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Procycling 02.18

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LEMOND UND DIE KLASSIKER

LEMOND UND DIE KLASSIKER 19 85 FLANDERN-RUNDFAHRT LeMond schien im Gelben Trikot auf einem Alpenpass im Hochsommer zu Hause zu sein, aber während seiner Karriere lebte er in Kortrijk, einer durch und durch flämischen Stadt nahe der französischen Grenze und Roubaix und rund 25 Kilometer von den flämischen Ardennen entfernt, der Region, in der die Flandern-Rundfahrt ausgetragen wird. Er trainierte alleine oder in kleinen Gruppen, oft mit seinen Nachbarn Steve Bauer und Phil Anderson. Bauer war ein Teamkollege bei La Vie Claire, der bei Paris–Roubaix 1990 Zweiter wurde, und Anderson holte Siege beim Critérium du Dauphiné und Amstel Gold sowie höhere Plätze bei den meisten Klassikern. „Ich trainierte am Oude Kwaremont und dem Koppenberg. Das war meine Trainingsrunde“, sagt er. „Als ich als Junior nach Belgien zog, gewann ich die meisten Rennen, die ich fuhr, und viele davon waren auf Kopfsteinpflaster.“ ERGEBNIS 1 Eric Vanderaerden Panasonic 6:49:50 2 Phil Anderson Panasonic + 0:41 3 Hennie Kuiper Verandalux + 1:01 4 Noël Segers Tonissteiner + 2:03 5 Jef Lieckens Lotto + 2:03 6 Claude Criquielion Hitachi + 2:03 7 Greg LeMond La Vie Claire + 2:03 88 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

LEMOND UND DIE KLASSIKER 19 86 Die Flandern-Rundfahrt 1985 war eine epische Regenschlacht. LeMond kam als Siebter ins Ziel. LeMonds Affinität zu Belgien stammte von seinen Erinnerungen an Juniorenrennen. Als junger Fahrer träumte er davon, in die Fußstapfen von Eddy Merckx zu treten, und er wusste, dass die taktischen Fähigkeiten der einheimischen Rennfahrer durch ihre Erfahrungen bei Kirmesrennen geschliffen wurden. „Ich habe 1978 und 1979 in Belgien gelebt, und es gab jeden Samstag und Sonntag 25 Rennen für Junioren, 150 Kids, volle Pulle. Ich ruhte mich montags aus, machte dienstags eine lockere Fahrt, fuhr am Mittwoch volle Pulle, ruhte mich donnerstags aus, machte freitags eine lockere Fahrt, und fuhr samstags und sonntags volle Pulle“, erinnert er sich. „Ich bin nach Belgien gezogen, um dort zu leben und Rennen zu fahren, weil ich die Klassiker fahren wollte.“ LeMonds Erfahrungen verhalfen ihm zum siebten Platz bei der Flandern-Rundfahrt 1985, eine Auflage, die zur größten in der Geschichte des Rennens gewählt wurde. Bei fürchterlichem Wetter ging das Feld in Fetzen, und als die Hügel begannen, waren nur 60 Fahrer übrig. Es waren LeMond und Anderson, die am Oude Kwaremont den Druck erhöhten, was das Feld wiederum halbierte, und 80 Kilometer und zehn Hügel vor dem Ziel waren noch 30 Fahrer im Rennen. LeMond war, wie die meisten Fahrer, am steilen Koppenberg abgestiegen, aber am Berendries- Anstieg zusammen mit fünf anderen immer noch an der Spitze des Rennens. In dem Moment jedoch, in dem Hennie Kuiper die entscheidende Attacke fuhr, bei der der spätere Sieger Eric Vanderaerden und Anderson mitgingen, hatte LeMond einen Reifenschaden. Von seinem Mannschaftswagen war nichts zu sehen, und ein stümperhafter Laufradwechsel vom neutralen Servicewagen kostete ihn zwei Minuten. Er schloss sich der zweiten Gruppe an, die um den vierten Platz sprintete, wurde aber nur Siebter. Das folgende Jahr hält er für seinen besten Auftritt in Flandern. Er war gerade Zweiter bei Mailand–San Remo geworden und fühlte sich stark. „Ich war ganz vorn“, erzählt er. „Aber unser Motto bei La Vie Claire war: Hauptsache, das Team gewinnt. Steve Bauer attackierte und ich tat hinten alles, um alle Angriffe zu neutralisieren. Auf den letzten zehn Kilometern hatte ich keine Energie mehr, weil ich zu hart arbeitete.“ LeMond wurde trotzdem noch Elfter, eine Minute hinter dem Sieger Van der Poel, der Kelly, Bauer und Jean-Philippe Vandenbrand im Sprint bezwang. FLÈCHE WALLONNE „IN DEN MEISTEN JAHREN WAR ICH SCHON ETWAS PLATT, ALS ES IN DIE ARDENNEN GING, DOCH DAS GEHÖRTE DAMALS ZUM RADSPORT DAZU. WIR SIND JEDES RENNEN GEFAHREN.“ ERGEBNIS 1 Laurent Fignon Système U 6:24:39 2 Jean-Claude Leclercq KAS + 3:00 3 Claude Criquielion Hitachi + 3:07 4 Greg LeMond La Vie Claire + 3:09 5 Sean Kelly KAS + 3:12 19 84 GENT–WEVELGEM LeMond war kein Spezialist für Massensprints, auch wenn er gelegentlich aus kleinen Gruppen heraus gewann (wie bei der Weltmeisterschaft 1989 vor Kelly). Gent–Wevelgem ist ein Rennen, das den Sprintern historisch eher entgegenkommt als die anderen Klassiker, und es war klar, dass es für ihn nicht leicht zu gewinnen sein würde. Sein bestes Resultat holte LeMond 1984, als er Neunter im Sprint einer 20-köpfigen Gruppe wurde. Zwei Jahre später war er 19., nachdem er sich bei dem Rennen, das bei starkem Seitenwind auseinanderriss, in Szene gesetzt hatte. Er hatte sich mit einer 14-köpfigen Gruppe in einem hügeligen Abschnitt nach der Hälfte der Strecke abgesetzt und er hatte zwei Teamkollegen dabei – Bauer und Kim Andersen. Aber auch drei Kwantum- und drei Hitachi-Fahrer hatten es in die Gruppe geschafft, und als Fahrer aus diesen Teams attackierten, den späteren Sieger Guido Bontempi mitnahmen und die Spitzengruppe in drei Teile zerlegten, blieb LeMond in der dritten Gruppe zurück. „Die Wahrheit ist, dass du bei den Klassikern Mannschaftsunterstützung brauchst“, sagt er. „Du musst dich bis zu den ersten Anstiegen aus dem Wind raushalten, und das war bei mir nie der Fall. Ich habe so viele Rennen alleine bestritten, ohne ein wirkliches Team, das für mich da war. Dafür bezahlst du schließlich den Preis, wenn dir der Saft ausgeht. „Bei Cyril Guimard [Renault-Teamchef] und La Vie Claire hatten wir die Strategie, dass derjenige Kapitän war, der am besten aufgelegt war. Wenn Steve Bauer genauso stark war, sind wir beide gefahren, aber es verringert deinen Erfolg als Team.“ ERGEBNIS 1 Guido Bontempi Carrera 6:09:00 2 Eric Vanderaerden Panasonic 0:00 3 Pierino Gavazzi Atala 0:00 4 Francis Castaing Peugeot 0:00 5 Ad Wijnands Kwantum 0:00 6 Eddy Planckaert Panasonic 0:00 7 Stefan Mutter Cilo 0:00 8 Rudy Dhaenens Splendor 0:00 9 Greg LeMond Renault 0:00 FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 89