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Procycling 02.18

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© Yuzuru Sunada 62

© Yuzuru Sunada 62 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

E D U A R D O S E P Ú L V E D A DER PILGER AUS PATAGONIEN Sepúlveda in den Farben Argentiniens bei der Weltmeisterschaft in Bergen. Stürze und Verletzungen haben seine Karriere immer wieder zum Stocken gebracht. das Bewusstsein und brauchte lange, um wieder zu mir zu kommen“, erinnerte er sich später. „Das Ergebnis waren Nähte im Gesicht, gebrochene Zähne, eine Kahnbeinfraktur und multiple Brüche in einem Handgelenk.“ Sepúlveda war Ende Juni wieder vollständig genesen, aber bis dahin war sein beeindruckender Start in die Saison mit einem zweiten Gesamtrang und Etappensieg in San Luis, gefolgt von einer starken Vorstellung am Green Mountain in Oman, weitgehend vergessen. In zwei weiteren Jahren bei Fortuneo, 2016 und 2017, nahm Sepúlveda erneut an der Tour teil, hatte aber das Gefühl, auf der Stelle zu treten. „Ich hatte mich bei Fortuneo eingewöhnt, aber ich musste weiterziehen und mir neue Ziele setzen“, sagt er. „Movistar ist ein großer Schritt, aber es hat mir wirklich neue Energie gegeben: Es fühlt sich an, als hätte ich gerade meinen ersten Profivertrag unterschrieben.“ Egal, welche Rolle er bei Movistar spielen wird, will Sepúlveda nicht auf die Bahn zurückkehren wie Alex Dowsett in seiner Zeit bei dem spanischen Team. „Ich war zuletzt 2013 in einem Velodrom, als ich einen Weltcup in London gefahren bin. Ich kann wieder zurück auf die Bretter, wenn ich mich vom Straßenradsport zurückziehe, mit 40 oder so. Derzeit ist der Straßenradsport das, worauf ich mich konzentrieren will. Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag, also habe ich Zeit, mich in meinem eigenen Tempo an dieses Team zu gewöhnen. Aber ich will lernen und aus der Nähe sehen, wie die großen Stars arbeiten, und ihnen dabei helfen, Rennen zu gewinnen.“ Sich endlich irgendwo einzuleben, kann diesen Prozess vielleicht beschleunigen. Nachdem er so lange aus dem Koffer gelebt hat – in weniger als einem Jahrzehnt hatte er Adressen in Rawson, Buenos Aires, Aigle und Katalonien –, ist Sepúlveda jetzt ein zufriedener Einwohner von Andorra. „Du fühlst dich beim Training sicher, die Autofahrer nehmen sehr viel Rücksicht und du kannst eine Stunde lang einen Bergpass hochklettern, ohne von einem einzigen Auto überholt zu werden“, erklärt er. Sepúlveda fliegt immer noch einmal im Jahr die weite Strecke nach Argentinien, und in diesem Winter hat er sich, wie jedes Mal, mit Freunden und Familie im Tea Shop von Rawson entspannt, der die blühende walisische Kultur in der Region symbolisiert. Nach so vielen Jahren im Ausland hat Sepúlveda eine große Konstante des Auswandererlebens entdeckt: Je größer die Anpassung und Zufriedenheit in der neuen Umgebung, umso mehr fremdelt man in seinem alten Zuhause und umso schwieriger wird es, wenn man zurückkommt. „Als ich das letzte Mal in Rawson war, war es komisch. Ich konnte mich nicht mehr so leicht an den alten Lebensstil gewöhnen“, sagt Sepúlveda. „Das liegt wohl daran, dass ich immer länger weg bin – dieses Mal seit Januar –, und der Unterschied zwischen hier und Andorra ist enorm. Er könnte nicht größer sein.“ Bei Movistar wird er jedenfalls endlich in einem Team sein, das Vollzeit in der WorldTour ist und wo er sein Talent bis an seine Grenzen entfalten kann. Aber es passt, dass Sepúlvedas erstes Rennen für das Team die Vuelta a San Juan Ende Januar in Argentinien ist. In dem Moment, da sich Sepúlveda neues Terrain erschließt, erhält er eine Art Segensgruß von seiner Vergangenheit und den Fans aus seiner alten Heimat. © Getty Images FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 63