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Procycling 02.18

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© Fortuneo Oscaro Team

© Fortuneo Oscaro Team 56 PROCYCLING | FEBRUAR 2018

E D U A R D O SEPÚLVEDA DER PILGER AUS PATAGONIEN Als Eduardo Sepúlveda die lange Reise aus seiner Heimat Patagonien an der südlichsten Spitze Südamerikas nach Europa antrat, hatte er ein Ziel im Kopf: es als Radprofi zu schaffen. Procycling hat den argentinischen Kletterer vor seinem Sprung in die WorldTour getroffen. Text Alasdair Fotheringham Im Juni 1865 setzte die Mimosa, ein umgebauter Teeklipper, in Wales die Segel und nahm Kurs auf Patagonien – an Bord die ersten Emigranten des Landes, die Argentinien als Ziel hatten. Die 154 Auswanderer wollten eine Walisisch sprechende Gemeinde in einer möglichst abgeschiedenen Region gründen und damit das Überleben ihrer Sprache – und mithin ihrer Kultur – sichern, die zu Hause durch die englische verdrängt wurde. Erwachsene zahlten zwölf Pfund, Kinder die Hälfte für eine Koje auf der 7.000- Meilen-Reise der Mimosa zur Schaffung „eines kleines Wales außerhalb von Wales“, wie es ihr Gründer, ein gewisser Reverend Michael Jones, der mit wehendem weißen Haar und Rauschebart als Prophet aus dem Alten Testament hätte durchgehen können, es enthusiastisch formulierte. Als die Auswanderer feststellten, dass Patagonien nicht, wie zuvor berichtet, den saftig-grünen Tälern von Wales glich, sondern eine staubtrockene Halbwüste war, baten sie die britische Regierung darum, auf die Falklandinseln umgesiedelt zu werden, aber ihre Bitte wurde abgelehnt. Es ist kaum zu glauben, dass das linguistische Utopia von Reverend Jones in einer so unwirtlichen Umgebung nicht nur auf die Beine gestellt werden, sondern sogar überleben konnte. Aber das tat es. Im Chubut-Tal, wo sich die Auswanderer nach einem verzweifelten Marsch durch die Wüste niederließen, gibt es heute Zehntausende Sprecher des Walisi- FEBRUAR 2018 | PROCYCLING 57