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Procycling 02.18

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LEMOND UND DIE KLASSIKER

LEMOND UND DIE KLASSIKER 19 86 MAILAND–SAN REMO 19 85 Mailand–San Remo ist ein schweres Rennen, aber heutzutage kann es, wenn es eine konkurrenzfähige Gruppe gibt, mit einem Massensprint enden“, sagt LeMond. „Ich mochte das Rennen, obwohl es lang und langweilig war. Aber es war ein Klassiker und jeder Fahrer wollte einen Klassiker gewinnen. Ich wollte es gewinnen.“ LeMond näherte sich 1986 seinem Zenit. Er hatte in den vorausgegangenen zwei Jahren mit 23 und 24 einen dritten und zweiten Platz bei der Tour erreicht und entwickelte sich zum stärksten ERGEBNIS 1 Sean Kelly KAS 6:57:19 2 Greg LeMond La Vie Claire 0:00 3 Mario Beccia Malvor 0:00 4 Giuseppe Saronni Del Tongo + 0:23 5 Bruno Wojtinek Peugeot + 0:23 Rundfahrer der Welt. Aber er wusste bereits, dass er mehr gewinnen musste. „Ich hatte letztes Jahr zu viele zweite Plätze“, bemerkte er bei Paris–Nizza. „In diesem Jahr muss ich gewinnen.“ Bei Paris–Nizza war er nach eigener Einschätzung zwei Pfund zu schwer, ein hitzköpfiger taktischer Fehler kostete ihn dazu Zeit auf der Etappe zum Mont Ventoux, als er zu früh und zu hart attackierte, und er wurde Gesamt-Dritter hinter – wem sonst? – Kelly und Urs Zimmermann. Kelly war damals bei Paris–Nizza praktisch unschlagbar, sodass LeMonds Resultat beeindruckend war, auch wenn der Journalist John Wilcockson in seinem Bericht für die Zeitschrift Winning urteilte: „Außer wenn er sein Temperament in den Griff bekommt, wird er weiter ein Verlierer sein. Nie der große Sieger.“ Bei Mailand–San Remo folgte LeMond am Poggio einer Attacke des Malvor-Fahrers Mario Beccia; dahinter wurde Kelly seinen Sprinter- Rivalen Eric Vanderaerden nicht los, der den Iren beschattete. Kelly schaute sich LeMonds Angriff an, täuschte ein technisches Problem vor, ließ sich zurückfallen und fuhr dann eine entschlossene Konterattacke. „Beccia hatte sich abgesetzt und ich griff an und stellte ihn“, sagt LeMond. „Aber Kelly holte uns auf der Kuppe ein. Ich ging in die Abfahrt und dachte: ,Verdammt, Kelly ist an meinem Hinterrad.‘ Er hatte so einen schnellen Antritt und ich hatte meinen Sprint total falsch getimt.“ LeMond wusste, mit wem er es zu tun hatte, wenn er bei den Klassikern auf Kelly traf. Im Ziel sagte er: „Was willst du machen, wenn Kelly in Bestform ist? Er ist so gut wie die besten Kletterer und so schnell wie die schnellsten Sprinter.“ Obwohl er auch 1992 und 1994 an der Classicissima teilnahm (bei Ersterer wurde er 22.; der Sieger hieß wieder Kelly), fuhr er 1986 sein bestes Rennen. „Ich war enttäuscht zu verlieren, aber das Rennen hat Spaß gemacht. Damals war ich 25 und dachte, ich könnte noch fünf oder sieben oder acht Jahre Klassiker fahren.“ OMLOOP HET VOLK Nicht zu gewinnen, war 1985 ein Thema für LeMond. Auf seinem Konto standen am Jahresende drei Siege– eine Etappe der Tour de France plus eine Etappe und die Gesamtwertung des Coors Classic. Ein vierter Platz beim Omloop Het Volk folgte auf einen fünften Platz bei der Vuelta a Valencia; außerdem verbuchte er zweite Plätze bei der Tour, der Weltmeisterschaft und der Baskenland-Rundfahrt, einen dritten beim Giro, vierte Plätze bei Paris–Roubaix und dem Critérium International sowie einen siebten bei der Flandern-Rundfahrt. Het Volk im Februar fasste sein Jahr mehr oder weniger zusammen – er war stark genug, um vorne mitzufahren, zog aber im Finale den Kürzeren. LeMond wurde durch einen Sturz auf der Muur van Geraardsbergen aufgehalten, schaffte es aber in die entscheidende fünfköpfige Gruppe, die einen Vorsprung von drei Minuten auf das Feld herausfuhr. Aber Jacques Hanegraaf setzte sich auf der Zielgeraden in Gent ab und der anschließende Sieger Eddy Planckaert konterte, während LeMond mit Hanegraafs Teamkollegen Adrie Van der Poel als Bremser am Hinterrad zurückblieb und das führende Duo nicht mehr einholte. ERGEBNIS 1 Eddy Planckaert Panasonic 6:03:00 2 Jacques Hanegraaf Kwantum 0:00 3 Jef Lieckens Lotto + 0:38 4 Greg LeMond La Vie Claire + 0:38 5 Adrie van der Poel Kwantum + 0:38 LeMond attackiert 1986 in der Abfahrt vom Poggio, doch der gefährliche Kelly ist an seinem Hinterrad. 86 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

LEMOND UND DIE KLASSIKER 19 85 PARIS–ROUBAIX Mein bestes Paris–Roubaix war 1986“, sagte LeMond. „Ich glaube wirklich, dass ich in dem Jahr hätte gewinnen können. Ich war vorn, aber mein Schaltwerk geriet in die Speichen. Auch 1992 war ein Jahr, in dem ich hätte gewinnen können, aber ich habe das Rennen genutzt, um mich bei Gilbert Duclos-Lassalle zu bedanken. Er war bei der Tour 1990 in einer Ausreißergruppe mit acht Minuten Vorsprung, als ich am Col de Marie Blanque einen Plattfuß hatte, und er wartete auf mich“, erklärt LeMond. „Er ließ den Etappensieg in seiner Heimatstadt Pau sausen, um meine Tour zu retten.“ Paris–Roubaix war der Klassiker, der LeMond am besten zu liegen schien – er war 1985 Vierter und 1992 Neunter, als sein Teamkollege Duclos-Lassalle gewann. 1986 fiel er nach seinem Reifenschaden auf den 30. Platz zurück. 1985 bestimmte LeMonds altes Team Renault das Rennen. Da es einen Fahrer – Yvon Madiot – in der frühen Ausreißergruppe hatte, musste es sich nicht an der Verfolgung beteiligen, sodass die beiden Kapitäne, Madiots Bruder Marc und Bruno Wojtinek, Energie sparen konnten. Eric Vanderaerden attackierte in der letzten Stunde, aber wurde vor dem Kopfsteinpflaster-Abschnitt Carrefour de l’Arbre 15 Kilometer vor dem Ziel gestellt. Marc Madiot griff an und wurde vom Glück begünstigt, als ein Begleitmotorrad stürzte und Kelly, LeMond und Planckaert aufhielt. Während Wojtinek die Verfolgergruppe abdeckte, fuhr Madiot einfach weg und gewann. Wojtinek konterte am Ende und wurde Zweiter, bevor Kelly vor Le- Mond auf den dritten Platz sprintete. Total verdreckt kämpft sich LeMond (Mitte) durch Paris–Roubaix 1985. „Ich habe nicht einmal gemerkt, dass er angriff“, sagte ein erschöpfter und verdreckter LeMond im Ziel. „Ich hatte es drauf. Es gab zwei Sektoren, wo ich zurückfiel und die ganze Zeit hinterherjagen musste. Es ist kein schlechtes Ergebnis, vierter Platz, aber ich hasse dieses Rennen.“ ERGEBNIS 1 Marc Madiot Renault 7:21:10 2 Bruno Wojtinek Renault + 1:57 3 Sean Kelly Skil + 2:09 4 Greg LeMond La Vie Claire + 2:09 5 Rudy Dhaenens Hitachi + 2:09 FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 87