Tag zurück, an dem er einmal mehr sein enormes Talent aufblitzen ließ. Schon lange halten Experten den Youngster aus den Reihen von Bora– hansgrohe für einen, der auf schweren Bergetappen irgendwann in die Weltspitze vorstoßen könnte – in seinem ersten Jahr in der WorldTour bestätigte er diese Hoffnungen gleich mehrfach. Besonders in Erinnerung bleibt beispielsweise sein Auftritt bei Paris–Nizza im März, wo er zeitweise im Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers unterwegs war und sich einen viel beachteten zehnten Platz in der Gesamtwertung sicherte. Auch beim Giro d’Italia unterstrich Großschartner sein Können und hatte neben seiner Solofahrt auf der 20. Etappe als Helfer maßgeblich Anteil daran, dass sein Landsmann und Teamkollege Patrick Konrad Siebter in der Gesamtwertung wurde. „Ich habe gegenüber dem letzten Jahr wieder einen Schritt nach vorne gemacht – entsprechend zufrieden bin ich mit meiner Saison“, sagt Großschartner nicht umsonst. EIN TALENT FÜR GRAND TOURS Mut macht dem Welser dabei besonders, dass er mehrere Wochen am Stück seine Form halten und auch „am Ende einer Grand Tour immer noch Topleistungen abrufen“ konnte. „Das stimmt mich sehr positiv für die Zukunft, weil ich glaube, dass auch in den Gesamtwertungen der Grand Tours einiges für mich möglich sein kann“, so das Bora-Talent, das seiner Saison 2018 bei der chinesischen WorldTour-Rundfahrt Tour of Guangxi Mitte Oktober einen krönenden Abschluss verpasste: Als Zweiter musste er sich in der Gesamtwertung nur Sky-Profi Gianni Moscon geschlagen geben. „Es ist schön, die Saison auf dem Podium bei einem WorldTour-Rennen zu beenden. Vor allem für mich, war es doch meine erste WorldTour Saison“, freute sich Großschartner nicht umsonst. 2019 will der Österreicher, der im kommenden Jahr weiterhin bei Bora–hansgrohe unter Vertrag stehen wird, nämlich noch höher hinaus – und vor allem seinen ersten Profierfolg anpeilen. „Es würde mich natürlich richtig freuen, wenn ich den bei einer Grand Tour holen könne“, hofft er. Denn die großen Landesrundfahrten – das ist spätestens seit dem diesjährigen Giro d’Italia klar – sollen auch langfristig das Metier sein, in dem der Österreicher Erfolge feiern will. „Wenn ich mich im Zeitfahren und am Berg verbessere, kann ich an einem guten Tag mit den Besten mitfahren – und wenn ich das über drei Wochen halten könnte, wäre das ein Traum“, so der 27. des diesjährigen Giro. Dass er das Zeug dazu hat, steht spätestens seit seinem Ausreißercoup auf der langen Giro-Etappe von Susa nach Cervinia außer Frage. Etappendritter Giro d’Italia Österreichischer Vizemeister Straßenrennen Dritter Österreichische Meisterschaften Zeitfahren Siebter GP Kanton Aargau – Gippingen Neunter Volta ao Algarve Zehnter Paris–Nizza © Bora–hansgrohe/VeloImages (Porträt), BettiniPhoto JANUAR 2019 | PROCYCLING 63