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Procycling 04.19

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AUF JEDEM TERRAIN

AUF JEDEM TERRAIN Valgrens Omloop-Amstel- Double 2018 bewies seine Fähigkeiten als Allrounder. © Lars Ronbog/Getty Images MICHAEL VALGREN DIMENSION DATA VALGRENS RESULTATE BEREITS AUF BEIDEN GEBIETEN ERFOLGREICH FLANDERN-RUNDFAHRT GENT–WEVELGEM E3 HARELBEKE DWARS DOOR VLAANDEREN KUURNE–BRÜSSEL–KUURNE OMLOOP HET NIEUWSBLAD LÜTTICH–BASTOGNE–LÜTTICH FLÈCHE WALLONNE AMSTEL GOLD RACE 123 22 2 35 MAILAND–SAN REMO DNF DNF DNF DNF 14 96 11 33 6 54 30 DNF 26 14 89 50 35 97 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18 4 DNF 1 19 1 Michael Valgren schloss sich einer erlesenen Gesellschaft an, als er 2018 sowohl das Omloop Het Nieuwsblad als auch das Amstel Gold Race gewann. Der Däne ist erst der zweite Fahrer, der beide Rennen in einer Saison gewinnen konnte – der erste war Eddy Merckx. Er schloss sich auch einem sehr kleinen Kreis von Fahrern an, die beide Rennen im Laufe ihrer Karriere gewannen – die Liste umfasst Jan Raas, Johan Museeuw und Philippe Gilbert. Es ist schwer zu sagen, welches Resultat besser zu Valgrens Fähigkeiten und Ruf passte. Er ist gerade erst 27 Jahre alt geworden, kommt also erst in seine besten Jahre, aber seine Ergebnisse bis zum letzten Jahr sprachen nicht für einen Allrounder, der auf einem Terrain außerordentlich gut war und ein Interesse an einem zweiten entwickelte, sondern für jemanden, der ein natürliches Talent für Kopfsteinpflaster- und hügelige Rennen hat. In seiner frühen Karriere neigte er zu den hügeligen Klassikern, und sein erstes nennenswertes Ergebnis bei diesen Rennen war ein zweiter Platz beim Amstel Gold 2016. Doch 2017 erweiterte er sein Repertoire und bestritt sowohl gepflasterte als auch hügelige Rennen. In seiner Debütsaison auf dem Kopfsteinpflaster in jenem Jahr wurde er Sechster beim E3 Harelbeke und Elfter der Flandern-Rundfahrt. Seine Vorstellungen in den Ardennen waren relativ enttäuschend, aber der weitere Weg war vorgezeichnet. 2018 war ein weiterer Schritt nach vorn. Sein Omloop-Sieg war einer sehr starken Mannschaftsleistung von Astana zu verdanken, die mit drei Fahrern in der zwölfköpfigen Gruppe vertreten war, welche an der Muur van Geraardsbergen eine Selektion erzwang. Stark genug zu sein, es in die Gruppe zu schaffen, war eine Sache, im Finale einen kühlen Kopf zu bewahren, eine andere – Valgren ließ zu, dass andere attackierten und hinterhergingen. Sein Teamkollege Alexei Luzenko griff an und wurde gestellt, dann startete Valgren zwei Attacken, von denen die zweite saß. Auch beim Amstel Gold nutzte er die taktische Gestalt des Rennens und die Umstände. In einer Fluchtgruppe mit Peter Sagan wusste er, dass er den Sprint gegen den Slowaken verlieren würde. Aber er wusste auch: Wenn tatsächlich jemand wegkäme, würde die Verfolgungsarbeit an Sagan hängen bleiben. Indem er sich mit zwei weiteren Fahrern absetzte, während Sagan sich weigerte, die Arbeit zu machen, kombinierte er seine Stärke mit cleverer Taktik wie bereits beim Omloop. Valgren unterschrieb für 2019 bei Dimension Data, wo er viel Freiheit hat und Kapitän sein kann, aber vielleicht etwas weniger Unterstützung bekommt als bei Astana. Obwohl er noch nicht so geglänzt hat wie Sagan und Gilbert auf ihren ureigenen Spezialgebieten, scheint er doch für das Kopfsteinpflaster und die Côtes das gleiche natürliche Talent zu besitzen. Sagan hat sich von den Hügeln von Lüttich immer abschrecken lassen (obwohl sich das in diesem Jahr ändern kann), aber Valgren, Gewinner eines Kopfsteinpflaster-Klas - sikers, hat sich bei Lüttich schon in den Top 15 platziert. Es scheint, dass er bei - des in Angriff nehmen kann, ohne etwas zu opfern oder Kompromisse eingehen zu müssen. EP 68 PROCYCLING | APRIL 2019

AUF JEDEM TERRAIN Wenn Sie glauben, dass es schon einmal hieß, dass Alejandro Valverde Flandern und dann Lüttich fahren könnte, liegen Sie richtig. Im Frühjahr 2018 wurde spekuliert, „El Bala“ würde bei der Ronde starten, bevor er die Ardennen in Angriff nimmt. Als er beim Dwars door Vlaanderen trotz des schlechten Wetters (das Valverde nicht liegt) Elfter wurde, verstärkten sich die Gerüchte. Aber nein. Valverde wurde flugs aus Belgien abberufen, um am GP Miguel Indurain in der Navarra in Spanien teilzunehmen. Statt die Flandern-Rundfahrt zu bestreiten, zog es sein Team vor, ihn ein 1.1-Rennen fahren zu lassen – das Val verde, das muss man sagen, gewann. Dass er die Flandern-Rundfahrt verpasste, kümmerte zu Hause niemanden. Die einzige Ausnahme war der Journalist Carlos Arribas, der selten einen Trick in der Movistar-Kremlforschung verpasst und einen langen Artikel für El País schrieb mit dem Titel „Warum Valverde nicht in Flandern ist“. Arribas sagte, Valverde sei „bewegt gewesen von dem sentimentalen und symbolischen Wert, den das Rennen für sein Team hat“. Es ist nicht nur das Rennen: Die Navarra ist natürlich die Heimatregion von Movistar, und im letzten Jahr war das Rennen eine besondere Hommage an Manager José Miguel Echavarri. Sollte Valverde tatsächlich am 7. April 2019 in Antwerpen starten, ist er kein Favorit. Spanien hat nur einen Podiumsplatz in Flandern – dank Juan Antonio Flecha, der 2008 in den Farben eines holländischen Teams Dritter wurde. Es ist nicht nur Flandern, wo die Spanier traditionell schwach sind. „Unsere Rennkultur konzentriert sich auf Etappenrennen. Bei einigen Eintagesrennen könnten wir gut abschneiden, aber wir haben eine magere Bilanz“, sagt Óscar Freire, Spaniens letzter Weltmeister vor Valverde. Freire fuhr sowohl Flandern als auch Lüttich, wurde Zwölfter bei dem Kopfsteinpflaster-Rennen und Elfter bei dem hügeligeren Event. Er fährt fort: „Für die Spanier ist die Flandern- Rundfahrt fast nicht existent. Sie waren dort mehr oder weniger Statisten. Wenn du für ein spanisches Team fährst, hast du viele Nachteile: Der größte war, die Strecke nicht zu kennen, auf der die Belgier, Holländer und so weiter schon fahren, seit sie Junioren waren. Aber jetzt haben die Spanier erkannt, wie wichtig diese Rennen sind.“ Kann Valverde Flandern und Lüttich kombinieren? Freire glaubt es. „Er ist ein sehr vielseitiger Fahrer. Wenn er eine gute Position halten kann, was er meistens kann, sollte er in Flandern seine mangelnde Erfahrung überspielen können. Es ist eine neue Herausforderung, ebenso wie Lüttich mit seiner geänderten Strecke. Aber das könnte der größte E3 HARELBEKE DWARS DOOR VLAANDEREN LÜTTICH–BASTOGNE–LÜTTICH FLÈCHE WALLONNE AMSTEL GOLD RACE MAILAND–SAN REMO DNF 130 54 Vorteil sein. Als Veteran ist es wichtiger, motiviert zu sein, weil du etwas anderes machst, als in Topform zu sein oder jeden Zentimeter der Straße zu kennen.“ AF VALVERDES RESULTATE DER ARDENNEN-FAHRER SEINER GENERATION 33 2 39 1 2 33 1 1 19 21 7 46 13 23 6 3 21 22 63 36 24 20 15 3 7 2 2 1 1 4 Valverde war in den Ardennen schon neunmal siegreich. Kann er auch auf dem Pflaster glänzen? 1 2 16 1 1 1 ’02 ’03 ’04 ’05 ’06 ’07 ’08 ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ALEJANDRO VALVERDE 19 MOVISTAR 11 13 2 5 ’18 © Tim De Waele/Getty Images APRIL 2019 | PROCYCLING 69