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Procycling 02.18

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MEIN SCHWERSTES JAHR Als

MEIN SCHWERSTES JAHR Als Fahrer des Teams Domina Vacanze wurde Griwko in seinem allerersten Jahr bei der Tour ins kalte Wasser geworfen. Er hatte eine steile Lernkurve vor sich, sowohl bei seinem Team als auch bei den damaligen Stars des Pelotons. „Meine erste Tour war 2005. Ich war 23. Es war eine andere Epoche. Die Rennen waren härter. Die Fahrer waren schneller. Alle wissen, dass es andere Zeiten waren. Von 2005 bis 2007 war es, selbst wenn du ein talentierter junger Typ warst, fast unmöglich, große Ergebnisse zu holen. Jetzt hat es sich zum Besseren gewandelt. Wenn ein junger Typ ankommt und talentiert ist, liefert er im ersten oder zweiten Profijahr starke Resultate ab. Aber es gibt etwas an den alten Zeiten, was ich vermisse. Respekt vor allem. Ich erinnere mich, dass ich im Peloton fuhr und große Angst hatte, mit Fahrern wie Lance Armstrong oder Jan Ullrich zusammenzustoßen. Es gab Respekt vor Fahrern, die zehn Jahre Erfahrung oder mehr hatten. Heute gibt es das nicht mehr. Die Fahrer kommen ins Peloton, wenn sie Anfang 20 sind, sie blockieren oder schubsen mit den Ellbogen. Und es gibt Stürze. Entschuldigen sie sich nachher? Natürlich nicht. Ich würde sagen, einige meiner jungen Kollegen halten es sogar für normales Verhalten. 2017 verlor Astana- Veteran Andrej Griwko zwei Freunde und erhielt eine Sperre, weil er Marcel Kittel bei der Dubai Tour mit dem Ellbogen gestoßen hatte. Der ukrainische Fahrer reflektiert, wie das Jahr 2017 seinen Blick auf das Leben und den Radsport verändert hat. Interview Sam Dansie Fotografie Chris Auld In letzter Zeit, wenn es auf den Sprintetappen der großen Rundfahrten auf den letzten paar Kilometern Stürze gibt, sagen die Sprinter, es seien die Klassementfahrer und ihre Helfer, die an allem schuld sind. Aber wenn man genau hinschaut, provozieren die Sprinter es selbst. Ich glaube, wenn die Sprinter nicht drängeln würden wie verrückt, könnte man mindestens die Hälfte dieser Situationen vermeiden. Sie kämpfen sogar mitten in einer Bergetappe um Positionen. Das ist nicht nötig. Sie verursachen Chaos und es gibt alle 100 Meter heftige Berührungen.“ JANUAR Ende Januar erlag Dmytro Grabovskyy, der U23- Weltmeister von 2005, mit 31 Jahren in Israel einem Herzinfarkt. Nach einer kurzen und turbulenten Karriere hatte er den Radsport verlassen und trainierte für den Ironman. Sowohl Grabovskyy als auch Griwko waren aus Simferopol auf der Krim. Sie waren einmal gute Freunde gewesen, aber der Kontakt war eingeschlafen. „2009 fuhren Dmytro und ich zusammen für das italienisch-ukrainische Team ISD. Wir bestritten den Giro zusammen. Er wurde auch in Simferopol in der Ukraine geboren und lebte während der Saison in Italien – wie ich. Dmytros 74 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

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