Aufrufe
vor 1 Jahr

Procycling 02.18

  • Text
  • Procycling
  • Rennen
  • Februar
  • Fahrer
  • Froome
  • Lemond
  • Yates
  • Giro
  • Radsport
  • Etappe

TEAM SKY Froome und

TEAM SKY Froome und Brailsford geben bei der Sky-Pressekonferenz vor dem Tourstart 2017 den Ton an. Wiggins 2011 bei der Dauphiné, wo ein ge heimnisvolles Päckchen für Aufsehen sorgte. ERKLÄREN ODER ZU BEGRENZEN VERSUCHEN WAR OFT BRAILSFORDS METHODE, WENN HEIKLE SITUATIONEN ENTSTANDEN. Erklären und begrenzen oder zu begrenzen versuchen war oft Brailsfords Methode, wenn heikle Situationen entstanden. In jenem Sommer, als Wiggins das Gelbe Trikot trug, war ich einer von zwei Journalisten, die Brailsford ansprachen, um ihn nach der Rekrutierung von Geert Leinders zu fragen, der Arzt bei Rabobank war, als Michael Rasmussen gedopt ins Gelbe Trikot fuhr. Gab es eine klarere Verbindung mit Doping? Brailsford erklärte sich schließlich bereit, sich am Ruhetag in der Nähe von Mâcon mit mir und Owen Slot, der für die Times von der Tour berichtete, hinzusetzen. Ich hatte den Eindruck, dass Brailsfords Antworten vernünftig waren, obwohl seine Entscheidung, Leinders zu engagieren, bestenfalls sehr naiv war. Aber Brailsford hat vielleicht aus Erfahrung gelernt, dass der Versuch, Vorgänge aufzuklären, nur zu Kritik und weiteren Fragen einlädt, statt Zweifel zu ersticken. Als das Team gegründet wurde, gab er eine weitere bemerkenswerte Erklärung ab, nämlich, dass das Team Sky sich bemühen werde, nur Ärzte einzustellen, die nicht aus dem Profiradsport kämen. Auf die Frage, warum diese Politik sich geändert habe und Leinders kommen konnte, sagte er, das Team benötige erfahrene Ärzte, die radsportspezifische Verletzungen wie Gesäßentzündungen behandeln könnten. 2016 tat sich Brailsford schwer, die Umstände zu erklären und die Fakten darzulegen, als die Hackergruppe „Fancy Bears“ herausfand, dass Wiggins vor den Frankreich-Rundfahrten 2011 und 2012 sowie dem Giro d’Italia 2013 eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) für das Corticosteroid Triamcinolon hatte. Aus einer anderen undichten Stelle erfuhr der Daily-Mail- Journalist Matt Lawton, am letzten Tag des Critérium du Dauphiné 2011 sei ein Päckchen per Kurier zum Team Sky gebracht worden – angeblich war es für Wiggins bestimmt und enthielt Triamcinolon. Wäre dies am Sonntag verabreicht worden, selbst nach dem Rennen, wäre es ein Dopingverstoß gewesen, aber der Verdacht konnte weder bewiesen noch ausgeräumt werden. Brailsford sagte dem Sportausschuss des britischen Parlaments später, das Päckchen habe einen rezeptfreien Schleimlöser namens Fluimucil enthalten, und da es keine überprüfbaren Informationen vom Sky-Arzt bei dem Rennen, Richard Freeman, oder seinem fehlenden Laptop und fehlenden medizinischen Unterlagen gibt, können wir alle nur raten. Während sich diese Geschichte entwirrte, verhedderte sich Brailsford in seinen Erklärungen. Er gab an, dass Simon Cope, der Kurier des Päckchens, auf dem Weg zu Emma Pooley gewesen sei – nur dass Pooley zu der Zeit ein Rennen in Spanien fuhr. Er gab an, dass Wiggins nach der letzten Dauphiné-Etappe keinesfalls im Sky-Bus eine Injektion bekommen haben könne, da der Sky-Bus La Toussuire kurz nach dem Rennen 40 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

TEAM SKY verlassen habe. Allerdings zeigten Filmaufnahmen von Wiggins, der ein Interview vor dem Teambus gab, nachdem die Siegerehrungen an jenem Nachmittag vorbei waren, dass der Bus wenigstens noch eine Stunde dort stand, was mit meiner Erinnerung übereinstimmt, weil ich ebenfalls dort war. Mit seinen Erklärungsversuchen machte er es noch schlimmer. Dass Brailsford Lawton angeblich gefragt habe, ob er etwas tun könne, damit der Daily-Mail-Journalist die ganze Geschichte unter den Tisch fallen lassen würde, spricht für seine Bereitschaft, in die Grauzonen zu gehen, die von Meinungsmachern und Lobbyisten besetzt sind. All das war wahrscheinlich eine schmerzhafte Lektion, und sie führte zu einem Politikwechsel, wie es schien, als dem Team Sky 2017 neuer Ärger ins Haus stand. Als die Zeitungen The Guardian und Le Monde das Team kontaktierten und um eine Stellungnahme dazu baten, dass in einer Urin probe von Chris Froome von der Vuelta a España eine erhöhte Konzentration eines Asthma mittels festgestellt wurde, versprach das Team Sky, sich mit der Antwort zu melden. Aber statt sich mit dem Guardian oder Le Monde in Verbindung zu setzen, verfasste es selbst eine Erklärung und machte die Geschichte so auf eigene Faust publik. Es ist verständlich, dass Journalisten sich über so etwas ärgern, aber dank unterschiedlichster Medien und der Tatsache, dass Organisationen und Einzelpersonen heute viele verschiedene Plattformen haben, um direkt mit ihrem Publikum zu sprechen, ist dies unvermeidlich. Journalisten, die fair sein und eine Stellungnahme einholen wollen, bevor sie etwas veröffentlichen, sind da im Nachteil. Die Annahme in den ganzen Jahren war, das Team Sky, finanziert von einem der weltgrößten Medienunternehmen, sei eine gut geölte PR-Maschine mit einer klaren FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 41