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Procycling 02.18

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TIM WELLENS KEINE

TIM WELLENS KEINE AUSNAHME- GENEHMIGUNG FÜR WELLENS Tim Wellens hatte bei der Tour de France 2017 schwer zu kämpfen. Sein Teamkollege Jürgen Roelandts fiel mit einer Infektion aus und Wellens erkrankte kurz danach. Obendrein hatte er eine Sonnenallergie. Auf den Etappen 11 bis 15 kam Wellens mit dem Schlaf - wagen oder als Allerletzter ins Ziel. Auf der 16. Etappe warf er das Handtuch. Wellens lehnte es aus moralischen Gründen ab, sich zur Behandlung der Erkrankung eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) für Kortison ausstellen zu lassen. „Es ist eine ethische Wahl – für ihn ist es wichtig“, sagte Lotto-Soudal-Manager Marc Sergeant. Aber wenn Wellens eine TUE bekommen hätte, hätte er ohnehin aussteigen müssen, weil das Team Mitglied der Bewegung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) ist. Die MPCC schreibt vor, dass Fahrer acht Tage aussetzen, wenn sie im Wettbewerb mit Corticosteroiden behandelt werden müssen. meinen Lieblingsrennen der Saison, weil die Strecken sehr schön und sie gut organisiert sind. Du scheinst auch ein ausgeprägtes Gefühl dafür zu haben, was ein „guter“ Sieg in puncto Attraktivität ist. Und für dich steht ein Sprintsieg über einem Solosieg. Kannst du erklären, warum? Du bekommst von einem Sprintsieg viel mehr Adrenalin. Wie bei der Ruta del Sol im letzten Jahr, da habe ich aus einer sechsköpfigen Gruppe gewonnen. Aber viele meiner Siege wie den bei der Tour de Pologne [2016] oder den Giro- Etappensieg [2016] verdankte ich frühen Angriffen, und ich wusste 20 Minuten vorher, dass ich gewinnen würde. Ich freue mich natürlich sehr über jeden Sieg, aber wenn du weißt, dass du erst auf der Linie gewonnen hast, ist es etwas ganz Besonderes. Wenn das so ist, hast du dann einen bisherigen Lieblingssieg? Mein Sieg in Montréal steht ganz oben, weil alle außer Peter Sagan darum gekämpft haben. Ich bin bei den frühen Angriffen nicht mitgegangen, sondern zusammen mit Adam Yates im Schlussanstieg am Mount Royal, als alle anderen im Regen zurückfielen. Auf sportlicher Ebene war das einer der schönsten Siege meiner Karriere, glaube ich. Du hast deinen ersten Grand-Tour-Etappensieg beim Giro 2016 in Roccaraso geholt. Hat das geholfen, die Erwartungen der belgischen Medien an dich zu erfüllen? Ja. Vor dem Giro stand ich unter großem Erfolgsdruck. Aber das ist normal, weil ich jetzt den Status habe, dass ich das Team bei einer großen Rundfahrt anführen sollte und dass ich fast eine Etappe gewinnen muss – nicht wirklich, aber … Erwartest du viel von dir? Oder wie wirst du am besten motiviert – durch einen Sportlichen Leiter? Auf die erste Frage: ja; auf die zweite: nein, nicht wirklich. Ich setze mich selbst ziemlich unter Druck und hänge die Latte sehr hoch. Ich glaube, das ist eine gute Einstellung. Ich hatte viele Kritiker vor der Tour 2015, als ich sagte, ich würde gerne eine Etappe gewinnen, und als ich dort schlecht fuhr, musste ich viel Kritik von den belgischen Medien einstecken, aber das war ganz normal, denke ich. Du hast 2017 mit einem Sieg bei der Tour of Guangxi in China abgeschlossen. Es war die erste Austragung des Rennens – was für einen Eindruck hattest du, wie es lief? Wellens bei der Tour 2017, bevor er das Rennen krankheitsbedingt aufgeben musste. Der Gesamtsieg bei der neuen Tour of Guangxi rundete Wellens’ Saison ab. 54 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

TIM WELLENS 1. BESTE RESULTATE 2. Tour of Guangxi 2017 (Gesamt + 1 Etappe) Grand Prix de Wallonie 2017 BinckBank Tour 2017 (1 Etappe) Ruta Del Sol 2017 (1 Etappe) Trofeo Andratx 2017 Trofeo Serra de Tramuntana 2017 Tour de Pologne 2016 (GC + 1 Etappe) Giro d’Italia 2016 (1 Etappe) Paris–Nizza 2016 (1 Etappe) Grand Prix Cycliste de Montréal 2015 Eneco Tour 2015 (GC + 1 Etappe) Eneco Tour 2014 (GC + 1 Etappe) 1. 2. 3. 3. BinckBank Tour 2017 Belgian National Championships Road Race 2016 Vuelta Ciclista al Pais Vasco 2015 (1 Etappe) Trofeo Serra de Tramuntana 2015 Ster ZLM Toer GP Jan van Heeswijk 2014 (Gesamt + 1 Etappe) Giro d’Italia 2014 (2 Etappen) Belgische Zeitfahrmeisterschaft 2014 Strade Bianche 2017 Ich bin mit einer offenen Einstellung reingegangen. Ich bin die Peking-Rundfahrt 2012 gefahren, aber es war nicht dieselbe Organisation. Ich muss sagen, es war sogar noch besser, als ich erwartete hatte. Es war wirklich beeindruckend, wie viel Mühe sie sich gegeben hatten. Es war ein wirklich schönes Etappenrennen, nicht, weil ich es gewonnen habe, sondern wegen der Organisation. Die hügeligen Klassiker waren 2017 ein großes Ziel für dich, aber sie liefen nicht nach Plan. Überhaupt fuhr das Team bei allen Klassikern nicht gut. Haben du und das Team analysiert, was schief lief? Nicht wirklich, aber vielleicht kann man sagen, dass das Team zu früh zu gut war. Das ist eine Möglichkeit, und ich glaube, dieses Jahr werden wir mehr darauf achten und es in den Trainingslagern ein bisschen lockerer angehen lassen. Es ist immer gut, gut zu sein, aber es ist besser, bei den wichtigsten Rennen ist Bestform zu sein. Was hast du aus dem letzten Jahr gelernt? Es ist schwer, etwas herauszugreifen, das ich letztes Jahr gelernt habe. Ich weiß, in welchen Rennen ich gut bin und was ich mag. In diesem Jahr muss ich eine schwere Wahl zwischen Paris–Nizza und Strade Bianche treffen. Ich weiß nicht, welches ich fahren werde. Letztes Jahr bin ich zum ersten Mal Strade Bianche gefahren und es gefiel mir wirklich. Die Rennen, auf die ich es abgesehen habe, sind die wallonischen Klassiker. Es ist nur schade, dass ich dort bisher kein gutes Ergebnis eingefahren habe. Ich hoffe, dieses Jahr läuft es besser. © Sirotti FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 55