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Procycling 02.19

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AUSFAHRT DER CHAMPIONS

AUSFAHRT DER CHAMPIONS Diagnose gefahren. Ich war Siebter der Tour 2012, aber habe es erst zwei Wochen nach Olympia in London festgestellt. Der Arzt rief mich an und verordnete mir, nach Hause zu gehen und mich zwei Monate auf die Couch zu setzen. WAS IST DEINE JOB­ BEZEICHNUNG, CADEL? CE: Ich bin globaler Botschafter für BMC. Wir sind ein Partner von Dimension Data und innerhalb des Teams bin ich eine Art Mentor – wir legen noch fest, wie das genau aussieht. Ich kann eingreifen und dies und jenes sagen, und ich kann die Dinge auf vielen verschiedenen Ebenen sehen und helfen. Wir wollen, dass Cav das bestmögliche Material hat. Wir haben ein neues Aero­ Rennrad entwickelt, von dem ich glaube, dass es fantastisch für ihn sein wird. Wir können einige Feinjustierungen für ihn und seine Bedürfnisse vornehmen. Kleine Dinge, die einen großen Effekt haben können. MC: Ich sehe nicht wie ein Rennfahrer aus. Und Cadel sah nicht wie ein Rundfahrtsieger aus. Er fährt anders. Ich bin kein großer, starker Sprinter. Rennräder sind darauf ausgelegt, Kraft zu übertragen und auf die Straße zu bringen, aber so fahre ich nicht. CE: So, wie er sprintet, wird der Lenker, den wir für ihn konstruieren müssen, uns vor eine Herausforderung stellen. Wir müssen die Art, wie wir ihn gebaut haben, umkehren, weil er anders fährt. MC: Es sind nicht die Rennräder, die falsch für mich sind – ich bin es, der falsch für die Rennräder ist. WAS LERNST DU VON MARK, CADEL? CE: Vieles. Vor allem, dass Hunger dich sehr weit bringen kann. Wir sind unterschiedliche Fahrer „NIEMAND VERSTEHT DIESEN VIRUS. ICH WÜRDE MIR LIEBER JEDEN KNOCHEN IM LEIB BRECHEN, ALS DIESEN VERDAMMTEN VIRUS ZU HABEN.“ MARK CAVENDISH – er ist Sprinter und er ist so gut in dem, was er macht, dass ich ihn nie infrage stellen werde. Es ist faszinierend, wie viele verschiedene Herangehensweisen zu Erfolg führen können. Er ist kein normaler Rennfahrer. Schau dir seine Schuhgröße, Beinlänge, seine Größe, seinen Körperbau an. Aber schau dir die Resultate an! UND WAS BEKOMMST DU VON CADEL, MARK? MC: Wir haben viel darüber gesprochen, wie man Leute managt. In meiner ganzen Karriere war ich Teamkapitän. Das war immer mein Job. Er erklärt mir, wie ich das Beste aus dem Team heraushole. Das habe ich gemacht, und es ist mir leichtgefallen. Er hat es mir aus psychologischer Sicht erklärt. Und Epstein-Barr hatten wir beide. CE: Das war der Auslöser für den Anfang vom Ende meiner Karriere. Ich bin sieben Monate ohne DU WURDEST MIT EPSTEIN-BARR SIEBTER DER TOUR 2012? CE: Ich bin dort angetreten, ohne zu wissen, dass ich es hatte. Es gab in meiner ganzen Karriere keinen so harten Ritt wie diesen, glaub’ mir. MC: Niemand versteht diesen Virus. Ich würde mir lieber jeden Knochen im Leib brechen, als diesen verdammten Virus zu haben. CE: Als Ausdauerathlet oder Rennfahrer lernst du als Erstes: Zu sagen, dass du erschöpft bist, ist die schwächste Ausrede, also benutze sie nicht. Und was ist das Hauptsymptom dieses Virus’? Du bist erschöpft. Okay, das kannst du nicht sagen und dich nicht darüber beschweren. Also weitermachen. Du nimmst dir vielleicht zwei Tage frei. Aber damit brauchst du zwei Monate frei. MC: Deine natürliche Reaktion, wenn du erschöpft bist, ist, dass du härter trainierst, weil du glaubst, dass du nicht gut unterwegs bist. In diesem Jahr war ich in so guter Form, aber es sah aus, als wäre ich total schlecht drauf. Die Mentalität ist, dass du dich härter antreibst, wenn du dich nicht gut fühlst. Cadel hat mich letztes Jahr überraschend angerufen und gesagt: ‚Überstürze es nicht.‘ CE: Ich erinnere mich, dass ich in der schlimmsten Phase wach wurde. Ich schlafe nicht viel, aber ich wurde nach zehn oder elf Stunden wach, schaute in den Spiegel und sah aus, als wäre ich zehn Jahre gealtert. Vier oder fünf Kaffee zum Frühstück, ich fuhr drei Kilometer die Straße runter. Es war früh in der Saison, ich sah ein bisschen Gras im Schnee und hätte mich am liebsten dort schlafen gelegt. Trotzdem habe ich das Training absolviert, vier Stunden in den Bergen. MC: Es ist fürchterlich. Du kannst nichts machen. Wenn du die Treppen hochläufst, musst du dich ins Bett legen. Du kannst echt nichts machen. Du kannst keine Zeit mit deinen Kindern verbringen. CE: Du wirst reizbar und frustriert. Die Erschöpfung war schwer genug, aber dann verliert auch noch dein Team den Glauben an dich. MC: Das ist, weil die Leute es nicht verstehen. Ich habe mich bei Mark Renshaw entschuldigt, weil er es hatte. Erst dachte ich, das ist schwach, Renshaw. Jetzt erkenne ich, dass die meisten Leute so denken; also musste ich mich entschuldigen. 46 PROCYCLING | FEBRUAR 2019

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