Aufrufe
vor 10 Monaten

Procycling 03.19

  • Text
  • Fahrer
  • Rennen
  • Procycling
  • Nibali
  • Siege
  • Giro
  • Teams
  • Saison
  • Images
  • Etappe

ERIK ZABEL Kraftakt: Mit

ERIK ZABEL Kraftakt: Mit einem fulminanten Sprint holte sich Novize Mark Cavendish 2009 den Sieg bei der „Classicissima“. zwar als Novize an den Start ging, aber dennoch bereits einiges über das Rennen wusste. Wer war „wir“? Wir hatten damals einen sehr guten Mix von verantwortlichen Personen im Team, egal, ob das Valerio Piva mit seiner Leidenschaft für italienische Rennen war, Brian Holm mit seiner Sympathie für die Rennfahrer, Rolf Aldag mit seinem Geschick für die technischen Details oder meine Person – wir haben stets versucht, den Fahrern so gut wie möglich zu helfen. Nichtsdestotrotz brauchst du natürlich Rennfahrer, die das auch umsetzen können. In den Jahren, in denen wir zusammengearbeitet haben, kam mir Mark Cavendish immer wie ein trockener Schwamm vor, der sämtliche Informationen in sich aufgesogen hat und eigentlich alles wissen wollte. Und das hat dann auch sehr gut geklappt. Obwohl man natürlich sagen muss, dass Heinrich Haussler gewonnen hätte, wenn Mark an diesem Tag nicht so einen genialen Sprint gefahren wäre. Wäre das Rennen 15 Meter kürzer gewesen, wäre er Zweiter geworden. Oder wenn er nur eine halbe Sekunde länger gewartet hätte – oder nur einmal kurz angefangen hätte zu überlegen. Dann wäre Haussler durch gewesen. Sind Streckenkenntnisse bei einem Rennen wie Mailand–San Remo besonders wichtig? Oder ist es generell ein Faktor, der in der Vorbereitung relevant ist? Natürlich ist Streckenkenntnis immer gut. Ich glaube aber, dass sie bei den Rennen in Flandern und Nordfrankreich noch wichtiger ist. Sicherlich hat man immer die Möglichkeit, auch bei einem so langen Rennen wie Mailand–San Remo, dass man einen Fehler noch einmal ausbügeln kann, aber das kostet natürlich Energie, die dann vielleicht im Finale nicht mehr da ist. Insofern geht es eigentlich immer darum, das perfekte Rennen zu finden. Und das perfekte Rennen bedeutet ja nicht, dass man fehlerfrei ist, sondern dass man einfach nur weniger Fehler macht und mehr Glück hat als die anderen an diesem Tag. „WENN ER NUR EINE HALBE SEKUNDE LÄNGER GEWARTET HÄTTE ODER KURZ ANGEFANGEN HÄTTE ZU ÜBERLEGEN, WÄRE HAUSSLER DURCH GEWESEN.“ Du wirst dieses Jahr mit Katusha-Alpecin am Start stehen. Nathan Haas war letztes Jahr als 18. Teambester und ist zeitgleich mit der ersten Gruppe nach Sieger Vincenzo Nibali reingekommen. Welche von euren Fahrern sind am ehesten prädestiniert, in die Top Ten fahren zu können? Nathan Haas habe ich im Dezember-Camp nur kurz gesehen, er ist dann nach Australien abgereist, um sich dort vorzubereiten. Insofern kann ich zu ihm nicht so viel sagen. Aber wer mit der ersten großen Gruppe angekommen ist und dann gut arbeitet, für den sollte das auch im Jahr danach möglich sein. Ansonsten würde ich auf­ 36 PROCYCLING | MÄRZ 2019

grund meiner Erkenntnisse sagen, dass Fahrer wie Nils Politt oder Ruben Guerreiro, eventuell José Goncalves und vielleicht auch Rick [Zabel], an einem guten Tag in der ersten Gruppe mit ankommen können. Unser Problem ist eher, dass wir sicherlich versuchen müssen, bei dem Rennen von der Situation zu antizipieren. Wir haben wahrscheinlich nicht den Rennfahrer, dem wir sagen können: „Warte, bis Nibali geht, dann geh mit und fahr mit ihm ins Ziel.“ Das kann vielleicht Nils, wenn er sich weiter so entwickelt; unsere Idee sollte aber eigentlich eher sein, zwischen den Punkten, die jeder kennt, Cipressa und Poggio, mit einem Näschen in der Gruppe mitzugehen oder zu versuchen, mit rüberzukommen und dann ein gutes Finale in San Remo zu fahren und da mit einem ordentlichen Spurt eine gute Platzierung reinzuholen. Das ist sicherlich im Moment unsere größte Chance – wir gehen mit vier Leuten in der Breite hin, werden sicherlich einen davon ein bisschen mehr beschützen und versuchen, von unseren sieben Startern vier ins Finale zu bringen. Die sollen dann einfach miteinander kommunizieren, wer sich wie fühlt und wer wem hilft. Daneben könnte Enrico Battaglin unser Schattenmann sein. Er hat schon drei Giro-Etappen gewonnen, auch auf ähnlichem Parcours. Ich bin gespannt, wie er in diese Saison reinfindet – und ob er vielleicht auch unsere Überraschung dort sein kann. Wer ist dein Topfavorit für 2019? Um es einfach zu machen: Peter Sagan muss man immer nennen. Er wurde 2013 und 2017 Zweiter. Warum hat er das Rennen noch nie gewonnen? Weil er vielleicht manchmal zu viel mit seinen Gefühlen fährt und zu wenig mit dem Kopf. Aber genau deshalb lieben ihn ja alle. In den letzten Jahren war er jedenfalls immer extrem sichtbar. Von daher ist das kein verwegener Tipp. Den Rest werden wir sehen, wenn die Rennen in Europa losgehen, wenn Paris–Nizza und Tirreno–Adriatico starten. Dann bekommt man ein besseres und klareres Bild. Demnach müsstest du Mailand–San Remo stets mit sehr kühlem Kopf gefahren sein. Wusstest du immer, in welcher Situation du in welcher Position sein solltest? Man versucht natürlich immer, so ruhig und kühl zu bleiben, wie es geht. Allerdings ist es schwer, bei Rennen wie Mailand–San Remo, der Flandern- Rundfahrt oder Paris–Roubaix ruhig zu bleiben. Die Rennfahrer haben große Ziele und sind hochmotiviert. Gerade heute mit dem Funk – wenn jedem Rennfahrer über Funk gesagt wird: „In zwei Kilometern geht es in die Cipressa hinein, da müsst ihr unter den ersten 20 reinfahren“, dann wissen wir alle, dass das rein rechnerisch nicht möglich ist. Von 190 oder 200 Startern können nicht alle unter den ersten 20 fahren. Je älter ich wurde, desto ruhiger oder abgekühlter bin ich sicherlich geworden, was derartige Rennsituationen anging. Das soll aber nicht heißen, dass man da nicht trotzdem eine ziemlich kurze Zündschnur hat. Trotz seiner herausragenden Qualitäten konnte Peter Sagan noch nie in San Remo gewinnen. Ist es 2019 soweit? BHB PA PREMIUMPA RE BH Unser Etappensieger: Das G7 Pro ART AR R P NERMA ERM ER RCA BHBIKESPREMIUMPARTNERMALLORCA ORC ALLO LO AL L R © Arkéa-Samsic Die Wahl von André Greipel: Das G7 Pro. DRAUFSETZEN LOSFAHREN GAS GEBEN