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Procycling 04.19

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NACHLESE ANALYSE •

NACHLESE ANALYSE • ERKENNTNISSE • DATEN © Getty Images OMLOOP HET NIEUWSBLAD / 02.03.2019 DECEUNINCK SAMMELT WEITER KLASSIKER-SIEGE Belgische Klassiker sind, um mit Gary Lineker zu sprechen, eine einfache Angelegenheit. 180 Männer fahren mit dem Rad von A nach B, und am Ende gewinnt immer ein Deceuninck- Fahrer. Das belgische Team, das für 2018 ganze 73 Siege zu Buche stehen hat, machte weiter, wo es aufgehört hatte, als ERGEBNIS die Saison 2019 begann, und als Zdenek Štybar den Omloop Het Nieuwsblad gewonnen hatte, war die Truppe schon im zweistelligen Bereich. Bevor die Redaktionen auf Het Nieuwsblad überhaupt reagiert hatten, stieg die Zahl schon wieder: Jungels bei Kuurne–Brüssel–Kuurne am Sonntag, Florian Sénéchal beim Le Samyn FAHRER TEAM ZEIT 1 Zdeněk Štybar Deceuninck–Quick-Step 4:53:17 2 Greg Van Avermaet CCC Team + 0:09 3 Tim Wellens Lotto Soudal + 0:09 4 Alexey Lutsenko Astana Pro Team + 0:09 5 Dylan Teuns Bahrain-Merida + 0:09 Štybar sprengt die fünfköpfige Führungsgruppe und fährt solo zu seinem ersten Sieg bei Omloop Het Nieuwsblad. 10 Siege für Deceuninck zwischen dem 13. Februar und dem 5. März am Dienstag. In den 21 Tagen vom 13. Februar bis zum 5. März gewannen sie zehnmal (und hätten wahrscheinlich mehr gewonnen, hätten sie die Chance gehabt – es gab drei rennfreie Tage). Štybars Omloop-Sieg war ein Meisterstück an Geduld und Timing. Und ein bisschen Glück. Deceuninck hatte sich vorhersehbar geballt an die Spitze gesetzt und war bei den wichtigen Vorstößen immer vertreten. Als ein Sturz von Tiesj Benoot eine Spitzengruppe in zwei Teile zerlegte und sechs Fahrer (später fünf), darunter Štybar, sich absetzten, war es eine Frage vorübergehender Bündnisse, veränderter Taktik und verzweifelter Verteidigung angesichts starker Attacken. Obwohl Deceuninck stark verteidigte, wenn sich einer ihrer Fahrer, darunter Štybar, absetzte, war der Tscheche immer noch einer gegen vier. Wenn Deceuninck die Spitzengruppe bevölkert, hat das Team es einfach. Dieses Mal war Štybar auf sich alleine gestellt gegen eine formidable Opposition. Er wusste, dass er gewinnen konnte, aber erst musste er dafür sorgen, dass Van Avermaet verlor. Der Belgier, zweifacher Gewinner des Rennens, war 78 PROCYCLING | APRIL 2019

Edward Pickering Herausgeber Nicht ganz Anquetil gegen Poulidor am Puy de Dôme, doch Ed genoss Pinots Kampf am Faron von Haut Var mit Bardet. Sam Dansie Redakteur Sam geht davon aus, dass Deceuninck die Klassiker dominieren wird, auch wenn bislang wichtige Rivalen fehlten. Sophie Hurcom Procycling-Autorin Sophie sieht in Tadej Pogačars Sieg bei der Volta ao Algarve eine Reife, die angesichts seiner 20 Jahre verwundert. Sadhbh O’Shea Procycling-Autorin Primož Roglič siegte bei der UAE Tour mit einer starken Vorstellung, doch kann er seine Form bis zum Giro d’Italia halten? der endschnellste Mann. Die Zusammensetzung der finalen Fünf war: Štybar, Van Avermaet, Luzenko, Dylan Teuns und Tim Wellens. Und die letzten Kilometer sagten jedem von ihnen alles, was sie wissen mussten. Die Muur und der Bosberg gehören zu den härtesten Prüfungen, die es bei den Klassikern gibt – Ersterer ist ein langer Anstieg, besonders mit dem sich lang hinziehenden Stück durch Geraardsbergen; Letzterer bedeutet eine Minute im tiefroten Bereich, verschlimmert durch die Tatsache, dass es keine Abfahrt gibt. Wäre einer von ihnen deutlich stärker gewesen, hätte er die anderen daher abgeschüttelt. Van Avermaet führte an der Muur, aber keiner der anderen vier wurde abgehängt, obwohl sie hier den vorübergehenden Mitfahrer Daniel Oss loswurden. An diesem Punkt – das muss man sagen – war das, was vom Peloton übrig geblieben war, nur eine Handvoll Sekunden hinter ihnen. Niki Terpstra, Oliver Naesen, Michael Matthews und Dylan van Baarle Van Avermaet war der schnellste Fahrer des Quintetts, doch er machte zu wenig daraus. engagierten sich alle und fuhren gut, waren jedoch umgeben von mehreren Deceuninck-Männern – Yves Lampaert, Jungels und Philippe Gilbert. Wenn Terpstra oder Naesen in diesem Jahr einen großen Klassiker gewinnen wollen, besteht kein Zweifel an ihrer Stärke, aber sie müssen sich mit der Stärke in der Tiefe der Deceuninck-Mannschaft auseinandersetzen, die diese meisterhaft nutzt. Van Avermaet versuchte es am Bosberg erneut und hätte die Gruppe fast gesprengt, aber es reichte nicht. Es waren noch zwölf Kilometer zu fahren; wenn irgendjemand auf der Kuppe des Bosberg die Kraft gehabt hätte, hochzuschauen, hätte er die Flagge eines Fans in dieselbe Richtung wehen sehen wie das Rennen: Rückenwind. Von diesem Moment an lief es auf Van Avermaets Rennstrategie hinaus. Als schnellster Sprinter musste er nur mit den anderen ankommen, um mit Abstand die besten Karten zu haben. Rückblickend machte er mit seiner halbherzigen Attacke im Flachen 7,4 Kilometer vor dem Ziel also einen Fehler. Er wurde sofort eingeholt von Wellens, aber selbst wenn sie gewartet und dann nachgeführt hätten, wäre es in ihrem Interesse gewesen, zu kooperieren, um Van Avermaet zu stellen. Da die Anstiege gezeigt hatten, dass die Fahrer mehr oder weniger gleich stark waren, schwächte Van Avermaet sich nur unnötig selbst. Die wichtigste Phase des Geschehens fand drei Kilometer vor dem Ziel statt. Wellens attackierte hart und wurde mit viel Aufwand von Van Avermaet eingeholt. Als der Zusammenschluss hergestellt war, ging Štybar, und Van Avermaet konnte nicht folgen. Er versuchte es, konnte aber nicht, und in diesen paar Sekunden fuhr Štybar 50 Meter heraus. Luzenko versuchte zu folgen (und hätte, wenn Van Avermaet zu Štybar hätte aufschließen können, bestimmt als Nächster attackiert), aber Wellens und Teuns hatten noch keinen Grund, zu arbeiten. Van Avermaet saß in der Falle. Vier werden einen in einem direkten Rennen immer schlagen, aber umgekehrt kann ein entschlossener Einzelkämpfer oft eine Gruppe schlagen, die nicht zusammenhält. Van Avermaets Vorteil, dass er der schnellste Fahrer der Gruppe war, war als Waffe gegen ihn genutzt worden. ŠTYBAR: NICHT DER RONDE-SIEGER? Der „Fluch von Het Nieuwsblad“ ist im Radsport gut bekannt. Es heißt, dass trotz der Ähnlichkeiten zwischen Omloop und der Flandern-Rundfahrt in puncto Parcours und Schwierigkeiten kein Fahrer beide Rennen in einer Saison gewinnen kann – bei 74 Auflagen hat kein Radprofi je das erste Rennen für sich entschieden und anschließend das große Monument gewonnen. Aber dafür gibt es gute Gründe. Obwohl die Rennen auf denselben Straßen ausgetragen werden, liegen normalerweise fünf Wochen zwischen den beiden Events, sodass jeder, der gut genug in Form ist, um Omloop Het Nieuwsblad zu gewinnen, am ersten Sonntag im April vielleicht schon langsam wieder abbaut. Zweitens ist die Flandern-Rundfahrt viel länger als ihr Pendant am Eröffnungswochenende. In diesem Jahr war das Omloop 200 Kilometer lang, verglichen mit 267 Kilometern bei Flandern. Obwohl ähnliche Qualitäten gefragt sind, ist der physiologische Motor, der für die Ronde nötig ist, viel größer – man könnte sagen, dass die meisten Ronde- Gewinner Het Nieuwsblad gewinnen könnten, aber ein Het-Nieuwsblad-Sieger kann nicht unbedingt die Ronde gewinnen. Das heißt aber nicht, dass es unmöglich ist – Greg Van Avermaet war vor zwei Jahren sehr nahe dran, den Fluch zu brechen, als er Omloop gewann und dann unglücklicher Zweiter bei der Ronde wurde. Kann Zdeněk Štybar 2019 einen draufsetzen? DER FLUCH VON HET NIEUWSBLAD YEAR OMLOOP-SIEGER FLANDERN-ERGEBNIS 2019 Zdeněk Štybar – 2018 Michael Valgren 4. 2017 Greg Van Avermaet 2. 2016 Greg Van Avermaet DNF 2015 Ian Stannard 57. 2014 Ian Stannard DNS 2013 Luca Paolini 23. 2012 Sep Vanmarcke 48. 2011 Sebastian Langeveld 5. 2010 Juan Antonio Flecha 34. © Getty Images APRIL 2019 | PROCYCLING 79