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Procycling 07.2019

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L E TO U R 20 19 DIE

L E TO U R 20 19 DIE SPRINTER DYLAN GROENEWEGEN Aber zurück zum Radsport. Fühlt er sich physisch in diesem Jahr anders als 2018? „Ja, ich weiß nicht, ich fühle mich gut, aber ja … Ich glaube, ich bin dieses Jahr vielleicht ein bisschen stärker als letztes Jahr, aber das ist ein kleines Prozent, daher denke ich, körperlich ein bisschen stärker, ich weiß nicht.“ Wo ordnet er sich zwischen seinen Rivalen ein? „Sie sind auch wirklich starke Fahrer, es ist gut, mit ihnen zu fahren, und es ist auch gut, sie zu schlagen. Sie sind wirklich starke Fahrer, aber jedes Rennen ist anders. Sie sind beim Giro, vielleicht sind sie bei der Tour de France, wir werden sie wieder sehen.“ Glaubt er, dass er im Moment der schnellste Sprinter der Welt ist? „Ich glaube, einer der schnellsten, es gibt viele gute Sprinter. Ich glaube, Viviani und Gaviria sind wirklich stark, aber da ist auch noch Caleb Ewan, der wirklich stark ist. Ich denke, das sind die Sprinter, die mit mir an der Spitze stehen. Jedes Rennen ist anders.“ Was ist der größte Vorteil, den er gegenüber seinen Rivalen hat? „Ich weiß nicht. Ich sprinte, so hart ich kann. Ich weiß nicht, was unsere Taktik ist oder so … Du siehst die Ziellinie und du sprintest mit Vollgas und du hoffst.“ Groenewegens zurückhaltende Persönlichkeit fasst in vielerlei Hinsicht das Ethos des Jumbo–Visma-Teams zusammen. Er kam 2016 mit 22 Jahren von Roompot-Charles in das holländische Team, als außerhalb des lokalen Netzwerks wenig über ihn bekannt war. Als er unter Vertrag genommen wurde, hatte das Team – damals LottoNL–Jumbo – gerade eines der schlechtesten Jahre in seiner Geschichte hinter sich, nur sechs Rennen gewonnen und hing am unteren Ende der WorldTour-Rangliste fest. Kaum eine verlockende Umgebung für einen jungen Fahrer. Aber Groenewegen wollte zu einer holländischen Mannschaft und traf sich also mit Manager Richard Plugge und Trainer Merijn Zeeman. Letzter hatte 2011 bei Skil-Shimano geholfen, das Sprint-Potenzial von Marcel Kittel freizusetzen. Das Duo war im Begriff, das Team neu aufzustellen, und das Kernstück war, eine starke Sprinter- und Anfahrer-Fraktion aufzubauen. Das Team verdankt seinen Erfolg der letzten Jahre und seine Stärke in der Tiefe klugen Einkäufen und einem Fokus auf die Entwicklung von Talenten wie Groenewegen und Primož Roglič und gab kein großes Geld für etablierte Stars aus. Dass Groenewegen so bescheiden daherkomme, so Zeeman, passe in die Kultur und das Ethos des Teams. „Jeder kann in unserem Team er selbst sein, aber am Ende stehen viele Leute hinter Dylan, die es auch möglich machen, dass er gewinnt. Er braucht das schnellste Rad, er braucht die beste Ernährung, er braucht das beste Training, er braucht die besten Teamkollegen. Viele Leute stecken viel Arbeit in seine Leistung, wenn am Ende nur einer dafür die Lorbeeren bekäme … Es ist auch wichtig für unser Team, dass alle jetzt erkennen, dass niemand das alleine schaffen kann. Du brauchst wirklich die ganzen Leute um dich herum und die ganze Energie, die hineingesteckt wird“, sagt er. „Ich glaube, wir sollten alle erkennen, dass keiner größer ist als das Team.“ Aber nur weil Groenewegen seine Emotionen nicht regelmäßig zur Schau trägt wie andere Sprin ter in der Vergangenheit oder Gegenwart, heißt das nicht, dass unter der reservierten Fassade keine feurige Persönlichkeit steckt. Der 25-Jäh rige gibt zu, dass er – wenig überraschend – nicht gerne verliert. „Wenn ich ein Rennen verliere, ärgere ich mich, aber nach einer Stunde wird es besser und dann freue ich mich auf das nächste Rennen, und dann bin ich wirklich still und sage nichts“, erklärt er. „Ich gebe immer mein Bestes, bei allem, was ich mache.“ Zeeman bestätigt, dass Groenewegen in seiner Anfangszeit bei dem Team oft die Fassung verlor, wenn es nicht so lief, wie er wollte, wütend wurde und vielleicht seinen Helm auf den Boden schmiss. Aber das Team brachte ihm bei, seine Frustration konstruktiv zu nutzen. „Früher ging er, wenn er sehr wütend war, ins Hotel, beruhigte sich, und dann war die Pressekonferenz nach dem Rennen sogar langweilig, nicht kritisch genug“, sagt Zeeman. „Aber wir haben ihm in seinem persönlichen Entwicklungsplan beigebracht, dass er, wenn etwas schiefgeht, diese Energie in die Teambesprechung einfließen lassen soll. Wenn wir uns steigern wollen, müssen wir Kritik aneinander üben.“ Auf die direkte Frage, wie schnell er sei oder was er bei der Tour in diesem Sommer erreichen könne, verfällt Groenewegen in seine allgemeinen Antworten, dass „jedes Rennen anders“ sei und „wir sehen, was passiert“. Zeeman lässt sich auch nicht zu vollmundigen Aussagen hinreißen, dass Groenewegen der schnellste Sprinter der Welt sei, selbst wenn er das glaubt. „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir bescheiden bleiben, und ich glaube, andere Leute sollten so etwas über uns sagen und nicht wir selbst, denn ich will unsere Gegner respektieren.“ © Getty Images 2015 war dieser Sprint einer von denen, die ihm den Ruf in die WorldTour einbrachten. 62 PROCYCLING | JULI 2019

PODIUMSPLÄTZE ER HAT KEIN HITZKÖPFIGES TEMPERAMENT, IST KEIN SELBSTDARSTELLER UND MACHT KEINE WHEELIES VOR DER KAMERA. ER IST IM MOMENT DER SCHNELLSTE SPRINTER DER WELT, ABER ER MAG ES NICHT, DAMIT ANZUGEBEN. 1. 3 Etappen Vier Tage von Dünkirchen 2019 Driedaagse Brugge- De Panne 2019 2 Etappen Paris–Nizza 2019, 1 Etappe 2018 1 Etappe Volta ao Algarve 2019, 2 Etappen 2018 1 Etappe Volta a la Comunitat Valenciana 2019, 2016 1 Etappe Tour of Guangxi 2018, 2017 Kampioenschap van Vlaanderen 2018 Veenendaal– Veenendaal Classic 2018, 2016, 2015 2 Etappen Tour de France, 2018, 1 Etappe 2017 1 Etappe Slowenien- Rundfahrt 2018 3 Etappen Tour of Norway, 2018, 2 Etappen 2017 Kuurne–Brussels– Kuurne 2018 1 Etappe Dubai Tour 2018 1 Etappe Tour of Britain 2017, 2016 2 Etappen Ster ZLM Tour 2017, 1 Etappe 2016 1 Etappe Tour de Yorkshire, 2017, 2016 Tour de l’Eurometropole 2016 1 Etappe Eneco Tour 2016 Niederländische Straßenmeisterschaft 2016 Rund um Köln 2016 Heistse Pijl 2016 1 Etappe Driedaagse van West-Vlaand. 2016 Brussels Cycling Classic 2015 2. 1 Etappe Vier Tage von Dünkirchen 2019 2 Etappen Dubai Tour 2018, 2017 1 Etappe Tour of Guangxi 2017 Kampioenschap van Vlaanderen 2017 1 Etappe Tour of Britain 2017, 2016 1 Etappe Tour de France 2017 1 Etappe ZLM Tour 2017, 2016 Dubai Tour 2017 1 Etappe Tour de Yorkshire 2016 Handzame Classic 2016 1 Etappe Volta a la Comunitat Valenciana 2016 3. 1 Etappe Tour of Guangxi 2018, 2017 Tacx Pro Classic 2017 1 Etappe Tour of Britain 2017, 2016 Cyclassics Hamburg 2017 1 Etappe Tour de France 2017 Niederländische Straßenmeisterschaft 2017 1 Etappe Paris–Nizza 2017 1 Etappe Volta ao Algarve 2017 1 Etappe Tour of California 2016 Nokere Koerse 2016 Ronde van Drenthe 2016 Trofeo Palma 2014 Sparkassen Münsterland Giro 2012 Doch nur weil Groenewegen nicht gerne großspurige Aussagen über seine Form oder seine Ziele macht, heißt das noch lange nicht, dass er privat nicht dasselbe Selbstbewusstsein hat wie die meisten von sich selbst sehr überzeugten Fahrer. „Er glaubt an sich selbst, an das Team und daran, dass wir Rennen gewinnen – bei der Tour gibt es nur eines, das für ihn zählt, und das ist zu gewinnen, ohne Frage“, sagt Zeeman. „Er ist sehr zuversichtlich, dass er das kann, und alle in seiner Umgebung wissen, dass er so zuversichtlich ist.“ Dylan Groenewegen ist einerseits der Star-Sprin - ter bei Jumbo–Visma, andererseits aber Kern einer Kohorte von jungen Fahrern, die dem eigenen Nachwuchs entstammen und in diesem Team Profi wurden. Sein Sprintzug besteht aus Amund Grøndahl Jansen, 25, der seit 2017 dabei ist, Timo Roosen, 26, der 2015 kam, und Mike Teunissen, 26, der 2015 Profi bei Jumbo wurde und in dieser Saison nach zwei Jahren bei Sunweb wieder zurückkam. Sie sind alle ungefähr im gleichen Alter, keiner hat Kinder oder familiäre Verpflichtungen und sie sind nach allem, was 1. 2. 3. 43 PROFISIEGE JULI 2019 | PROCYCLING 63