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Procycling 01.19

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R Ü C K 20 18 J A H R E

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K TOM DUMOULIN DUMOULIN FORDERT SKY HERAUS Auf der 11. Etappe der Tour de France forderte Dumoulin das Team Sky heraus. Der Holländer fuhr am Cormet de Roselend einen Vorsprung heraus, aber Thomas fing ihn bei der Bergankunft in La Rosière ab. Was hast du von dieser Etappe in Erinnerung? Das ist auf dem Weg nach La Rosière. Das erkenne ich sofort. Das war eine besondere Etappe. Ich habe versucht, Thomas zu attackieren. Das Ergebnis war kein Etappensieg, aber ich war stolz auf mich und die Mannschaft. Es gab diese Bemerkungen in den Medien, dass das Team zu schwach sei. Dieser Ritt hat gezeigt, dass wir Courage hatten und gut zusammen fuhren. Mir gefiel es, dass wir das Rennen so fast hätten beenden können. Und so wurde es zu einem Duell mit Thomas. War das anders als gegen Männer wie Froome, Vincenzo Nibali oder Nairo Quintana? Ja, schon. Es war schwer einzuschätzen, wie der Rest des Rennens laufen würde. Ich habe damit gerechnet, dass er Gelb lange verteidigt, aber gleichzeitig wäre ich nicht überrascht gewesen, wenn er eingebrochen wäre. Wäre es Froome gewesen, wäre ich erstaunt gewesen, wenn er als Spitzenreiter implodiert wäre. Es war ein plausibleres Szenario für Thomas. Aber ich habe ihn bei der Tour nie unterschätzt, nicht für eine Sekunde. Nach dieser Etappe hast du eine emotionale Geschichte über deinen verstorbenen Onkel erzählt (der Dumoulin in La Rosière das Skifahren beigebracht hatte). Diese Erinnerungen müssen zu einer so wichtigen Zeit des Rennens bestimmt etwas bewirkt haben. Es war keine geplante Show für die Medien, oder? Nein, nein. La Rosière ist für mich ein sehr besonderer Ort wegen der vielen Winterurlaube, die wir mit der Familie und eben dem Onkel dort verbracht haben. Sein Tod ist mir sehr nahegegangen, aber meinem Vater noch mehr. Deswegen habe ich das Rennen gewählt, um etwas Verrücktes zu versuchen. Und es hätte fast funktioniert. Die Erinnerung an meinen Onkel hat mir ein bisschen geholfen, den Tag zu überstehen. Ich hätte sonst nicht den Mut gehabt, in der Abfahrt zu attackieren. Ich dachte: Ich versuche es einfach. 70 PROCYCLING | JANUAR 2019

R Ü C K 20 18 J A H R E B L S I C K TOM DUMOULIN EIN ZEITFAHRSIEG BEI DER TOUR Dumoulin gewann das Zeitfahren der Tour auf der 20. Etappe. Am Tag zuvor – auf der letzten Bergetappe – hatte er vergeblich versucht, das Gelbe Trikot abzuschütteln, während er seinen Podestplatz gegen Primož Roglič verteidigte. Die Tour endete mit einem Ausrufezeichen … Es sieht ein bisschen aus wie die Pose von Primož Roglic, wenn er seine Siege mit der Telemark-Haltung der Skispringer feiert. Das war nicht meine Absicht! Das war der beste Sieg der Saison. Ich hatte mir in der letzten Woche irgendetwas eingefangen, und das Ende der Tour konnte nicht schnell genug für mich kommen. In den Tagen davor merkte ich, dass ich abbaute. Es war sehr frustrierend, weil ich immer noch hoffte, Thomas angreifen zu können. Obendrein war meine Position durch Roglic bedroht. Vom Jäger wurde ich zur Beute. Das gefiel mir überhaupt nicht. Diese Wut habe ich mit ins Zeitfahren genommen, aber da hatte ich das Gefühl der Frustration schon verloren; ich hatte mich wieder beruhigt und brauchte nur zu sehen, wo das Schiff landen würde. Du hattest auch ein Problem mit deinem Zeitfahranzug. Mein Koffer mit meinen Sachen fürs Zeitfahren fehlte. Bei der Tour hat keiner Lust, jeden Tag einen 25 Kilo schweren Koffer zu schleppen und auszupacken. Deswegen lasse ich immer etwas von den Zeitfahrsachen, von denen ich weiß, dass ich sie erst später brauche, im Lkw. Diese Tasche ging verloren. Ich hatte den Mitarbeitern am Vorabend eine Nachricht geschickt: „Ich habe zwei Taschen mit meinen Sachen bei euch gelassen. Bitte sorgt dafür, dass sie morgen da sind.“ „Ja, ja, wir kümmern uns drum“, wurde mir gesagt. Dann habe ich am nächsten Tag festgestellt, dass die Tasche nicht da war. Aber ich habe das Zeitfahren mit einer Sekunde Vorsprung gewonnen – das war eine unglaubliche Geschichte. Am Ende kam alles zusammen. Und dann war die Messung beim Zeitfahren falsch und sie setzten Froome anfangs vor dich … Der Zwischenfall mit Froomes Zeit passt gut dazu. Als ich mir die Aufnahme anschaute, dachte ich zuerst, sie hätten an der Zeit herumge pfuscht, um mich gewinnen zu lassen. Aber es stellte sich heraus, dass sie die Uhr zu früh stoppten, als Froome ankam. Solche Tage kann man sich nicht aus denken. JANUAR 2019 | PROCYCLING 71