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Procycling 04.19

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ROMAIN BARDET © Chris

ROMAIN BARDET © Chris Auld Auf der Pavé-Etappe nach Roubaix letztes Jahr musste Bardet einige Schreckmomente verdauen. Image: Getty Images 58 PROCYCLING | APRIL 2019

ROMAIN BARDET Bardet und AG2R haben immer wieder vergeblich versucht, Sky bei der Tour de France zu knacken. tag – waren eine Sache. Aber es war die sichtbare Akkumulierung von Stress, die deutlich machte, dass Bardet die Tour nicht gewinnen würde. „Ich habe letztes Jahr gelernt: Selbst wenn du in guter Form in die Tour gehst, müssen die Umstände günstig für dich sein, damit du glänzen kannst“, sagt Bardet. „Es ist auf den ersten Etappen nervös, aber das ist alles Teil des Spiels. In Mûr-de-Bretagne war es wichtig, nicht in Panik zu geraten. Du weißt, dass du Zeit verlieren wirst. Deswegen reißt du dich zusammen, um so wenig Zeit wie möglich zu verlieren. Dasselbe bei Roubaix – ich blieb in meinen Gruppen und hoffte, wieder ranzukommen. Ich musste mehrmals die Verfolgung aufnehmen, aber sie stoppen die Zeit auf der Linie und rechnen die Gesamtwertung aus. Über das Podium können Sekunden entscheiden, daher ist es überhaupt keine gute Nachricht, unter ungünstigen Bedingungen Sekunden zu verlieren, aber ich habe mich einfach weiter konzentriert und versucht, so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen.“ Waren die Berge besser? „Sie waren okay. Ich hatte nie die Gelegenheit, zu tun, was ich wollte, und das Rennen wurde von den Rouleuren bei Sky dichtgemacht, und es ist schwer, einen Vorsprung zu bekommen“, sagt Bardet. „Es ist schwer – ich habe es an der Alpe und auch am Tourmalet versucht. Ich war am Col de Portet nicht so gut. Aber ein bisschen stärker, und ich hätte auf dem Podium stehen können.“ Was muss sich ändern? „Alles. Die Umstände. Kleine Gewinne. Weiter trainieren.“ Wie könnt ihr mit Sky umgehen? „Wenn ich eine Lösung hätte, hätten wir es schon gemacht.“ „DU WEISST, DASS DU ZEIT VERLIEREN WIRST. DESWE GEN REISST DU DICH ZUSAM MEN, UM SO WENIG ZEIT WIE MÖGLICH ZU VERLIEREN.“ Wird es jedes Jahr besser? „Nein.“ Bardet hält inne und sagt dann: „Ich rede nicht gerne über die Vergangenheit. Ich denke lieber an die Zukunft. Die Zukunft ist wichtiger als die Vergangenheit.“ Rennen zu gewinnen, fällt Romain Bardet nicht leicht. Er war siebenmal Erster, seit er Profi wurde, im Schnitt einmal im Jahr. Drei davon waren Tour-de-France-Etappen, was beeindruckend ist, aber er wird selbst in kleinen Gruppen immer von besseren Sprintern und bei Rundfahrten gegen die Uhr von besseren Rouleuren bezwungen werden. Gleichzeitig hat er eine überraschend gute Bilanz bei Eintagesrennen, wozu wir später kommen – er tut sich keinen Gefallen damit, sich so sehr auf die Tour de France zu konzentrieren. Während sei­ ner Profikarriere fanden 14 andere große Rundfahrten statt, aber er fuhr nur eine davon, die Vuelta 2017, wo er auf einem weitgehend unspektakulären 17. Gesamtplatz landete. Die Radsportgeschichte ist voller Fahrer, die gut bei der Tour de France waren, aber indem sie alles auf eine Karte setzten, schöpften sie ihr anderwei tiges Potenzial nicht aus – Levi Leipheimer, Porte und Tejay van Garderen sind einige Beispiele. Niemand kritisiert Alejandro Valverde dafür, nie die Tour gewonnen zu haben, weil er so viel von allem anderen gewinnt, dass es die Fans nicht stört. Bardet hingegen läuft Gefahr, seine gesamte Karriere damit zu verbringen, sowohl die Tour nicht zu gewinnen als auch sonst nicht viel zu gewinnen. Selbst verglichen mit einigen seiner Landsleute wie Thibaut Pinot, einem Fahrer mit ähnlichen Stärken und Spezialisierungen und nur sechs Monate älter als er, schneidet Bardet schlechter ab – Pinot hat 26 Rennen gewonnen. Pinot ist auch besser in der Chancenverwertung. 22 Prozent seiner Top-Five-Plätze waren Siege. Bardet bringt es nur auf zehn Prozent, was heißt, dass er sich oft vorne platziert, aber nicht gewinnt. Aber Bardet ist bei Eintagesrennen besser, als viele glauben, und er war im letzten Jahr nahe dran, einige sehr große Rennen zu gewinnen. Er war Zweiter einer epischen Auflage von Strade Bianche, Dritter bei Lüttich–Bastogne–Lüttich (seine vierte Top-Ten-Platzierung bei dem Rennen), und er gewann die Silbermedaille bei der Straßen- Welt meisterschaft. Einer seiner Trainer weist darauf hin, dass Bardet nicht nur ein Grand-Tour- Diesel ist – er hat auch für die kurzen, knackigen Anstiege der Klassiker die nötige Spritzigkeit. „Die Tour ist das Rennen, das mir alle Möglichkeiten gegeben hat. Sie hat mir viel gegeben und mich als Fahrer geformt“, sagt Bardet. „Aber ich mag Eintagesrennen. An sie kann ich anders herangehen. Die Rennen sind weniger kontrolliert. Beim Strade Bianche habe ich in die Pedale getreten, ohne zu zählen, und es hat funktioniert. Ich habe einen guten Punch, verglichen mit den anderen Kletterern, und daran habe ich auch gearbeitet. Als ich in Peyragudes [Tour 2016] gewonnen habe, war das nicht meinem Dieselmotor zu verdanken.“ Bei der letztjährigen Tour war Bardets Rennrad speziell lackiert und trug ein © Getty Images (oben) APRIL 2019 | PROCYCLING 59