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Procycling 07.2019

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L E TO U R 20 19 DIE

L E TO U R 20 19 DIE FAVORITEN GERAINT THOMAS Hast du dich seit deinem Toursieg als Fahrer verändert? Vielleicht mehr Selbstbewusstsein entwickelt? Eigentlich nicht. Ich bin ein bisschen selbstbewusster und weiß, was ich tun muss, um dieses Niveau zu erreichen. Ich kann die anderen Jungs und ihre Form nicht beeinflussen, aber es hat mir sicher Auftrieb gegeben. Und die Moral ist nach diesem Erfolg einfach hoch. Ich spüre keinen zusätzlichen Druck – eher sogar weniger, denn ich habe erreicht, was ich erreichen wollte, und jetzt ist alles Weitere ein Bonus. Das heißt nicht, dass ich weniger motiviert bin, aber ich habe einfach nicht das Gefühl, unter mehr Druck zu stehen. Ich genieße es, zu trainieren und Rennen zu fahren und wieder auf dieses Gewicht runterzukommen. Ich weiß, welche Zahlen ich ungefähr erreichen muss, um auf dieses Niveau zu kommen. Aber wer weiß, wie die Jungs in diesem Jahr unterwegs sind? Jedes Jahr ist anders, jedes Rennen ist anders. Es ist noch etwas Zeit bis zur Tour, aber wo bist du aktuell – verglichen mit letztem Jahr – formmäßig? Es ist ein bisschen anders. Mein Winter war ganz anders. Ich hatte viel mehr zu tun. Ich habe rund drei Wochen später angefangen, erst Ende Novem - ber. Ich glaube, ich habe etwas mehr gewogen we- gen all der Feierlichkeiten und der vielen Freizeit, die ich ausnutzen wollte. Vor allem in diesem Spiel, vor allem bei Sky, können wir ein bisschen blasiert sein. Nach dem Motto: „Gut gemacht, wir haben gewonnen“, aber das sollten wir auch, wir haben ja schon sechs gewonnen. Ich dachte: Verdammt, Mann, es ist die Tour! Das werde ich feiern! Es ist das Größte, was ich erreichen kann, das habe ich wirklich gemacht. Das heißt natürlich, dass ich jetzt etwas länger brauche, um zurückzukommen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich eine anständige Power habe, sie ist gut. Ich wiege etwas zu viel, was hier nicht ideal ist, aber es wird eine gute, solide Woche, die ich brauche. Die Magenprobleme bei Tirreno waren nicht ideal, daher habe ich die zwei schweren Tage verpasst, aber es war ein solides Training. Wie ist dieses Jahr die Stimmung im Team? Wenn du siehst, was die jüngeren Fahrer leisten, motiviert es mich auf jeden Fall. Ich glaube, diese gesunde Konkurrenz in der Mannschaft ist gut und hat uns in der Vergangenheit so erfolgreich gemacht. Nicht nur zwischen mir und Froomey oder sonst wem, sondern im gesamten Team bis nach unten – Luke Rowe, Ian Stannard, Dylan van Baarle, Gianni Moscon und Christian Knees kämpfen alle um die Plätze. Ich glaube, das macht das Team so erfolgreich, denn jeder will zum Tour-Team gehören, und darum kämpfen wir die ganze Zeit. Nach dem Sturz von Chris wirst du ja ziemlich sicher die Kapitänsrolle für Ineos übernehmen. Machst du dir Gedanken darüber? Eigentlich nicht. Ich glaube, es ist wie jedes Jahr: Wenn du beim Rennen die Beine hast, wird es auf der Straße entschieden. Hoffentlich gewinnen wir. Alle meinten, dass der Sieg nur über Froomey und mich läuft, aber es gibt jede Menge andere gute Fahrer, die heiß auf den Sieg sind und unbedingt den ersten Sieg wollen. Wir haben definitiv eine Menge Arbeit vor uns, um wieder da oben hinzukommen. Gibt es neben den Klassementfahrern, die starke Zeitfahrer sind, irgendwelche Kletterer, die du fürchtest? Ich würde sagen, es gibt keinen, den ich fürchte. Wenn ich es mir dieses Jahr anschaue, so scheint Nairo Quintana ein kleines Comeback zu haben – er ist wieder da und wirklich gut drauf. Ich glaube, die Yates-Zwillinge – beide von ihnen – sind Supertalente und steigern sich. Und Primož Roglič, der immer besser wird … Was macht Roglič so gefährlich? Er hat spät mit dem Radsport angefangen und ist Froome, Thomas und Dumoulin letztes Jahr auf dem Podest in Paris. © Chris Auld 44 PROCYCLING | JULI 2019

„LUKE ROWE, IAN STANNARD, DYLAN VAN BAARLE, GIANNI MOSCON UND CHRISTIAN KNEES KÄMPFEN ALLE UM DIE PLÄTZE. ICH GLAUBE, DAS MACHT DAS TEAM SO ERFOLG­ REICH, DENN JEDER WILL ZUM TOUR-TEAM GEHÖREN.“ ein bisschen wie ich. Mich hat der Bahnradsport zurückgehalten – na ja, nicht zurückgehalten, aber als ich mit dem Straßenradsport angefangen und mich ganz darauf konzentriert habe, fing ich an, Fortschritte zu machen. Und ich glaube, er ist ähnlich und steigert sich jedes Jahr. Und wie man sieht, ist er sehr gut unterwegs. Und er hat jetzt ein starkes Team um sich herum. Jumbo–Visma hat sich als Ganzes wirklich sehr gesteigert. Auch Astana – das Team ist stark in diesem Jahr. Wir sind jetzt seit einigen Jahren top, aber wir sind noch motiviert und halten uns weiter ran. Thomas bahnt sich auf dem Weg nach Alpe d’Huez seinen Weg durch die Fans. Haben andere Teams einen Minder wertigkeitskomplex, wenn es um Sky geht? Vielleicht. Ich glaube, wenn man bei den größten Rennen so erfolgreich war, hat man diese Aura. Du drückst ihnen deine Autorität auf: Du bekommst die Vorbereitung perfekt hin und das ganze Team ist auf den Punkt in Form und du kannst dich an die Spitze setzen, weil du die Beine hast. Und weil du immer da bist, akzeptierten es die Leute etwas mehr. Wir konnten das nur, weil wir die stärksten Fahrer im Rennen hatten. Und das stärkste Team? Ja, sicher, aber wenn wir nicht das stärkste Team hätten, wäre es ganz anders. Wir könnten nicht die Rennen so fahren wie gewohnt, deswegen läuft es immer auf deinen Kapitän hinaus und darauf, da die Stärke zu haben. Aber ich glaube, jedes Jahr ist anders. Die Tiefe ist jetzt massiv. Viele Fahrer sind gut unterwegs und generell versuchen sich viele Teams auf dieses Ziel vorzubereiten. Das treibt uns auch an. Wird Ineos daran etwas ändern oder wird es sein wie immer? Ich glaube, ja. Ineos hat natürlich eigene Vorstellungen, aber im Endeffekt hat Dave [Brailsford] die Autorität, den Laden am Laufen zu halten wie bisher. Ich glaube, die Hauptsache ist, die Philosophie des Teams beizubehalten, und ich finde es toll, dass es britisch ist. Ich habe mich einfach gefreut, dass es mit dem Team weitergeht, es war mir eigentlich egal, wer es ist. Die Tatsache, dass es britisch ist, heißt, dass die Mentalität dieselbe bleibt und es kontinuierlich ist, und von daher sehe ich keine großen Verän derungen. Hast du Jim Ratcliffe in Monaco getroffen, bevor der Vertrag unterschrieben war? Ich habe ihn gesehen, aber ich weiß nicht, wann das war. Wir haben eine kleine Fahrt mit ihm und seinen beiden Söhnen gemacht. War der Vertrag da schon angeleiert? Ich weiß es nicht. Es war vor oder nach Tirreno. Ich war bei den Verhandlungen nicht dabei. Ich © Chris Auld JULI 2019 | PROCYCLING 45