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Procycling 02.19

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AUSFAHRT DER CHAMPIONS

AUSFAHRT DER CHAMPIONS ten, aber jetzt, wo ich mehr Abstand vom Renngeschehen habe, sehe ich den Reichtum des Radsports. Als Tour-Fahrer wusste ich, dass Leute am Straßenrand stehen, aber ich habe nie erkannt, wie viel Spaß die Leute dort haben. Jetzt genieße ich es, am Straßenrand in einem Weingarten zu sitzen und Champagner zu trinken und ein Picknick mit Freunden zu machen. MC: Ich schaue nicht viel Radsport. Ich schaue mir lieber die Junioren, U23-Fahrer oder Frauen bei der Weltmeisterschaft an. Es gibt im Peloton viele Leute, die ich nicht mag, und viele Leute, die mich nicht mögen. Ich will es mir nicht anschauen. Es wäre, wie die Videoüberwachung deines Büros anzuschauen. Frauenrennen sind unvorhersehbarer. Es macht Spaß, sie anzuschauen. Bei Junioren und U23 ist es dasselbe und ich schaue mir lieber das an als mir anzuschauen, wie … irgendein Idiot gewinnt. CE: Hast du ein Rennen, das du jedes Jahr auf jeden Fall anschaust? Es gibt eins, das ich immer schauen muss. MC: Welches? CE: Roubaix. Das muss ich schauen, komme, was da wolle. Ich bin es nie gefahren, aber ich liebe es. MC: Du bist Roubaix nie gefahren? CE: Nie. MC: Ich bin es zu Ende gefahren und habe gesagt: Das ist verdammt noch mal das Krasseste, was ich je gemacht habe. Ich mache es nie wieder. CE: Darum liebe ich es. Ich habe viele Lieblingsstrecken – weil es für mich etwas Besonderes ist, die Great Ocean Road; es hat mich gereizt, weil es eine so schöne Strecke ist. Außerdem ist mein Rennen dort. Die Dolomiten sind die landschaftlich schönsten und spektakulärsten Berge zum Radfahren. Die Schweizer Alpen gehören zu meinen Lieblingsbergen. Colorado ebenfalls. ACHTET IHR AUF DIE LANDSCHAFT, WENN IHR FAHRT? MC:Du siehst nicht viel davon, wenn du Rennen fährst. Du nimmt es wahr, schaust es dir aber nicht an. CE: Ich habe die Strecken der Tour und des Giro vorher inspiziert, und ehrlich gesagt habe ich es genossen. Du bist in diesen schönen Bergen, und da konnte ich die Landschaft genießen und in mich aufnehmen und darüber nachdenken. Das war die therapeutische Seite. Ich habe trainiert und meinen Job gemacht, aber ich habe es wirklich genossen. MC: Warst du je auf Elba? Verdammt, es war eine der schönsten Fahrten, die ich je gemacht habe. Ich war da, nachdem Sagan mich aus der Tour [2017] befördert hat. Es ist nicht weit von mir – du kannst fahren und mit der Fähre übersetzen. Ich und Steve Cummings reden seit Jahren da-­ r über, mit der Lambretta rüberzufahren. Es ist verdammt schön. Du hast Küsten und ziemlich hohe Berge. Ich liebe Inseln. Ich bin ein Inseljunge. WENN IHR RAUSFAHRT, LEGT IHR VORHER EINE ROUTE FEST ODER IMPROVISIERT IHR? MC: Ich lege fast nie eine Route fest. Wenn ich mich nicht gut fühle, versuche ich eine kleeblattförmige Strecke zu fahren, dann bin ich nie weit von zu Hause entfernt. Aber normalerweise entscheide ich einfach spontan. CE: Wenn ich spezielles Training machen musste, habe ich entsprechend geplant. Aber abgesehen von strukturiertem Training war meine Streckenplanung sehr aus dem Stegreif, wie bei Mark. Ich schaue mir manchmal Landkarten an, um mich inspirieren zu lassen, aber nicht, um zu planen. MC: Steve Cummings hat einen Wochenplan. Er macht jeden Tag eine andere Fahrt oder Session und fährt an jedem einzelnen Tag eine bestimmte Strecke. Wir leben im selben Ort, aber wir trainieren nie zusammen. Nie. MACHT EUCH DAS FAHREN AUCH MAL KEINEN SPASS? MC: Ich würde lügen, wenn ich nein sagen würde. Es gibt Phasen, wo es dir keinen Spaß macht, aber es ging nie nur ums Fahren. Ich liebe das Fahren. Ich liebe es, verdammt noch mal. Die Leute sagen manchmal, dass ich Glück habe zu tun, was ich tue. Wir haben kein verdammtes Glück – was wir alles opfern und wie viel Schufterei das ist, die Leute werden es nie verstehen. Ich habe das Glück, tun zu können, was ich liebe, aber was ich geleistet habe, ist kein Glück. CE: Es ist nie so, dass mir das Fahren keinen 44 PROCYCLING | FEBRUAR 2019

AUSFAHRT DER CHAMPIONS Spaß macht, aber es gab Augenblicke in meiner Karriere, wo ich dachte: Warum zum Teufel mache ich das? Wenn es schneit, du fährst den Gavia runter und deine Hände sind so kalt, dass du nicht mal bremsen kannst. Ob ich morgens wach werde und nicht fahren will? Nun ja, ich werde morgens wach und will meine Shorts nicht anziehen oder mein Rad nicht putzen. Ich will das Rad nicht einpacken und zum Flughafen fahren. Aber wenn ich einmal unterwegs bin, habe ich selten ein Problem. WELCHES IST DER HÄRTESTE RITT, DEN DU JE AUSSERHALB EINES RENNENS ABSOLVIERT HAST? MC: Ich war Ende 2015 auf dem Teide. Ich hatte mir bei der Tour of Britain die Schulter verletzt und war sechs oder sieben Wochen ausgefallen und mit der Nationalmannschaft da. Das war hart. Aber das ist eine gute Frage, das bin ich noch nie gefragt worden. CE: Ich bin viele harte Strecken gefahren, aber das wird gewesen sein, wenn ich irgendwo unterwegs war und drei Stunden mit einem Hungerast gefahren bin. WIE ARBEITET IHR MIT DEM TEAM ZUSAMMEN? MC: Cadel versteht es. Er versteht mich. Und er drückt sich klar aus. Es ist nicht leicht, mit mir zu arbeiten. Wenn du mich verstehst, ist es leicht, mit mir zu arbeiten. Ich bin geradlinig. Ich erzähle dir keinen Mist und ich will nicht, dass du mir Mist erzählst. Das versteht er, und wir arbeiten gut zusammen. Er versteht, was ich sage. CE: Als Cav vor zwei Jahren zu meinem Rennen kam, habe ich ihn außerhalb des Radsports kennengelernt. Ich kannte den „Boy Racer“, aber wir sind zusammen ausgegangen, waren mit Andy Murray unterwegs. Ich habe seine Wurzeln gesehen und Ähnlichkeiten mit meiner eigenen Erfahrung und Karriere. Es gab Momente in meiner Karriere, wo die Leute den Glauben an mich verloren haben. Ich habe an einem Tag in meiner Karriere mit einem Teamchef gesprochen, der mir in die Augen schaute und sagte: ‚Alles, was du brauchst, sind ein paar Leute, die an dich glauben.‘ Und ich sagte: ‚Genau das will ich.‘ Das war der Tag vor der Weltmeisterschaft 2009. Und da BMC Partner von Dimension Data ist, wollen wir Mark nach Kräften unterstützen, damit er wieder der Alte ist.