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Procycling 07.2019

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L E TO U R 20 19 DIE

L E TO U R 20 19 DIE FAVORITEN ADAM YATES DER KAMPF ZURÜCK Adam Yates gewann 2016 das Weiße Trikot der Tour und wurde als zukünftiger Sieger gehandelt. Procycling erzählt er, was ihn die harten Lektionen des letztjährigen Rennens gelehrt haben und wie stark er sich in dieser Saison fühlt. Interview Alasdair Fotheringham, Sophie Hurcom Fotografie Chris Auld Ich werde älter, aber alle anderen auch. Dabei habe ich noch nicht das Gefühl, dass ich die Spitze erreicht habe. Noch immer fühle ich mich frisch und jung; ich habe immer noch das gleiche Gefühl wie in meinen Anfangsjahren, wenn ich ehrlich bin. Immer weiter Erfahrungen sammeln und immer stärker werden. Wenn du hart arbeitest, ist das alles, was du tun kannst. Ich kann nicht sagen, dass irgendeine Rundfahrt mein Lieblingsrennen wäre, weil es so viel mehr Stress bedeutet. Ich fahre gerne Rennen, aber wenn es zu viel Stress gibt, geht der Spaß verloren. Bei kleineren Rennen kann man etwas mehr riskieren, man kann verschiedene Taktiken ausprobieren, sehen, was funktioniert und was nicht. Das ziehe ich irgendwie den größeren Rennen vor. Ich werde nicht sagen, dass ich dieses oder jenes von der diesjährigen Tour de France erwarte, da dieses Rennen zu unberechenbar ist. Letztes Jahr bin schon früh drei- oder viermal gestürzt, hatte weiteres Pech und dazu kleinere Probleme, machte einige kleine Fehler. Ich gehe lieber hin und gebe mein Bestes. Aber wenn ich in der Form bin, in der ich aktuell bin, oder hoffentlich ein wenig stärker, dann halte ich mit den gleichen Jungs mit wie das ganze Jahr über. Wenn ich etwas mehr Glück habe, dann kann ich vielleicht etwas Besonderes vollbringen. Es war letztes Jahr bei der Tour ein bisschen von allem – es war heiß, ich habe nicht genug getrunken. Das Training war gut. Zwei, drei Wochen zuvor war ich Zweiter bei der Dauphiné und gewann die letzte Etappe. Manchmal läuft es halt so. Ich habe bei der letzten Tour meine Lektion gelernt und konnte meine Erfahrungen mit den Jungs bei der Vuelta teilen, und wir haben dort große Veränderungen vorgenommen. Nicht nur bei mir, sondern auch mit den anderen Fahrern im Team, um die kleinen Details etwas genauer zu analysieren. Wenn du startest und dich gut fühlst und es hat nicht geklappt, denkst du: Was ist hier los? Aber ich wusste, dass nicht nur ich, sondern auch das Team bei diesen kleinen Dingen etwas gescheitert war. Wir haben Änderungen vorgenommen, und bereits in diesem Jahr wurden diese Neuerungen umgesetzt. Die kleinen Details machen einen großen Unterschied. Bei der Tour starten und auf den zehnten Platz abzielen, ist nicht das, was ich mir vornehme. Wenn ich mir etwas vornehme, dann ist es, ganz oben zu sein. Ob man es umsetzen kann, muss man abwarten, aber Platz sechs oder sieben anzustreben … Platz sechs oder sieben bei der Tour ist immer noch eine ziemlich große Leistung, aber man muss sich mehr vornehmen. Es war mein bisher bestes Frühjahr, und die Py renäenetappe bei der Vuelta zu gewinnen, war für mich sehr wichtig, ein Höhepunkt meiner Karriere. Ich habe in der Vergangenheit hügelige Etappen gewonnen, aber es war das erste Mal, dass ich eine richtige Bergetappe gewonnen habe, eine mit einem 40-minütigen Anstieg am Ende. Ich war schon oft mit den Favoriten fürs Klassement in den Anstiegen, aber sie zogen jedes Mal davon. Dieses Mal habe ich es verstanden. Dann sind da noch meine Teamkollegen. Die Jungs, von denen ich denke, dass sie höchstwahrscheinlich mit mir bei der Tour sein werden, sind in guter Form. Jedes Mal bei jedem Rennen, das wir bisher gefahren sind, sei es in Katalonien, im Baskenland oder in Tirreno, fuhren wir so, als ob wir den Sieg holen würden. Es ist fast so, als würden wir für die Tour üben. Du willst auch diese einwöchigen Rennen gewinnen, denn wenn du nicht auf der „kleinen“ Bühne siegen kannst, was willst du dann von den großen Rennen erwarten? Dieses Jahr denke ich, dass das Profil besser für mich passt. Wir haben schon früh ein Zeitfahren. Hoffentlich schafft das ein paar Lücken zwischen den Klassementfahrern. Dann ist die 6. Etappe die erste Bergprüfung. Letztes Jahr hatten wir die Mûr-de-Bretagne als Bergankunft, aber es war nur ein zweiminütiger Anstieg. Wir hatten zehn oder elf Etappen, bevor etwas passierte. Es war lächerlich. Das Zeitfahren ist uneben, was mir etwas besser liegt. Ich denke, dass ich Schwierigkeiten habe, wenn es völlig flach ist. Es spielt keine Rolle, wie stark ich trete, die Energie, die ich produziere, ist die gleiche für die Anstiege, aber aus welchem Grund auch immer, es reicht nicht. Sobald es einen kleinen Hügel gibt, auch wenn es etwas technischer ist, gehe ich in der Tabelle nach oben. Dieses Jahr hatte ich zwei Top Ten bei Zeitfahren, nur weil sie eher hügelig als völlig flach waren wie die bei Tirreno, wo die einzigen Anstiege die Fahrbahnschwellen sind. Alle fragen mich, ob ich im Winter mehr Zeittraining gemacht habe, was stimmt, aber ich kann nicht einfach mehr Watt aus dem Nichts treten. Wenn ich bei einem Zeitfahren die gleiche Leistung erzeuge, die mir eine Bergetappe einbringen würde, verliere ich am Ende anderthalb Minuten. Attacken sind schwer zu fahren. Alle denken: Warum greifen sie nicht einfach an? Aber so einfach ist das nicht, man muss die Beine haben und man muss sich gut fühlen. Wenn man angreift und Zeit gewinnt, dann ist man der Stärkste im Rennen. Wenn du dieses Gefühl nicht hast, dann greifst du nicht an, denn wenn du attackierst, könntest du Zeit verlieren. Es ist alles ein Spiel. Vor allem hängt es von den nachfolgenden Etappen ab, der aktuellen Etappe und wie du dich fühlst, wenn du vorher einen harten Tag hattest. 48 PROCYCLING | JULI 2019

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