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Procycling 01.19

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R Ü C K 20 18 J A H R E

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K DIE STARS VON MORGEN © Getty Images/Xavier Bonilla/NurPhoto (Porträt), Photo Gomez Sport SILVIO HERKLOTZ BURGOS-BH (24 Jahre, 3. Profisaison) Einen Neuanfang wagen, wieder an alte Erfolge anknüpfen – als Silvio Herklotz Anfang des Jahres nach zwei schwierigen WorldTour-Jahren bei Bora–hansgrohe seinen Wechsel zum spanischen Zweitligateam Burgos-BH verkündete, waren seine Hoffnungen groß, endlich das große Versprechen, das er mit einer außerordentlich guten U23-Saison im Jahr 2013 mit dem deutschen Meistertitel und dem Gesamtwertungserfolg bei der Tour Alsace im gleichen Jahr gegeben hatte, einzulösen. „Natürlich habe ich gehofft, den Durchbruch bei den Profis zu schaffen – aber leider hat sich alles ganz anders entwickelt“, erzählt der Berliner, der im Februar noch eine Teilnahme bei der Spanien-Rundfahrt als großes Saisonziel ausgegeben hatte, letztlich aber nur zu einem Einsatz bei der Katalonien-Rundfahrt im Mai kam. Schon im Winter hatte ihn ein ungewöhnlich langwieriger grippaler Infekt erwischt. Als später auch noch ein Magen-Darm-Virus hinzukam und die Form trotz Trainings nicht das alte Level erreichte ließ er sich schließlich in Deutschland untersuchen. Das Ergebnis: Borreliose. „Von da an drehte sich der Rest des Jahres nur um meine Genesung. In den ersten zwei Wochen wurde ich sogar stationär behandelt und bekam Antibiotika per Infusion verabreicht“, erklärt der 24-Jährige aus Blankenfelde-Mahlow, warum das Rennenfahren fortan keine oberste Priorität mehr für ihn hatte. Bis Mitte Oktober hinein dauerte Herklotz’ Therapie – heute ist er weitestgehend genesen: „Irgendwann habe ich mit der Saison abgeschlossen. Ich kann zwar wieder Rad fahren – aber an harte Einheiten ist trotzdem noch nicht zu denken.“ „ICH WILL MEINE KARRIERE FORTSETZEN. DIE FRAGE IST NUR, AUF WELCHEM LEVEL.“ NEUE WEGE 2019 Einst ein hoffnungsvolles Talent in der U23-Kategorie, dann drei schwierige Jahre als Profi – man möchte nicht in der Haut von Silvio Herklotz stecken. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich der Youngster in den langen Monaten seiner Genesungszeit einen Plan B zurechtrückte. „Ich will weiterfahren – die Frage ist nur, auf welchem Level“, deutet er an, dass er seine Karriere zwar nicht vollends beenden will, man ihn 2019 aber mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr in den obersten beiden Radsportligen erleben wird. Stattdessen will er eine Ausbildung im sportlichen Bereich absolvieren und sein Leben auf eine andere Basis stellen. „Es gibt schließlich auch andere Dinge als Rad fahren“, so Herklotz. Trotz drei schwieriger Profijahre und einer kleinen Portion Trauer über das vorläufige, unrühmliche Ende – seine Erfahrungen, sagt Herklotz, könne ihm niemand mehr nehmen. „Ich bin extrem viel gereist und habe sehr viel gelernt“, meint er und erinnert sich gleichzeitig an seine größten Erfolge. „Am besten war es natürlich immer, wenn man Rennen gewonnen hat. Deutscher U23-Meister, der Gewinn der Tour Alsace – das waren sicherlich absolute Highlights. Aber auch die Tiefpunkte, wie ich sie beispielsweise in diesem Jahr erleben musste, haben mich geprägt. Der Mensch, der ich heute bin, bin ich durch den Radsport.“ In diesem Jahr kam Silvio Herklotz krankheitsbedingt nur zu einem Renneinsatz bei der Katalonien-Rundfahrt. 64 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K DIE STARS VON MORGEN MAXIMILIAN SCHACHMANN QUICK-STEP FLOORS (24 Jahre, 2 Profisaison) Das war schon ziemlich geil.“ Als wir kurz nach dem Giro d’Italia mit Maximilian Schachmann sprachen, sprudelte es aus dem 24-Jährigen nur so heraus. Gerade hatte der Nachwuchsfahrer aus den Reihen von Quick-Step Floors seinen ersten Profisieg eingefahren: Auf der 18. Etappe von Abbiategrasso nach Prato Nevoso hatte Schachmann auf den letzten ansteigenden Kilometern die stärksten Beine einer zwölfköpfigen Ausreißergruppe und krönte damit seinen gelungenen Auftritt bei der Italien- Rundfahrt, bei der er bereits in der ersten Woche als mehrfacher Träger des Nachwuchstrikots auf sich aufmerksam machen konnte. „Es ist auf jeden Fall sehr motivierend. Ich habe gesehen, dass ich mit super disziplinierter Arbeit ganz vorne mitfahren kann. Ich bin sehr happy, dass ich als Fahrer diese Möglichkeiten habe“, zeigte sich Schachmann entsprechend gelöst. In der Tat waren die Aussagen des Berliners nach dem Giro keine leeren Worthülsen: Denn Schachmann sammelte über die gesamte Saison hinweg Topplatzierungen, von denen die meisten Profis in seinem Alter nur träumen können. Besonders im Kampf gegen die Uhr verbesserte er sich so weit, dass man ihn mittlerweile auf jedem Zeitfahrterrain zur erweiterten Weltspitze zählen darf. Mit seinem dritten Platz bei der Zeitfahr-Europameisterschaft Anfang August in Glasgow deutete er erneut sein großes Potenzial an. Schachmann jubelt über seinen Sieg auf der 18. Etap pe des Giro d’Italia. Es war der bisher größte Erfolg des jungen Deutschen. FAST-TRIUMPH IN DER HEIMAT Besonders für Furore sorgte der Quick-Step-Profi, der Ende September unter anderem auch Weltmeister im Teamzeitfahren bei der WM in Innsbruck wurde, bei seinem Heimrennen: Bei der Neuauflage der Deutschland Tour im August hielt er sich von Anfang an im Spitzenfeld, gewann die zweite Etappe und musste in der Gesamtwertung erst am letzten Tag dem Slowenen Matej Mohoric (Bah rain- Merida) und seinem Landsmann Nils Politt (Katusha-Alpecin) den Vortritt lassen. „Ich wollte ein offensives Rennen zeigen. Die Möglichkeiten in der Heimat, auf sich aufmerksam zu machen, sind ja doch sehr begrenzt – entsprechend wichtig war das Rennen für mich“, freute sich Schachmann, der damit unter Beweis stellte, dass er in Zukunft auch bei mittelschweren Etappenrennen zum Siegfahrer avancieren dürfte. PALMARÈS 2018 Seine erste Rundfahrt gewinnen – womöglich wird Schachmann dies im Trikot von Bora–hansgrohe gelingen. Nach zwei Jahren verlässt er nämlich das Quick-Step-Team von Manager Patrick Lefevere und schließt sich der Mannschaft von Ralph Denk an. „Es ist wirklich toll, dass das geklappt hat. Als deutscher Profi in einem deutschen Team zu fahren, ist natürlich perfekt. Meine Kollegen haben mir nur Gutes über das Team, die Strukturen und den Spirit dort erzählt, darum freue ich mich schon sehr auf die kommenden beiden Jahre“, freut er sich und spielt dabei besonders auf die Arbeit der bayerischen Equipe für die Förderung des deutschen Radsports an: „Da bin ich natürlich sehr gerne ein Teil dieser Reise. Ich denke, bei Bora–hansgrohe habe ich perfekte Entwicklungsmöglichkeiten in einem höchst professionellen Umfeld. Nun liegt es an mir, diese Möglichkeiten in den kommenden Jahren in Resultate umzusetzen.“ Etappensieger Giro d’Italia Etappensieger Katalonien-Rundfahrt Etappensieger Deutschland Tour Dritter Europameisterschaft Zeitfahren Weltmeister Mannschaftszeitfahren © Sigfrid Eggers/Quick-Step Floors (Porträt), Quick-Step Floors Cycling Team/Justin Setterfield/Getty Images JANUAR 2019 | PROCYCLING 65