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Procycling 06.2019

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MAXIMILIAN SCHACHMANN

MAXIMILIAN SCHACHMANN „MEIN BIKEHANDLING IST BESSER GEWORDEN, ICH HABE MEHR ERFAHRUNG UND ICH KANN AUF DIE ANALYSEN MEINER BISHERIGEN RENNEN AUFBAUEN.“ MAXIMILIAN SCHACHMANN 2012 Bronze Straßen-WM U19 2015 Bronze Zeitfahr-EM U23 Silber Zeitfahr-WM U23 © Bora–hansgrohe/VeloImages, Bora–hansgrohe/BettiniPhoto (groß) 2016 Deutscher Meister Zeitfahren U23 Etappensieger Giro della Valle d’Aosta Gesamtsieger Tour Alsace Silber Zeitfahr-WM U23 2018 Etappensieger Katalonien-Rundfahrt Etappensieger Giro d’Italia Bronze Zeitfahr-EM Etappensieger Deutschland Tour 3. Gesamtwertung Deutschland Tour Weltmeister Mannschaftszeitfahren 2019 Sieger GP Industria & Artigianato Etappensieger Katalonien-Rundfahrt 3 x Etappensieger Baskenland-Rundfahrt 3. Platz Lüttich–Bastogne–Lüttich Im Sommer 2017 muss er allerdings erstmals in seiner Karriere einen größeren Rückschlag hinnehmen: Auf der fünften Etappe der Polen-Rundfahrt im August stürzt er schwer und bricht sich die rechte Ferse. Die Verletzung kostet den Berliner den kompletten Herbst. Doch er kämpft sich über den Winter zurück: Bereits bei der Algarve- Rundfahrt im Februar 2018 überzeugt er wieder mit Topresultaten. Und als er in den darauffolgen- den Wochen eine Etappe bei der Katalonien- Rundfahrt gewinnt und Achter beim schweren Flèche Wallonne wird, lässt er einmal mehr sein Talent aufblitzen. Seinen bis dato größten Erfolg fährt er allerdings auf der 18. Etappe des Giro d’Italia ein: Nachdem er lange zur Fluchtgruppe des Tages gehört, erhöht er am Schlussanstieg nach Prato Nevoso das Tempo – und fährt schließlich zu einem ungefährdeten Solosieg. 46 PROCYCLING | JUNI 2019

MAXIMILIAN SCHACHMANN EIN FAHRER FÜR JEDES TERRAIN Seine tolle Form untermauert er im Sommer mit einem dritten Platz bei den Europameisterschaften im Zeitfahren und einem überzeugenden Auftritt bei der Deutschland Tour: Bei der Wiedergeburt des Rennens ist er einer der dominierenden Fahrer, gewinnt eine Etappe und wird Gesamt-Dritter. Das UCI World Ranking 2018 Schlusssprint der dritten Etappe der Baskenland-Rundfahrt. Schachmann setzt sich souverän durch und verteidigte mit dem Etappensieg sein gelbes Führungstrikot. beendet Schachmann, wohlgemerkt in seinem zweiten Profijahr, als drittbester deutscher Fahrer – es sind Leistungen, die Begehrlichkeiten bei anderen Teams wecken. Am Ende sichert sich das deutsche Team Bora–hansgrohe die Dienste des Youngsters: „Über das große Potenzial von Maximilian muss man nicht viele Worte verlieren, das hat er in diesem Jahr schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Maximilian wird bei uns die Gelegenheit bekommen, sich langsam zu entwickeln. Er hat großes Potenzial auf allen Terrains, das muss behutsam aufgebaut werden“, sagt dessen Teammanager Ralph Denk bei der Vertragsunterzeichnung. Denk meint das wörtlich: Um Schachmann nach der harten Saison 2018 mehr Zeit zur Regeneration und zudem Ruhe für eine Folge-Operation seiner Verletzung von der Polen-Rundfahrt 2017 zu geben, beginnt das Training unter dem neuen Trainer Dan Lorang erst Mitte Dezember. Trotzdem ist Schachmann bereits im März bei der UAE-Tour wieder in Topform. Fast mühelos hält er dort am Berg das Tempo von Fahrern wie Alejandro Valverde und Michał Kwiatkowski, kurze Zeit später gewinnt er wie im Vorjahr eine Etappe bei der Katalonien-Rundfahrt. Es folgt der starke April, in dem Schachmann mit seinen jüngsten Auftritten bei der Baskenland-Rundfahrt und den Ardennenklassikern den endgültigen Durchbruch schafft. Wie er sich diese erneute Leistungssteigerung selbst erklärt, wollen wir wissen: „Ich glaube, dass diese Saison eine konsequente Weiterentwicklung der letzten Jahre ist. Und damit meine ich nicht nur meine Form: Mein Bikehandling ist besser geworden, ich habe mehr Erfahrung und ich kann auf die Analysen meiner bisherigen Rennen aufbauen“, so Schachmann. Auch in diesen Tagen beweist der Bora-Profi also, dass genau jenes analytische Denken eine seiner stärksten Qualitäten ist. „Die Erwartungshaltung ist jetzt natürlich viel höher. Es wird sich daher zeigen, ob ich noch Luft nach oben habe. Mittlerweile bin ich in einer Gruppe von Fahrern angekommen, wo die Tagesform und das Quäntchen Glück zählen“, erzählt er mit der nötigen Distanz. Der Stolz auf das Geleistete ist Schachmann freilich trotzdem anzumerken. So freue er sich, dass ihn mittlerweile auch Fahrer wie Vincenzo Nibali oder Alejandro Valverde vor dem Rennen ansprechen, wie er lachend anmerkt. Denn zu ihren Reihen dazuzugehören – das ist das langfristige Ziel des Maximilian Schachmann, der trotz seiner erst zweieinhalbjährigen Profikarriere bereits einen prestigeträchtigen Palmarès vorzuweisen hat. Dabei kann er sich sogar den Luxus erlauben, sich noch nicht festlegen zu wollen, auf welches Terrain er sich langfristig spezialisieren will. Selbst die großen Landesrundfahrten seien ein Thema, das er noch nicht zu 100 Prozent ausschließen wolle, wie er meint: „Im Moment liegt mir tatsächlich fast alles ganz gut. Ich komme gut mit den Klassikern zurecht, kann Zeitfahren und auch bei Sprints aus Gruppen kann ich mich zeigen. Und selbst lange Berge sind ja eigentlich nur eine Rechnung aus mehr Watt und weniger Kilo“, überlegt er. Schachmann ist jemand, der realistisch denkt – gerade deshalb ist es keine Abwegigkeit, dass er in Zukunft einen weiteren Leistungssprung schafft. Denn eines ist sicher: Wer sich in seiner dritten Profisaison bereits mit den Besten bei einem Rennen wie Lüttich–Bastogne–Lüttich messen kann – und das bei widrigsten Witterungsbedingungen –, der hat eine große Zukunft vor sich. JUNI 2019 | PROCYCLING 47