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Procycling 02.18

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DAS LETZTE WORT JENS

DAS LETZTE WORT JENS VOIGT Jens stellt sich eine Zukunft vor, in der die Teams ihre Fahrer überwachen, um einen Vorteil zu erzielen. © Kramon (Porträt), Yuzuru Sunada Lasst uns mutig sein und ein bisschen spekulieren, wie unser Sport sich in Zukunft entwickeln könnte. Im Laufe meiner Karriere, von meiner Amateurzeit bis zu meiner letzten Tour, habe ich viele Veränderungen erlebt, vor allem bei den Trainingsmethoden. Es ist viel Wissen vorhanden, und es sind im Laufe der Jahre Geräte entwickelt worden, die nicht nur die Herzfrequenz, sondern auch die Wattzahlen, Temperatur, Trittfrequenz und so weiter messen. Die Rennräder sind aus Carbonfaser, sie sind aerodynamischer und leichter (ebenso wie die Bekleidung). All das ist praktisch perfektioniert – bei Rennrädern muss man aufpassen, dass sie nicht unter das UCI-Mindestgewicht von 6,8 Kilo fallen, was der Weltverband für die kommende Saison um 500 Gramm senken sollte, wie ich finde. Es gibt immer Grenzen. So kann der menschliche Körper zum Beispiel nur ein bestimmtes Maß an Training vertragen, also muss es trotz des ganzen cleveren Trainings Grenzen geben, oder? Niemand kann dreimal am Tag drei Stunden trainieren, und das tage- und wochenlang. Wo werden die Teams und Athleten in Zukunft also einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz herausholen? Es gibt nur eine Möglichkeit – mehr Kontrolle. Wir hören viel über marginale Gewinne. Man kann sich leicht darüber lustig machen, aber da kommen die Verbesserungen doch her. Die Teams könnten ihre Fahrer bitten, über Nacht Geräte zu tragen, um die Herzfrequenz im Schlaf zu erfassen und die Schlafqualität zu messen. Klingt gut? Nein, nicht für mich. Was, wenn deiner Freundin oder Frau plötzlich „danach ist“ und diese Beschleunigung deiner Herzfrequenz auffällt? Wenn du dein Team das nächste Mal siehst, weiß dein Trainer oder dein Sportlicher Leiter Bescheid über dein Liebesleben. Oder willst du ihnen erzählen, dass du grundlos die Treppen hochgelaufen bist? Was ist, wenn sie dir sagen, dass du neun Stunden schlafen sollst, du aber Kinder hast und dieses Ziel nie erreichst? Könnten sie dir Lebensmittelkisten mit den exakten Kalorien, Vitaminen und Mineralien schicken, die der Ernährungsexperte für dich empfiehlt? Was ist, wenn du mit deinen Kindern Eis essen willst oder Popcorn futtern, während du den neuen „Star Wars“-Film anschaust? Musst du dein Team dann anlügen wegen der Extra-Kalorien? Was für ein Teamgeist oder eine Atmosphäre wäre das? Ein Team könnte die Tour-Mannschaft für einen Monat oder länger zusammenhalten. Nach dem Motto: „Wir vertrauen euch nicht, dass ihr „EIN TEAM KÖNNTE DIE TOUR-MANNSCHAFT FÜR EINEN MONAT ODER LÄNGER ZUSAMMENHALTEN. NACH DEM MOTTO: „WIR VERTRAUEN EUCH NICHT.“ Mehr Kontrolle über ihre Fahrer könnte die Einflussmöglichkeiten der Teams verbessern. Aber wollen wir das? alles richtig macht, deswegen wollen wir euch vor der Tour 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche überwachen.“ Das würde gewährleisten, dass die Fahrer richtig trainieren, schlafen, essen und trinken, aber was ist, wenn du einen Kaffee mit deiner Frau oder Freundin trinken willst? Das könnte problematisch sein, da die Teams ihre Investition schützen wollen, die Fahrer aber nicht wollen, dass Big Brother sie den ganzen Tag beobachtet. Ich kann beide Seiten verstehen – wenn ein Team einem Fahrer X, Y oder Z fünf Millionen Dollar zahlt, will es wissen, wofür das Geld ausgegeben wird; es will etwas Kontrolle darüber haben. Aber natürlich stelle ich mich auf die Seite der Fahrer. Es muss etwas Freiheit und Privatsphäre geben. Einfach etwas Lebens qualität und die Möglichkeit, einige Dinge selbst zu entscheiden. Die Teams können dir ein Gehalt zahlen, aber sie können dich nicht kaufen oder besitzen. Wir wollen hoffen, dass unser Sport sich nie zu weit in diese Richtung entwickelt. Jens Voigt beendete seine Profi - karriere 2014 nach 18 Jahren. Der Berliner war einer der angriffslustigsten und beliebtesten Fahrer. Er hielt den Stundenweltrekord für 42 Tage. 98 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

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