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Procycling 01.19

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R Ü C K 20 18 J A H R E

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K TOM DUMOULIN DAS ROSA TRIKOT IN JERUSALEM Dumoulin feierte seinen ersten Sieg der Saison auf der Eröffnungsetappe des Giro d’Italia, einem 9,7 Kilometer langen Zeitfahren in Jerusalem. Damit schlüpfte er ins Rosa Trikot und startete perfekt in das Projekt Titelverteidigung. Das war dein erster Sieg in der Saison 2018, und damit hast du beim Giro auch genau da weitergemacht, wo du letztes Jahr aufgehört hast – im Rosa Trikot. Es war mein erster Sieg im Regenbogentrikot, und er brachte mir das Leadertrikot ein. Es dauerte eine Weile, aber das machte es noch besser. Ich fühlte mich viel besser und freute mich sehr auf das Rennen. Wir waren zwei Tage vor dem Start in Jerusalem – was für eine beeindruckende Stadt, vor allem die Altstadt, wo sich unser Hotel befand. Ich bin sogar mit dem Fahrrad durchs Zentrum gefahren, was ich eigentlich gar nicht gedurft hätte. Es war etwas sehr Besonderes für mich, in einer so historischen und bemerkenswerten Stadt zu gewinnen. Es hat für ein großartiges Foto gesorgt. Alles ist glänzend weiß, und dann die Regenbogenfarben. Konntest du bei der Gestaltung des Trikots mitreden? Nein, eigentlich nicht. Der ursprüngliche Plan waren schwarze Shorts, aber ich fand, das passte nicht zum Zeitfahranzug. Es ist eigentlich nicht üblich, weiße Shorts bei einem Straßenrennen zu tragen, aber der Zeitfahrdress ist komplett weiß. Bist du mit der Einstellung in den Giro gegangen: Ich verteidige nicht meinen Titel, ich will hier einfach wieder gut fahren? Das Gefühl, wirklich zeigen zu wollen, dass ich es wiederholen kann und erneut stark sein kann, setzte im letzten Winter und im Frühjahr ein – genau rechtzeitig zum Giro. Ich konnte das Rennen mit einer „Wir werden sehen“-Haltung angehen. Ich freute mich darauf, drei Wochen lang zu versuchen, das Beste aus mir herauszuholen und zu sehen, welches Resultat ich am Ende haben würde – das war meine Einstellung. Ich hatte im Winter und zu Beginn der neuen Saison wirklich mit mir selbst zu kämpfen. Ich erkannte, dass mir das Radfahren nicht so viel Spaß machte wie sonst, weil ich mich zu sehr unter Druck gesetzt hatte, und eine entspannte Herangehensweise machte mich definitiv viel glücklicher. 68 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K TOM DUMOULIN FROOMES COUP AM FINESTRE Chris Froome schüttelte Dumoulin ab und setzte acht Kilometer vor dem Gipfel des Colle delle Finestre auf der 19. Etappe zu einem Solo an. Obwohl noch 80 Kilometer zu fahren waren und Dumoulin die Verfolgung aufnahm, holte Froome den Etappensieg und das Leadertrikot. Wenn du Froome sofort gefolgt wärst, hättest du das Rennen gewonnen, oder? Ja, aber ich konnte nicht. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich es getan. An dem Punkt waren es noch acht Kilometer bis zum Gipfel des Finestre. Es war ein ehrliches Rennen. Ich hatte gute Beine an dem Tag. Ich fühlte mich gut – na ja, meine Beine waren furchtbar zu Beginn des Finestre. Aber als ich das überstanden hatte und Froome beschleunigte, war klar, dass ich nicht mithalten konnte. Ich wusste, dass er zu schnell für mich war. Er überraschte mich nicht. Ich hatte ihn nie abgeschrieben. Froome hatte schon am Monte Zoncolan gewonnen, ein klares Zeichen, dass er in Form kam. Warst du überrascht, als Simon Yates kurz vorher einbrach? Ja, sehr sogar. Ich weiß nicht, was da passiert ist. Natürlich ist mir aufgefallen, dass er in den ersten zwei Wochen viel investierte. Er war sehr dominant, aber ich hätte nicht gedacht, dass er dermaßen einbricht. Na ja, es kam mir zugute. War es rückblickend ein Fehler, bei der Aufholjagd mit den FDJ-Fahrern Reichenbach und Pinot zusammenzuarbeiten? Ja, aber das hätte ich mir denken können, als wir noch am Finestre waren. Ich entschied mich, auf Reichenbach zu warten. Ich wusste, wenn ich es zu einem Kampf Mann gegen Mann hätte kommen lassen, hätte ich sicher verloren. Froome fuhr weg, weil er bereits viel stärker war. Wenn er so weitergefahren wäre, hätte ich sowieso Zeit verloren. Möglicherweise wäre es nicht so viel Zeit gewesen, aber in der Situation hätte ich überhaupt keine Unterstützung gehabt. Es war eine bewusste Entscheidung. Es war die einzig richtige zu dem Zeitpunkt, angesichts der verfügbaren Informationen. Was nimmst du aus dem Giro mit? Zweiter Platz ist zweiter Platz, aber ich kann stolz darauf sein und bin sehr zufrieden damit. Ich habe bewiesen, dass ich bei all dem Druck, den ich mir selbst mache, und dem Druck, der von außen kommt, damit umgehen kann: Darauf bin ich auf jeden Fall stolz. JANUAR 2019 | PROCYCLING 69