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Procycling 02.18

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TAG FÜR Rigoberto Urán

TAG FÜR Rigoberto Urán hat mit dem zweiten Platz der Tour de France 2017 das beste Resultat seiner Karriere herausgefahren. Seine goldenen Jahre schienen hinter ihm zu liegen, aber dank anhaltend guter Form und Gesundheit sowie der Philosophie, einen Schritt nach dem anderen zu machen, kam er auf eine Minute an das Gelbe Trikot heran. Hier erzählt er Procycling, wie er es anstellte. TAG 44 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

Text Patrick Fletcher Fotografie Yuzuru Sunada Día por día. Nicht einmal Rigoberto Uráns lateinamerikanisches Spanisch kann die profansten drei Worte im Profiradsport interessant machen. Tag für Tag. Eine Phrase, die auf Pressekonferenzen und Mixed Zones in der ganzen Welt weit verbreitet ist, aber so wenig sagt. Aber man hat das Gefühl, dass Urán es tatsächlich so meint. „Für mich gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft, nur die Gegenwart“, sagt er Procycling im Konferenzzimmer eines Hotels in Japan. Urán unterstreicht das mit einem Lächeln: „Es gibt nur heute, genau hier, genau jetzt.“ Die Worte „día por día“ kamen im Juli unzählige Male über seine Lippen, als er auf dem Weg zum zweiten Platz der Tour de France war. Nachdem er zuletzt beim Giro 2014 auf dem Podest einer großen Rundfahrt gestanden hatte, ging er nicht als Favorit ins Rennen, feierte aber auf der 9. Etappe einen großartigen Sieg in Chambéry, Millimeter vor Warren Barguil. Von da an war es bis Paris eine Pedalumdrehung nach der anderen. Uráns Herangehensweise an eine große Rundfahrt spiegelt seine Herangehensweise an das Leben im Allgemeinen wider. „Bei der Tour denke ich am ersten Tag nicht an die letzte Etappe in den Bergen – nein, heute ist die erste Etappe, morgen die zweite. So versuche ich die Dinge im Leben zu sehen“, erklärt er. „Die Zukunft kennen wir nicht. Die Vergangenheit ist vorbei. Es gibt nur heute.“ Uráns Einstellung ist dem ungewöhnlichen Weg zu verdanken, der ihn von der kolumbianischen Provinz an die Spitze des europäischen Radsports gebracht hat. Es war eine von Hindernissen, Rückschlägen und gar Tragödien geprägte Reise. Als er 14 war, verlor Urán seinen Vater, ermordet von Paramilitärs inmitten des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in Kolumbien. Die Unschuld der Kindheit endete abrupt. © Getty Images FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 45