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Procycling 04.19

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NACHLESE Fahrer im Fokus

NACHLESE Fahrer im Fokus BAUKE MOLLEMA WAS WIR DIESEN MONAT GELERNT HABEN Blaak hat Vorliebe für Omloop Het Nieuwsblad © Kramon Der große Unterschied zwischen einem Top-Ten-Platz und einem Sieg bei einem WorldTour-Rennen wird selten besser verdeutlicht als in der Karriere von Bauke Mollema. Der Holländer war ein Dauergast in den Top Ten großer Rundfahrten, WT-Etappenrennen und Klassiker. Doch bis zum Beginn seiner zwölften Saison hatte er nur eines dieser Rennen gewonnen: die Clásica San Sebastián 2016. Mollema gilt vor allem als Spezialist für die großen Rundfahrten – er ist ein sehr starker Kletterer und ausdauernd. Er zählt sieben Platzierungen zwischen dem vierten und dem zwölften Platz bei dreiwöchigen Rennen; sein bestes Ergebnis war ein vierter Platz bei der Vuelta 2011. Aber seit diesem Höhepunkt hat er sich vor allem auf die Tour konzentriert, ist dabei nie über den sechsten Platz hinausgekommen und hatte nie weniger als zehn Minuten Rückstand auf den Sieger. Auch bei den kürzeren WorldTour-Etappenrennen war er nahe dran: insgesamt 13 Top-Ten- Plätze, dazu stand er auf dem finalen Podium von Tirreno–Adriatico, der Baskenland-Rundfahrt und der Tour de Suisse. Außerdem war er in den Top Ten von Lüttich, Lombardei, Amstel, Flèche und den zwei kanadischen WorldTour-Rennen; aber seine besten Eintagesrennen fuhr er in San Sebastián, wo sein Sieg 2016 von drei weiteren Podiumsplätzen untermauert ist. Mollema ist 32. Da Trek Richie Porte geholt hat, ist er nicht die größte Hoffnung seines Teams für die Landesrundfahrten. Er hat beim Giro und der Vuelta viel besser abgeschnitten als bei der Tour, was die Zeitverluste anging, und obwohl der Giro in diesem Jahr sehr anspruchsvoll aussieht, könnte es seine beste Chance für ein gutes Resultat in der Gesamtwertung sein. Er steht auch auf der Startliste der Tour, was ihn zu einem guten Plan B oder wertvollen Berghelfer macht, aber seine Karriere legt nahe, dass das Podium dort außer Reichweite ist. 2017 dürfte das beste Beispiel sein – er fuhr eine solide Gesamtwertung beim Giro, dann die Tour mit erfolgreicher Jagd auf einen Etappensieg. MOLLEMAS BESTE KLASSEMENT-PLÄTZE RENNEN PLATZ RÜCKSTAND AUF 1. Giro 2010 12. 19:41 Vuelta 2011 4. 2:03 Tour 2013 6. 11:42 Tour 2014 10. 21:15 Tour 2015 7. 15:14 Tour 2016 11. 13:13 Giro 2017 7. 3:41 Chantal Blaaks Sieg beim Omloop Het Nieuwsblad hat lange auf sich warten lassen. Die Holländerin fuhr das Rennen seit 2008 jedes Jahr und hatte bei diesen elf bisherigen Teilnahmen zwei zweite, einen dritten, zwei vierte und einen siebten Platz verbucht. Aber der Sieg war ihr versagt geblieben – am nächsten dran war sie wohl bei ihrem zweiten Platz 2016, als sie den Sprint einer kleinen Gruppe hinter ihrer Teamkollegin Lizzie Armitstead (jetzt Deignan) gewann, die eine halbe Minute vorher als Solistin ins Ziel gekommen war. Wenn all diese knappen Niederlagen Blaak belastet haben, so sah man ihr das bei ihrem Sieg 2019 nicht an. Sie ge - wann im alten Stil, indem sie als eine der stärksten Fahrerinnen einfach alleine losstiefelte. Sie führte die acht Fahrerinnen an, die sich an der Muur van Geraardsbergen vom Rest des Feldes trennten, beschleunigte bergauf und ließ ihre Rivalinnen leiden. Blaak konnte sich im Anstieg nicht ganz aus der Gruppe lösen, aber dann kam die Taktik ins Spiel. Sie attackierte in der kurzen Abfahrt zum Fuß des Schlussanstiegs, dem Bosberg. Da Blaaks Teamkollegin Anna van der Breggen auch in der Gruppe war, war die Lust auf eine Verfolgungsjagd nicht allzu groß, obwohl Trek-Segafredo ebenfalls mit zwei Fahrerinnen vertreten war, und die Gruppe wurde vom Feld geschluckt. Während die Verfolger zögerten, machte Blaak ihre Flucht perfekt – im Ziel hatte sie über eine Minute Vorsprung. Sie ließ es so einfach aussehen, den Omloop zu gewinnen, dass die Radsportwelt sich fragt: Warum hat das so lange gedauert? 84 PROCYCLING | APRIL 2019

NACHLESE TAKTIK-TIPPS: DECEUNINCK MIT VIELEN HÄUPTLINGEN ZUM SIEG Deceuninck–Quick-Step beweist, dass es reicht, einen Plan A, einen Plan B und einen Plan C zu haben, um weiter fast nach Belieben Eintagesrennen zu gewinnen. Das belgische Team feierte einen vielbeachteten Sieg bei Het Nieuwsblad. Aber es war seine Leistung beim Le Samyn, die uns wahrscheinlich mehr über das Team gesagt hat. Plötzlich scheint es, dass die Monumente und Klassiker zwar Priorität für die Belgier haben, aber kein Rennen zu klein ist, um auf Sieg zu fahren. Sie nahmen Le Samyn so ernst wie jedes andere, größere Rennen, selbst wenn sie nicht mit ihrem A-Team da waren. Zweitens: Obwohl sie Kapitäne zu haben scheinen, operieren sie mit zahlreichen Häuptlingen, wobei jeder Fahrer in einer guten Position von den anderen unterstützt wird, wenn sich die Umstände ändern. Le Samyn wurde auf den letzten Kilometern durch eine zehnköpfige Gruppe entschieden, darunter drei „Deceunincks“ und drei Roompot-Fahrer. Da Titelverteidiger Niki Terpstra von Direct Énergie Deceuninck– Quick-Step fing dort an, wo das Team 2018 aufgehört hatte, und gewann die ersten drei Klassiker der Saison. auch in der Gruppe war, mussten sich die Deceuninck-Fahrer trotzdem ranhalten. Die Attacken kamen und gingen, aber die wichtigste war die von Deceuninck-Profi Tim Declercq einen Kilometer vor dem Ziel. Es dauerte eine Weile, bis Roompot in der fragmentierten Gruppe eine Jagd organisiert hatte. Aber das Team fuhr hinterher und alles lief wieder zusammen. Terpstra hatte bereits zu viel Energie aufgewendet, sodass Declercqs Teamkollege Florian Sénéchal den Sprint gewinnen konnte. © Kramon APRIL 2019 | PROCYCLING 85