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Procycling 02.18

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© Kramon 26 PROCYCLING

© Kramon 26 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

SIMON YATES DIE TRENNUNG? Ende 2018 läuft der Vertrag der Yates-Brüder bei Mitchelton-Scott aus, und damit kommt die Frage auf, ob sich die Zwillinge trennen. Simon betont, dass sich die zwei noch keine allzu großen Gedanken darüber gemacht haben, und sagt, selbst eine Trennung sei kein großes Problem. „Ich glaube nicht, dass wir Schwierigkeiten damit hätten, für unterschiedliche Teams zu fahren, es ist wirklich kein Problem“, sagt er. „Bei den Amateuren sind wir getrennt gefahren, später dann zusammen. Wenn Adam jetzt in einem anderen Team wäre, würden wir vielleicht trotzdem zusammen ins Trainingslager fahren. Ich bin zufrieden damit, wie es ist, und wenn nicht irgendetwas passiert, sehe ich keinen Grund, etwas zu ändern.“ die Mannschaftsverfolgung trainiert und saß sechs Tage die Woche auf der Zeitfahrmaschine“, sagt er. „Jetzt ist die Position, wie sie ist. Ich erzwinge nichts, es kommt von alleine.“ Nach der Etappe über den Galibier bei der Tour im letzten Jahr, wo er die meiste Zeit auf die Gruppe um das Gelbe Trikot verlor, sagte Yates der Presse, er sei „nicht mental eingebrochen“. Darauf ist er bis heute stolz. „Die Tour ist das größte Rennen, das wir fahren. Ein ziemlich junger Fahrer im Weißen Trikot, der unter relativ großem Druck steht, gerät leicht in Panik. Und ich habe schon am Fuß des Galibier richtig gelitten. Ich dachte mir, dass es schwer sein würde, an diesen Jungs dranzubleiben, also nahm ich einfach raus. Du siehst das Gegenteil – sogar bei kleinen Rennen, wo viele Fahrer sich wirklich überanstrengen. Sie gehen in den roten Bereich und implodieren dann richtig. Ich schaue nicht auf mein SRM, es ist einfach ein Gefühl, dass ich weiß, dass ich das nicht lange durchhalten kann, also nehme ich Tempo raus und teile mir meine Kraft ein. Auf dieser Etappe bin ich, glaube ich, vier- oder fünfmal wieder an die Gruppe herangekommen, einfach indem ich mein eigenes Tempo fuhr. Auf dem Gipfel des Anstiegs hatte ich nur 20 oder 30 Sekunden verloren, aber es war der Gegenwind in der Abfahrt, der mir den Rest gab.“ Aber so stark Yates mit seinem Optimismus, Vertrauen in seine Fähigkeiten und Ehrgeiz auch ist – er weiß, dass die Jagd nach einem Grand- Tour-Podium noch einen größeren Durchbruch erfordern wird. „Was ist es jetzt? Zwei große Rundfahrten in den Top Ten? Ich muss mich steigern“, erinnert er sich. Als Procycling fragt, in welchen Bereichen diese Verbesserungen kommen könnten, kneift er die Augen zusammen und weicht unserem Blick aus. „Überall“, sagt er fast traurig, „überall. Ich bin nie der stärkste Kletterer. An bestimmten Tagen gehöre ich vielleicht zu den besseren Kletterern, aber ich bin nie wirklich der Typ, der das Tempo diktiert. Daher: überall.“ Aber Yates ist selbstbewusst genug, die Fortschritte, die er machen muss, um auf einem Podium zu stehen, zu quantifizieren: „Zehn Watt, überall.“ Bei der Tour de Romandie kann Yates erstmals erleben, wie man sich als Spitzenreiter fühlt. Zurück zum diesjährigen Giro. „Ich habe mir die Profile noch nicht angeschaut“, äußerte Yates Anfang Dezember, bevor sein Programm bekannt war. „Aber es ist der Giro. Er hat immer lange schwere Etappen. Und viele Zeitfahren, nicht wahr? „Nur weil die Profile bekannt sind, heißt das nicht, dass die Sache entschieden ist“, fügt er hinzu. Das stimmte sicher. Am Rand der Präsentation des Giro in Mailand war die Nachricht, dass Chris Froome in Israel an den Start gehen wolle, eine große Sache – wobei seine Teilnahme nach den jüngsten Vorfällen in den Sternen steht. Dabei sein wollen auch Fabio Aru, vielleicht Vincenzo Nibali und Tom Dumoulin. Wäre es nach Yates’ Erfolg bei der Tour und angesichts eines prominent besetzten Giro nicht logischer, sich auf die Tour zu konzentrieren? Die Rivalen wären nicht weniger, aber zumindest ein bisschen erschöpfter. „Ich verstehe, was du meinst. Aber man sollte es nicht davon abhängig machen, ob ein bestimmter Fahrer teilnimmt oder nicht“, sagt er. „Radsport ist nicht Boxen, wo du ihnen aus dem Weg gehen kannst, bis sie ein bisschen zu alt sind. Egal, wer teilnimmt, du musst fahren.“ Man hat das Gefühl, dass er es gar nicht anders haben möchte. © Getty Images FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 27