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Procycling 03.19

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DIE STARS VON MORGEN MAX

DIE STARS VON MORGEN MAX KANTER WorldTour-Niveau angekommen bin, bin ich zufrieden“, betont er. Langfristig will Kanter, der als Fahrertyp seinen Vorbildern John Degenkolb und Michael Matthews nicht unähnlich ist, allerdings auch selber Erfolge feiern – nach seinem letztjährigen Auftritt in Dänemark kein unwahrscheinliches Unterfangen. Sein Saisonstart verlief derweil allerdings noch nicht nach Wunsch: Bei der Tour Down Under musste Kanter aufgrund muskulärer Probleme vorzeitig vom Rad steigen. Dennoch hofft er, möglichst bald an sein letztjähriges Niveau anknüpfen zu können. Neben der UAE Tour Ende Februar stehen so mehrere Halbklassiker sowie ein Einsatz bei Paris–Roubaix auf dem Frühjahrsprogramm des Youngsters. Max Kanter war 2018 der beste deutsche U23-Fahrer. Als Stagiaire sein erstes Profirennen zu gewinnen – das schaffen nur ganz wenige Rennfahrer. Auf der fünften Etappe der letztjährigen Dänemark-Rundfahrt wäre Max Kanter dieser Coup fast gelungen: Wie so oft beim skandinavischen Etappenrennen kam es auch auf jenem Abschnitt zwischen Faxe und Frederiksberg nach 200 Kilometern zum Massensprint. Und der Youngster aus dem Team Sunweb löste das Versprechen ein, das er bereits in den Monaten zuvor als U23-Fahrer gegeben hatte: Der zu jenem Zeitpunkt 20-Jährige nutzte seine gute Position im Finale perfekt aus und sprintete auf Rang zwei – am Ende musste er nur Tim Merlier vom belgischen Team Verandas Willems-Crelan den Vortritt lassen. Doch nicht zuletzt seit seinem famosen Auftritt in Dänemark gehört Kanter zu den größten Hoffnungsträgern der deutschen U23- Szene. 2017 und 2018 wurde er jeweils Deutscher Meister der U23, im vergangenen Jahr gewann er zudem unter anderem eine Etappe bei der prestigeträchtigen Tour de l’Avenir. Mit diesen Erfolgen im Rücken war es keine Überraschung, dass der Nachwuchsfahrer aus Cottbus 2019 nun seine erste volle Profisaison für das Team Sunweb bestreiten TEAM SUNWEB (21 Jahre, 1. Profisaison) wird. „Ich war schon seit 2017 Teil des Sunweb-Development-Teams und bekam dort einen guten Einblick in die Abläufe einer Profimannschaft. Da bei Sunweb die U23-Mannschaft und die World- Tour-Equipe sehr eng zusammenarbeiten, ist das sicherlich ein großer Vorteil für einen jungen Fahrer“, erzählt er. ZIEL WORLDTOUR-NIVEAU Trotz seiner starken U23-Saison 2018 und des reibungslosen Übertritts zu den Profis will Kanter, der in früheren Zeiten auch auf der Bahn erfolgreich war, für 2019 allerdings erst einmal tiefer stapeln: „Für mich geht es in diesem Jahr darum, mich an das neue Niveau anzupassen. Ich will aus den Erfahrungen der älteren Profis lernen und möglichst viel für die Zukunft mitnehmen“, gibt er sich vor dem Saisonstart bescheiden. Auch wenn er bei den meisten Rennen eine Helferrolle zugewiesen bekommt – ganz abwegig sind eigene Ambitionen dabei nicht. „Vielleicht bekomme ich bei einem kleineren Rennen mal eine eigene Chance – aber mein Ziel ist einfach zu lernen. Wenn ich am Ende des Jahres sagen kann, dass ich auf VIELLEICHT BEKOMME ICH BEI EINEM KLEINEREN RENNEN MAL EINE EIGENE CHANCE – ABER MEIN HAUPTZIEL IN DIESEM JAHR IST EINFACH ZU LERNEN. © Team Sunweb (2x) PALMARÈS 2018 1. Platz 1. Etappe Tour de l’Avenir (2.NC) 2. Platz 5. Etappe Dänemark-Rundfahrt (2.HC) 3. Platz 1. Etappe Dänemark-Rundfahrt (2.HC) 3. Platz 1. Etappe Boucles de la Mayenne (2.1) 4. Platz Gesamtwertung Boucles de la Mayenne (2.1) 14. Platz Gesamtwertung Dänemark-Rundfahrt (2.HC) 48 PROCYCLING | MÄRZ 2019

DIE STARS VON MORGEN In der Vorweihnachtszeit erhielt Jonas Koch eine Überraschung, wie sie für ihn besser nicht ausfallen hätte können. Nach zwei Jahren beim polnischen CCC-Team hatte der 25-Jährige aus Rottweil eigentlich zu den unglücklichen Fahrern gehört, die nicht in die neue, aus der Fusion von CCC und dem JONAS KOCH CCC TEAM (25 Jahre, 4. Profisaison) ehemaligen BMC-Team hervorgegangene WorldTour-Mannschaft CCC übernommen worden waren. „Kurz vor Weihnachten bekam ich aber doch den Anruf, dass sie noch einen Platz für mich frei hätten. Die Freude war dann natürlich riesengroß“, blickt der junge Deutsche auf die vergangenen turbulenten Wo- chen zurück. Denn eigentlich hatte Koch für diese Saison bereits beim drittklassigen Heizomat-Team unterschrieben. Nach dem späten Anruf der CCC-Equipe darf er sich nun 2019 aber auf seine erste World- Tour-Saison freuen. Der Aufstieg in die oberste Radsportliga war für Koch dabei längst überfällig. Bereits 2015 hatte er mit einem prestigeträchtigen Etappensieg bei der renommierten Tour de l’Avenir eine starke Bewerbung für den Sprung in die höchste Radsportliga abgegeben. Entsprechende Angebote waren danach allerdings ausgeblieben. Der damals 22-Jährige ließ sich davon aber nicht beirren und schlug den Weg nach Polen ein: 2016 überzeugte er mit guten Leistungen im Trikot des zweitklassigen Verva ActiveJet Pro Cycling Teams, 2017 landete er schließlich beim CCC-Team. „Schon damals war es nicht einfach“, erinnert er sich an den Winter 2016/17. „Eigentlich hatte ich einen Zweijahresvertrag bei Verva ActiveJet, es gab aber leider Sponsorenprobleme. Also stand ich auf einmal wieder ohne Vertrag da und kam dann glücklicherweise bei CCC unter.“ TALENTPROBE IN LONDON Mit dem Sprung in die WorldTour sollen diese Unsicherheiten nun endgültig der Vergangenheit angehören. Welches Potenzial in dem endschnellen, aber dennoch bergfesten Eintagesspezialisten steckt, zeigte er im Laufe des vergangenen Jahres schließlich gleich mehrfach: Insgesamt sieben Top-Ten-Platzierungen fuhr Koch ein – darunter einen sechsten Platz bei der Straßen-DM und einen neunten Rang beim WorldTour-Rennen Ride London – Surrey Classic. Auch bei Etappenrennen deutete er sein Talent an, wie etwa der achte Rang bei der Tour of Norway zeigte. „2018 habe ich gezeigt, dass ich endschnell bin, aber auch bei kleineren Rundfahrten auf Gesamtwertung fahren kann. Genau diese Bereiche sind auch mein langfristiges Ziel: Ich will die Standfestigkeit am Berg beibehalten, aber meine Endschnelligkeit nicht verlieren.“ Neben diesen Zielen wird es für Koch 2019 vor allem darum gehen, sich in sein neues Team zu integrieren und zugleich auf WorldTour- Ebene Fuß zu fassen. „Ich will die Aufgaben, die ich vom Team bekomme, so gut wie möglich erfüllen“, sagt er im Hinblick auf sein Rennprogramm, das für ihn im Frühjahr unter anderem eine Teilnahme an mehreren belgischen Halbklassikern sowie beim Amstel Gold Race bereithält. Im Herbst könnte dann vielleicht sogar die erste Grand-Tour-Teilnahme winken. Dass dies schon in seinem ersten WorldTour-Jahr klappt, hat für Jonas Koch allerdings nicht die höchste Priorität. Viel wichtiger sei es ihm, erneute Unsicherheiten im Hinblick auf seinen Vertrag auf jeden Fall zu vermeiden – am besten mit konstant guten Leistungen im ersten WorldTour-Jahr. PALMARÈS 2018 6. Platz Deutsche Meisterschaft Straße 8. Platz Gesamtwertung Tour of Norway (2.HC) 9. Platz Ride London – Surrey Classic (WT) 10. Platz Brussels Cycling Classic (1.HC) 10. Platz Handzame Classic (1.HC) 16. Platz EuroEyes Cyclassics Hamburg (WT) © CCC/Chris Auld (2x) MÄRZ 2019 | PROCYCLING 49