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Procycling 02.18

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PROLOG NEUE KOLUMNE

PROLOG NEUE KOLUMNE INSIDER RICK ZABEL „MALLE“ IST NICHT NUR EINMAL IM JAHR Der Katusha-Alpecin-Profi gibt Einblicke in sein Wintertraining. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Jojo Harper/Team Katusha Alpecin (Porträt), privat Mal ehrlich: Winter in Deutschland ist schön – für uns Radprofis ist das nasskalte Wetter allerdings alles andere als topp. Die Temperaturen, die Erkältungsgefahr – es kommt nicht von ungefähr, dass so viele Radfahrer vor dem Winter in den Süden fliehen. Das mit Abstand beliebteste Ziel: Mallorca. Ich verbrachte alleine in diesem Winter ganze sechs Wochen auf der Mittelmeerinsel. Dass Mallorca so populär ist, hat verschiedenste Gründe: Die Anreise von Deutschland ist kurz, täglich gibt es mehrere Verbindungen zu fast allen Flughäfen, das Straßennetz vor Ort ist topp ausgebaut und die Temperaturen sind mild, aber auch nicht zu heiß wie etwa auf Gran Canaria oder Teneriffa. Gerade letzteres spielt für mich eine bedeutende Rolle, schließlich finden die ersten Rennen des Jahres, insbesondere die Frühjahrsklassiker, oftmals noch im Kalten und Nassen statt. Neben meinen privaten Aufenthalten fanden auch unsere beiden Teamtrainingslager auf Mallorca statt: Unser erstes Camp in der ersten Dezember-Hälfte hatte es dabei nicht nur aus Trainings-technischer Sicht in sich: Wir hatten zuvor kein Mannschaftstreffen, sodass alle wichtigen organisatorischen Angelegenheiten in die erste Woche gepackt wurden: Fotoshootings, Videodrehs, Teampräsentation, Interviewtermine – es war ganz schön was geboten. Besonders spannend war der Tag nach der Teampräsentation: Das Training war auf den ersten 60 Kilometern für die Öffentlichkeit geöffnet, danach durften die Fans auch beim Mittagessen dabei sein – eine coole Sache! „MARCEL HAT UNS BEIM SPRINTTRAINING GANZ SCHÖN ALT AUSSEHEN LASSEN – BIS AUF EINMAL IN DER LETZTEN WOCHE: DA HABEN MIR NUR 20 ZENTIMETER GEFEHLT.“ In Sachen Training ging es in meinen Mallorca-Trainingslagern in diesem Winter dabei nicht nur darum, Grundlagenkilometer zu schrubben. Bereits im Dezember gab es richtige Spezialeinheiten mit unserem Sprintzug. Ich war deshalb meistens in der Sprint- und Klassikergruppe mit Marcel Kittel, Nils Politt, Marco Haller und einigen weiteren Fahrern unterwegs. Mein Trainer Robert Pawlowski, der jetzt auch zum Katusha-Staff gehört, hat sich dabei einiges überlegt. So gab es zum Beispiel explizites Sprintzugtraining auf abgemessenen Zielgeraden. Per Kreide wurden Markierungen auf die Straße gemalt, sodass jeder Fahrer genau wusste, wann er die Tempoarbeit übernehmen sollte. Und am Ende wurde gegen Marcel gesprintet. Der Weihnachten verbrachte Rick Zabel auf Mallorca. Für den 24-Jährigen ist die Mittelmeerinsel der Nummer-eins-Spot in Sachen Wintertraining. hat uns dabei ganz schön alt aussehen lassen – bis auf einmal in der letzten Woche: Da haben mir nur 20 Zentimeter gefehlt – das lässt auf die Saison hoffen! Die steht nun bereits in den Startlöchern. Ich werde bei der Dubai-Rundfahrt und im Anschluss bei der Abu Dhabi Tour in das Jahr starten, mein weiteres Programm wird in diesen Tagen festgelegt. Fest steht, dass ich eine sehr wichtige Rolle im Sprintzug um Marcel einnehmen werde, gleichzeitig aber auch das ein oder andere Mal meine Freiheiten bekommen soll. Ich hoffe in jedem Fall, dass sich das viele Training auf Mallorca gelohnt hat. Ob „Malle“ meine zweite Heimat ist? Das würde ich nicht sagen. Aber es nimmt auf jeden Fall einen wichtigen Platz in meinem Alltag als Radprofi ein – besonders, wenn es bei uns zuhause eisig kalt ist. Geboren am 7. Dezember 1993, zog es den Sohn von Erik Zabel schon früh zum Radsport. Nach guten Platzierungen bei den Junioren wechselte er 2012 zum Rabobank Development Team. 2014 wurde Rick Zabel Profi bei BMC und fuhr drei Jahre bei der US-amerikanischen Equipe. 2017 wechselte er schließlich zu Katusha-Alpecin und bestritt erstmals die Tour de France und die Straßen-WM. 16 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

PROLOG INSIDER RALPH DENK DER SCHUTZ VON FAHRER, TEAM UND RADSPORT Der Teamchef von Bora–hansgrohe schreibt über die ereignisreichen letzten Wochen. Die Bilder der letzten Tour de France sind noch heute präsent. Auf der vierten Etappe kommt Mark Cavendish schwer zu Fall, später wird unser Fahrer Peter Sagan von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen. Es war immer unser Ziel zu zeigen, dass Peter den Sturz von Mark Cavendish nicht verursacht hat, mit der Einigung im Vorfeld des für den fünften Dezember anberaumten Hearings vor dem CAS (Court of Arbitration for Sport) in Lausanne mit der UCI ist uns das nun gelungen. Niemand möchte, dass Fahrer stürzen oder sich verletzen, aber das in Vittel, das war ein Rennunfall, wie er in einem Sprint immer passieren kann. Mein Job als Teammanager ist es, meine Fahrer und Sponsoren zu beschützen, und ich denke, genau das haben wir als Team getan. Ich wurde nun in meiner Sichtweise bestätigt, dass weder Peter noch Bora– hansgrohe einen Fehler begangen haben. Warum die Einigung so lange gedauert hat? Wenn man verschiedene Meinungen hat, ist es normal, dass man erst einmal auf diesen beharrt. Sicherlich hat auch die Wahl David Lappartients zum neuen UCI-Präsidenten dazu beigetragen. Dass der Fall geholfen hat, im Radsport endlich auch den Videobeweis in Richtung Fairness zu erweitern, ist darüber hinaus sicherlich ein schönes Nebenresultat der Geschichte. „MEIN JOB ALS TEAMMANAGER IST ES, MEINE FAHRER UND SPONSOREN ZU BESCHÜTZEN.“ Auch ansonsten liegen ereignisreiche Wochen hinter uns: Kurze Zeit nach der Einigung im Fall Sagan fand unsere Teampräsentation im Schwarzwald statt, es folgten unsere beiden Teamtrainingslager und die direkte Vorbereitung auf die ersten Rennen. Die Woche auf Mallorca Mitte Dezember war die einzige Gelegenheit der gesamten Saison, alle Fahrer an einem Fleck zu vereinen – schließlich sind mittlerweile schon wieder alle mehrgleisig unterwegs. Neben den Trainingseinheiten galt es daher auch, zahlreiche Foto- Shootings, Videodrehs, Mechanikerschulungen und andere organisatorische Dinge zu erledigen. Mit insgesamt 60 Leuten waren wir vor Ort – das zeigt, wie wichtig das Event war. Für unser Team geht es jetzt im Januar schließlich bereits Schlag auf Schlag: Mit der Tour Down Under und der Tour de San Luis stehen die ersten beiden Etappenrennen des Jahres auf dem Programm. Während es in Argentinien für uns vor allem darum gehen wird, Rennkilometer zu sammeln, wollen wir in Australien schon richtig erfolgreich sein. Dafür schicken wir ein wirklich starkes Team nach Down Under: Daniel Oss und Peter Kennaugh werden ihr Debüt für Bora–hansgrohe geben, dazu kommt Lokalmatador Jay McCarthy, der letztes Jahr hier bereits Gesamtdritter geworden Das Team Bora–hansgrohe bei der Teampräsentation im Schwarzwald Anfang Dezember. ist. Auch Peter Sagan wird in Down Under in die Saison einsteigen. Selbst wenn seine Highlights erst später kommen, hoffe ich doch schwer, dass er gute Beine hat. Aber wer Peter kennt, weiß: Sobald er eine Startnummer trägt, ist er immer gut genug, um zu gewinnen. Die Fahrer und den Radsport schützen als Aufgabe eines Teamchefs – damit habe ich diese Kolumne begonnen und damit möchte ich sie auch beenden. Mit den Vorkommnissen um Christopher Froome gab es schließlich ein weiteres Ereignis, das die letzten Wochen geprägt hat und immer noch prägt. Ein Ereignis, das alles andere als schön ist. Wichtig und im Sinne des Radsports wäre es hier in jedem Fall, eine schnelle Entscheidung zu bekommen – egal, wie diese ausfällt. Ein langes Hinauszögern würde dem Radsport nämlich alles andere als guttun – und am Ende geht es um unseren Sport. Ralph Denk ist Teammanager der deutschen WorldTour-Mannschaft Bora–hansgrohe. Nach jahrelanger Aufbauarbeit bestreitet die Equipe mit Sitz im oberbayerischen Raubling 2017 ihre erste Saison in der höchsten Radsportliga, im Vorfeld gelang dabei unter anderem die Verpflichtung von Weltmeister Peter Sagan. In Procycling berichtet Denk, in früheren Jahren selbst aktiver Rennfahrer, jeden Monat über seinen Alltag als Teamchef. Aufgezeichnet von Werner Müller-Schell, © Bora–hansgrohe/VeloImages FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 17