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Procycling 04.19

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NIKI TERPSTRA Am

NIKI TERPSTRA Am Paterberg legt Terpstra den Grundstein zu seinem Solosieg bei der Flandern- Rundfahrt 2018. © Kramon 50 PROCYCLING | APRIL 2019

NIKI TERPSTRA „Manchmal musst du die Entscheidungen treffen, die am besten für dich sind, und bei mir ist es so: Wenn ich das Gefühl habe, dass es nicht richtig ist, mache ich es nicht“, sagt er. „Wenn du etwas unbedingt willst, musst du es drauf anlegen. Als ich zu Quick-Step wollte, habe ich den Teamchef angerufen und gesagt: Ich möchte in dein Team.“ Er sagt weiter: „Ich bin kein Schaf in der Herde. Wenn es zwei Türen gibt und alle vor einer Tür Schlange stehen, schaue ich nach, ob die andere Tür geschlossen ist. Und wenn sie geschlossen ist, stehe ich blöd da – ja ja, stell dich hinten an –, aber wenn sie offen ist … Ich habe keine Angst, es auszuprobieren.“ Terpstra hat zweifellos hohe Standards. Er erwartet viel von sich selbst und den Leuten, die ihn umgeben, was der Grund sein mag, dass er hart reagiert, wenn es nicht gut läuft. Er gründete die NHB-Gruppe, nachdem er erkannt hatte, dass ihn das Training mit anderen Profis stärker machen würde, eine Herangehensweise, die seine Karriere widerspiegelt. Die Gruppe mit ten Dam, Ramon Sinkeldam (FDJ), Cees Bol (Sunweb) und Julius van den Berg (EF-Drapac) ist vor allem eine WhatsApp-Gruppe mit einem geschlossenen Strava-Account. „Es ist wie eine Elitegruppe. Du brauchst eine Einladung. Du kannst nicht beitreten. Es geht nur über eine „MANCHMAL MUSS ICH MICH SELBST KNEIFEN, DASS ICH DIESE BEIDEN RENNEN GEWONNEN HABE. ABER ES IST EINE NEUE SAISON UND DIE ALTEN RESULTATE ZÄHLEN NICHT MEHR.“ Einladung, oder du bringst deinen Freund zum Training mit, aber er muss sich bewähren“, sagt Terpstra über die Gruppe. „Es geht nicht nur um Qualität, sondern auch darum, wer wirklich motiviert ist – motiviert ist, gut zu trainieren, die Jungs kennt, nicht am Hinterrad klebt … so Sachen eben. Und du musst lustig sein und manchmal den Kaffee und Apfelkuchen bezahlen. Dann kannst du in die Gruppe kommen“, sagt Terpstra. Und er versichert, dass es, obwohl sie Kaffee trinken, „keine Kaffeefahrt“ sei. Das Motto ist, lang und hart zu trainieren. Viele Fahrer wollten sich ihnen anschließen, konnten mit Terpstras Tempo aber nicht mithalten, fielen zurück und kamen nie wieder. Jede Woche haben sie eine Gesamtwertung – wer die meisten Kilometer im Training gefahren ist, braucht den Kaffee nicht zu bezahlen. Wenn Fahrer wiederholt nicht erscheinen, fliegen sie raus. In den Wochen vor größeren Zielen trifft sich die ganze Gruppe für eine große Runde – eine war direkt vor dem Omloop Het Nieuwsblad geplant. Ob Terpstra in diesem Frühjahr den gleichen Erfolg erreicht, jetzt, wo er bei einem ganz anderen Team ist und eine ganz andere Unterstützung hat, bleibt abzuwarten. Bei Quick-Step konnte er sich bei seinen zwei gewonnenen Monumenten auf starke Teamkollegen verlassen. Bei Direct Energie ist er Plan A – und nur Plan A. Aber Terpstra hat in seiner gesamten Karriere den Konventionen getrotzt. Man gewinnt nicht Flandern und Roubaix ohne unerschütterliche Entschlossenheit und ein hohes Maß an Zähigkeit, das er immer noch hat. „Manchmal muss ich mich immer noch selbst kneifen, dass ich diese beiden Rennen gewonnen habe – es ist unglaublich“, sagt er. „Es ist wirklich befriedigend, aber ich denke auch: Es ist eine neue Saison und die alten Resultate zählen nicht mehr. Du musst es wieder probieren.“ APRIL 2019 | PROCYCLING 51